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Breitband | Beitrag vom 11.05.2019

Podcasts auf der republicaEin paar Workshops und das war's

Von Carina Fron

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Vor einem Mischpult steht ein Mikrofon (Eyeem / Forest Run)
Immer beliebter: Laut einer Bitkom-Umfrage hören 22 Prozent der Deutschen Podcasts. (Eyeem / Forest Run)

Podcasts sind in. Gefühlt hat in Deutschland inzwischen jeder Baumarkt einen. Auf der republica spielten Podcasts allerdings eher eine untergeordnete Rolle, kritisiert Carina Fron: Gerade einmal 14 von 400 Veranstaltungen beschäftigten sich mit dem Thema.

Bevor Nick Quah, einer der führenden Podcast-Experten und Verfasser des Newsletter 'HotPod', über sein Fachgebiet reden will, möchte er erst einmal wissen, wer seine Leidenschaft für das Medium im Publikum teilt: "Wer von euch hört Podcasts?"

Brav schnellen die Hände nach oben - zu schnell, um sie zu zählen. Meine winkt aufgeregt in der zweiten Reihe.

"Wer hört amerikanische Podcasts? Wer hört deutsche?", fragt Quah. "Großartig, dann gibt es hier also eine Zuhörerschaft und eine Industrie."

Oh ja, wir sind hier, Nick Quah. Die, deren Herzen für ein Medium schlagen, das sich Podcast nennt.

Kein Thema für die Hauptbühnen

Hörer, Interessierte und auch Macher auf der Republica 2019 zu finden, ist eigentlich gar nicht so schwer. Die standen bei Europas größter Digitalkonferenz meistens viel zu gequetscht in viel zu kleinen Räumen herum oder musste sogar wegen bei überfüllten Panels draußen bleiben.

Auf den Hauptbühnen hatten Podcasts in diesem Jahr nur selten Platz, bemerkt auch Susanne Klingner.

Die Journalistin hat mit ihrem Podcast-Label "Haus Eins" auf der Republica den Preis für den Wettbewerb "Originals gesucht" von Deezer gewonnen. Ausgezeichnet wurde die Idee zu "Maschallah" - ein Podcast über muslimischen Alltag in Deutschland.

"Das war in so einem ganz kleinen Raum", berichtet Klingner von der Preisverleihung. "Also wirklich sehr überschaubar und fühlte sich dadurch jetzt auch nicht so irre feierlich an, muss man schon sagen."

Verbessert hat sich der Eindruck auch nicht dadurch, dass der Ort für die meisten Podcast-Veranstaltungen außerhalb des Geländes lag. Bedeutete für die Besucher jedes mal gut fünf Minuten Fußweg, für mich viel Hin-und Her-Gerenne, um möglist viele Veranstaltungen zu sehen. Und natürlich noch einen separaten Einlass mit erneuter Taschenkontrolle: "Kann ich mal Ihre Tasche sehen?"

Echter Austausch nur im Innenhof

Auch das fühlt sich wie ein Statement der Veranstalter zu Podcasts an - ob nun gewollt oder ungewollt. Bei über 400 Veranstaltungen Montag und Dienstag, haben sich gerade einmal 14 hauptsächlich mit Podcasts beschäftigt. Wie die Live-Aufzeichnungen von Machiavelli, der Cosmo-Podcast über Rap und Politik.

Oder Workshops zum eigenen Podcast und dann noch Fachgespräche. Präsentiert wurden hauptsächlich Gesprächspodcasts, meist standen die Storyteller nur im Publikum. Kein Wunder also, dass der Austausch im Innenhof das eigentliche Podcast-Muss war. Denn auf der Bühne wurde nicht gefachsimpelt, sondern nur in die Podcast-Welt eingeladen. Das bestätigt auch Podcasterin Susanne Klingner:

"Podcasts sind mittlerweile, finde ich, einfach ein etabliertes Medium. Eben gerade auch, weil die Verlagshäuser reingehen und so. Dass sie sagen, es ist einfach ein Kommunikationskanal für uns. Und die werden professioneller. Es gibt immer mehr Journalistinnen und Journalisten, die Podcasts machen. Tatsächlich würde sich dieser Schwerpunkt total anbieten."

Immerhin mehr Podcast-Veranstaltungen als 2018

Doch zwischen viel Frust gab es auch echte Perlen. Dazu gehörte das Panel "Warum wir Audio machen, obwohl wir kein Radio sind". Fünf Medienhäuser haben hier über ihre Erfahrungen mit Podcasts gesprochen. Stellvertretend für t-online.de saß auch Marc Krüger bei den Rednern. 

"Die meisten Leute in Deutschland sind noch keine Podcast-Hörer", stellt er fest. "Und wenn sie über so eine große Seite, wie t-online.de oder auch Spiegel Online oder auch die Süddeutsche Zeitung an das Thema Podcast herangeführt werden und vielleicht zum allerersten Mal auf diesen Playbutton klicken und merken, wie einfach das ist, dann ist die Chance auch relativ groß, dass sie sich da mal umgucken und schauen, was es denn da sonst noch so gibt, und freie Podcasts oder andere Podcasts finden."

Ähnlich wie es bei den meisten Verlagen mittlerweile quasi selbstverständlich dazu gehört, einen oder gleich mehrere Podcasts zu haben, würde er sich das Thema Podcast auf der Tagesordnung auch ganz selbstverständlich bei mehr Medienzusammentreffen wünschen: 

"Ich habe es im vergangenen Jahr sehr laut und sehr deutlich kritisiert, dass weder Audio noch Sprachassistenten noch Podcasts überhaupt auf der republica aufgetaucht sind. Insofern ist es in diesem Jahr ein großer Fortschritt und auch die Breite der Veranstaltungen ist ok."

Eine republica nur für Podcasts?

Ein anderes Highlight war der Vortrag von Minh Thu Tran und Vanessa Vu, die Köpfe und Herzen hinter "Rice and Shine". Dieser Podcast beschäftigt sich mit dem Leben der Vietdeutschen als Minderheit in Deutschland.

"Es sollte irgendwie mehr Minderheiten geben, auch auf diesen größeren Veranstaltungen", sagt Vanessa Vu. "Richtig weit wären wir aber, wenn sie wirklich überall auftreten und nicht nur auf einem Diversity-Panel, was sehr oft gemacht wird. Vielleicht auch aus Bequemlichkeit, vielleicht auch, weil die Leute gar nicht drauf kommen, dass wir eigentlich auch Podcasts sind am Ende des Tages."

Vielfalt fehlt nicht nur Vanessa Vu. Sondern auch anderen Podcastmachern und -liebhabern geht der Austausch über das Medium auf der Republica noch nicht weit genug. Dazu brauchte es eine Republica nur für Podcasts, um dem Thema wirklich gerecht werden zu können. Quasi eine Podcast-Konferenz, wie die Subscribe - nur in XXXL.

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