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Studio 9 | Beitrag vom 30.07.2016

Plus-Size-ModeGroß und schön ist gefragt

Von Sina Fröhndrich

 Kretschmer stellte seine neue Mode-Kollektion für kurvige Frauen vor. Diese Plus-Size-Kollektion wird vom Versandhaus Heine vertrieben. (picture alliance / dpa)
"Die Frau ab Größe 44 ist so komplett unerforscht", sagt Unternehmer Zahir Dehnadi - ein Model trägt eine Kombination aus einer Plus-Size Kollektion des Designers Kretschmer. (picture alliance / dpa)

Die Durchschnittsfrau trägt nicht Größe 38 oder 40, sondern 44 - sagen zwei Unternehmer aus Aachen, die einen Online-Versandhandel für Damenmode ab 44 betreiben. Aus dem einstigen Start-Up ist ein Unternehmen geworden, das Investoren anlockt.

Ein kleiner Raum, vollgestopft mit Kleidung. Eine dunkelblaue Bluse. Eine Tunika mit Blumenprint. Ein gestreiftes Kleid. Es sind Kleidungsstücke in Übergröße. Von 42 bis 56. Die Auswahl zeigt der Unternehmer Zahir Dehnadi gerne seinen Gästen. Vor sieben Jahren hat er mit seinem Freund Bahman Nedaie den Onlineversand Navabi gegründet. Die beiden kennen sich aus Kindertagen. Sie sind im Iran geboren, als Kinder mit ihren Familien nach Deutschland geflohen und in Aachen aufgewachsen.

Schon früh versuchen sie, ein Unternehmen zu gründen. Mit Ende 20 fangen sie an, Frauenkleidung aus der Boutique einer Tante im Internet zu verkaufen.

"Wir haben schnell gemerkt, dass von überall auf der Welt Liebesbriefe kamen, Australien, Emirate, danke für das was ihr macht – häh, was machen wir denn grad? Wir tun Kleidung auf eBay. Dann haben wir das analysiert, ok, große Größen und Premium, alles was nicht günstig ist, so 70, 80 Euro."

Vielversprechender Markt

Der Mittdreißiger Zahir Dehnadi spricht immer wieder von der Passion, etwas zu gründen. Er versteht sich nicht als Weltverbesserer. Korpulente Frauen schöner machen, das ist nicht mehr als eine geschäftliche Aufgabe.
 
"Wir haben gemerkt, hier ist ein Markt, hier gibt’s ein Problem, und wir haben gemerkt als Gründer, wir können das lösen – und das ist für Gründer das Geilste: Du kannst ein Problem lösen, wo es weltweit keine Konkurrenz gibt, aus dem kleinen Aachen heraus lösen und parallel noch ne super Firma aufbauen, in der du gerne arbeitest – das ist so wirklich unser Ziel gewesen."

Damit haben er und Bahman Nedai einen vielversprechenden Markt aufgetan: große Damenmode. Anfangs glaubt allerdings niemand daran.

"Die Frau ab Größe 44 ist so komplett unerforscht, die Industrie sagt, diese Frauen wollen ihre Identität durch Kleidung nicht ausdrücken, die wollen einfach nur ein Stück Stoff. So, Jungs das könnt ihr komplett vergessen, große Größen ist gleich faul, die haben alle kein Geld, die wollen einfach nur ein Stück Kleidung."

Bahman Nedaie und Zahir Dehnadi machen trotzdem weiter. Heute beschäftigen die Gründer 150 Mitarbeiter und beliefern Kundinnen vor allem in Deutschland, Großbritannien und Frankreich.

Ob das Geschäft schon schwarze Zahlen schreibt, das Unternehmen schweigt dazu. Aber: Erst Anfang des Jahres hat sich Navabi erneut 25 Millionen Euro von mehreren Investoren gesichert. Zahir Dehnadi sieht vor allem im anonymen Onlineversand einen Vorteil.

"Wenn man zum Beispiel nach London geht und nach Plus Size sucht, findet man das meistens neben dem Klo oder tief im Männerabteil versteckt. Das ist Quatsch, das sollte nicht so sein. Und ja die Umkleidekabinen sind zu klein. Man wird falsch angeguckt. Das ist definitiv so. Deshalb ist Onlineversand auf jeden Fall angenehmer."

Plus-Size auch in den Medien präsenter

Nicht nur Navabi hat den Trend erkannt. Große Mode verkauft sich gut. Mehr als drei Milliarden Euro – so hoch ist der jährliche Umsatz mit Damenoberteilen ab Größe 46, so die Gesellschaft für Konsumforschung.

"Sehr sehr Lustig, weil vor sieben Jahren hat keiner dran geglaubt und letztes Jahr gab's mehr Plus-Size-Modells auf 'nem Cover von Top-Fashion-Magazinen als in den letzten 20 Jahren in der Summe. Man merkt, der Zeitgeist ändert sich. Size Zero ist in einigen Köpfen noch das Ideal, aber ganz und gar nicht Realität."

Ein neues Feld wollen die jungen Gründer trotz aller Unternehmerfreude lieber noch nicht antasten. Beleibte Männer müssen auf Mode aus Aachen also noch warten.

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