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Breitband | Beitrag vom 29.06.2019

Podcast-Kritik "The Two Princes" Zwei schwule Prinzen im Kampf für das Gute

Von Carina Fron

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Zwei junge Männer in weißem Hemd und schwarzer Hose umarmen sich im Meer stehend (Unsplash / Radek Pestka )
"The Two Princes" erzählt ein Märchen mit zwei schwulen Hauptfiguren (Symbolbild). (Unsplash / Radek Pestka )

Ein verwunschener Wald, ein Prinz und eine - nein, keine Prinzessin, sondern ein weiterer Prinz. Mit erfrischender Selbstverständlichkeit erzählt der neue Gimlet-Podcast ein Märchen mit zwei schwulen Hauptfiguren. Mehr davon, sagt unsere Kritikerin.

Es war einmal ein Podcast, der wurde aus der Liebe zu Märchen und der aufgeklärten Gesellschaft geboren. Er trägt den Namen "The Two Princes". Die zwei Prinzen. Erzählt wird in sieben Episoden die Geschichte von zwei Königreichen. Getrennt durch eine alte Fehde, eine Prophezeiung und einen verwunschenen Wald.

Im Westen regiert Lavinia, eine Königin, die den schönen Schein liebt. Bei Problemen schaut sie gerne weg. Lavinias Dialoge sind besonders witzig, sie antwortet meist in sarkastischen Einzeilern. Gespielt wird die Königin von Christine Baraski, bekannt aus ‘The Good Wife’. Nur eine der LGBTQI-Ikonen im Podcast, die großartig harmonieren.

Zwei Prinzen nähern sich an

Lavinias überbehüteter Sohn Rupert sucht Antworten für die Geschehnisse im Reich - mit Ausflüchten gibt er sich nicht zufrieden. Obwohl er nicht die typische Heldenfigur ist, zieht er alleine los und will den Wald davon abhalten, das Königreich zu verschlingen.

Dabei begegnet er dem Prinzen des Ostens, Amir, der sich als Sohn der Königin Atossa, Erbe des goldenen Throns, als Beschützer des Königreichs ausgibt - das erinnert ein wenig an die Vorstellungs-Orgien bei "Games of Thrones". Er wirkt etwas arrogant, hat aber Heldenpotential. Das Gegenteil von Rupert, der hat aber gleich ein Auge auf den anderen Prinz geworfen.

Amir ist davon erst mal irritiert. Doch während die verfeindeten Königinnen sich auf den Weg machen, ihre Söhne zu retten, nähern sich die Prinzen langsam weiter an.

Märchen-Standard, aber tolle Figuren

Mit dem Plot folgen die Podcaster dem Altbekannten: zwei rivalisierende Häuser, ein Fluch, bla bla bla. Das kann ich aber leicht verzeihen. Die Rahmenhandlung dient eben nur als Bühne für das eigentlich Herausstechende: Die Liebesgeschichte der Prinzen. Die baut sich zart auf, fügt sich dadurch in das Märchengeschehen harmonisch ein.

Klar, die Prinzen müssen mit den Erwartungen ihrer Mütter zurechtkommen, aber auch die reagieren echt locker. So sollte es immer sein.

Es gibt viel zu wenig queere Podcasts

Doch leider ist es noch nicht selbstverständlich: zwei schwule Helden im Mittelpunkt eines Märchens oder überhaupt eines fiktionalen Podcasts. In der Podcast-Landschaft wird die LGBTQI-Community eher durch Gesprächsformate wie "Gayish" vertreten. Die beiden Hosts Mike Johnson und Kyle Getz arbeiten mit Humor gegen Klischees.

Natürlich sind die auch toll. Aber wo sind die schön gebauten Geschichten? Beim Fiktionalen fällt mir gerade einmal ein einziger anderer Podcast ein, nämlich vom Team hinter "Welcome to Night Vale": "Alice isn’t dead" ist die Geschichte einer Truckerin, die ihre Ehefrau sucht. Nichts für Kinder, übrigens.

Liebevolle, aufwändige Umsetzung

Und dennoch sollten Erwachsene und Kinder "The Two Princes" nicht nur für seine Diversität mögen. Sondern für die liebevolle Umsetzung, mit schöner Musik und mehr Geräuschen als ich zählen kann. Raffinesse, die ich bei einem Podcast-Label wie Gimlet auch erwarte. Immerhin haben die schon einige tolle fiktionale Podcasts gemacht, wie "Homecoming". Wenn die beiden Königinnen mit einem Drachen kämpfen, mutet das wie ein Hörspiel an.

Wenn es etwas zu nörgeln gibt, dann dass die Geschichte mich zu keinem Zeitpunkt wirklich überrascht hat. Auch die Dialoge sind nicht besonders tiefschürfend. Das mag auch daran liegen, dass der Podcast sowohl Erwachsene als auch Kinder anspricht. Deshalb kommt bei mir auch Nostalgie auf, funktioniert "The Two princes" doch ein wenig wie eine Zeitmaschine in die eigene Kindheit – voller Märchen.

Ich prophezeie: Und wenn der Podcast nicht gestorben ist, dann wird er sicher noch eine Zeichentrickserie. Wäre auf jeden Fall höchste Zeit.

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