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Plus Eins | Beitrag vom 09.09.2020

Plus-Eins-Serie "Älterwerden"So jung, wie man sich fühlt?

Von Henrike Möller

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Eine Großfamilie mit mehreren Kindern steht am Strand mit den Rücken zur Kamera und betrachtet den Sonnenuntergang. (Unsplash / Tyler Nix)
Kinder, Eltern, Großeltern – alle werden älter und erleben das auf ganz unterschiedliche Art und Weise. (Unsplash / Tyler Nix)

Wer ohne Reue auf sein Leben zurückblickt, kann gelassen älter werden. Aber auch junge Menschen werden älter. In dieser Plus Eins Serie erzählen sie, wie sie sich auf das Älterwerden vorbereiten, und alte Menschen erzählen, wie sie ihr Alter erleben.

Eltern vertrösten ihre Kinder oft auf später: "Dafür musst du erst noch älter werden." Später im Leben heißt es dann möglicherweise ungläubig: "In deinem Alter?" Das Altern und das Älterwerden begleiten uns in jedem Lebensabschnitt. Kinder wollen oft gerne älter sein, als sie es sind.

Im Alter kehrt sich das oft um. Manche Alten wollen sich ihre Jugend bewahren. Woher kommt die Sehnsucht nach einem anderen als dem tatsächlichen Alter? Und sind Menschen, die ihr Alter annehmen, glücklicher? 

Menschliche Eizellen in einer 3D Illustration. (imago / Rost9) Social Freezing heißt der Trend aus den USA. (imago / Rost9)

Teil 1: Jenny lässt ihre Eizellen einfrieren

Als Jenny 31 Jahre alt war, wollte sie keine Familie, sondern beruflich durchstarten. Doch das Thema Kinder kam immer näher. Die Uhr tickte. Social Freezing heißt der Trend aus den USA, wenn Frauen Eizellen einfrieren lassen, um diese später im Leben für eine Schwangerschaft zu nutzen. Auch Jenny aus Berlin lernte das Prinzip in den USA kennen.

Sie studierte Wirtschaft in der Nähe von San Francisco und erzählt, dass die großen Internetfirmen wie Facebook sich dort sogar an den Kosten für das Social Freezing beteiligen, um Mitarbeiterinnen im Unternehmen zu halten. Jenny gründete ein Unternehmen – und ließ eigene Eizellen einfrieren.

Ein Mann hält einen Drachen, während er mit seiner Tochter an der Hand durch ein Feld läuft. (imago images / Westend61)Im Alter wolle man doch jung bleiben und mit einem Kind bleibe man zwangsläufig jung. (imago images / Westend61)

Teil 2: Vater mit 61 – das hält jung

Mathilda ist neun Jahre alt. Ihr Vater ist 70. Matthias Franck freut sich über das späte Vaterglück. Er erlebt die Vaterrolle bewusster als die jüngeren Väter und ist auf dem Spielplatz viel aktiver als sie. Franck glaubt, als jüngerer Mann hätte er nicht die Ruhe gehabt, um sich auf seine Vaterrolle zu konzentrieren.

Da hätte die Karriere im Vordergrund gestanden. Jetzt im Alter könne er damit mehr Gelassenheit und Lebenserfahrung herangehen. Einer seiner Lieblingssongs sei "Forever Young", verrät er. Im Alter wolle man doch jung bleiben und mit einem Kind bleibe man zwangsläufig jung. Doch auch die Nachteile sind ihm bewusst. Er wird es vermutlich nicht erleben, wenn seine Tochter eines Tages selbst Kinder bekommt, dass er dann Opa wird.

Zwei ältere Leute, von hinten gesehen, sitzen nebeneinander auf einer Bank und schauen auf's Meer. (Unsplash / Matthew Bennett)Früher war der Altersunterschied kaum spürbar. Heute ist sie 60 und er 80 – und sie merkt, dass er abbaut. (Unsplash / Matthew Bennett)

Teil 3: Ich will keinen alten Mann

Eigentlich ist Kerstin Busch erst 60 Jahre alt, doch ihr Mann ist fast 80. Früher war der Altersunterschied kaum spürbar. Ihr Mann sei ihr körperlich immer überlegen gewesen. Er konnte besser Skifahren, Radfahren oder wandern. Seit einiger Zeit fällt ihr aber auf, er wird in allem langsamer und bedächtiger. Sie selbst empfindet das als Belastung.

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Sie möchte an ihrer Seite keinen Mann haben, dem man das Alter ansieht. Auf der anderen Seite könne sie sich vorstellen, dass ihr Mann es leid ist, ihren permanenten Anforderungen gerecht werden zu müssen.

Ein Paar lehnt sich an ein Cabrio und bewundert den Sonnenuntergang am Meer. (Getty Images / Cultura / Zero Creatives)Mit 58 Jahren kamen die Zweifel am Lebensstil. (Getty Images / Cultura / Zero Creatives)

Teil 4: Mein tolles Leben – oder die Zweifel der Midlife-Crisis

Theater- oder Konzertbesuche, Lesungen oder mit Freunden treffen – das war etwas, was andere Leute machten. Michael von Raison hatte genau einen Freund. Er leitete eine Werbeagentur in Leipzig, hetzte von Termin zu Termin, kümmerte sich um das Geschäft und verdiente sehr viel Geld.

Er hatte alles, wovon er je geträumt hatte: ein großes Haus, ein schickes Auto, tolle Kinder und alle möglichen Statussymbole. Doch mit 58 Jahren kamen ihm Zweifel an seinem Lebensstil und er machte einen radikalen Schnitt, trennte sich von seiner Frau und kehrte Leipzig den Rücken.

Eine nächtliche Aufnahme zeigt die Warteschlange vor dem Berliner Technoclub "Berghain". Im oberen Stockwerk befindet sich die "Panorama Bar". (laif / Andreas Pein)Im Berliner Club "Berghain" ging Peter viele Jahre tanzen und feiern. Nun nimmt er Abschied vom Partyleben. (laif / Andreas Pein)

Teil 5: "Auf die Jugend!" – Peters Abschied vom Partyleben

Peter kam Ende der 80er-Jahre nach Berlin, um am Partyleben der Hauptstadt teilzunehmen. Er zog nach dem Mauerfall durch die Undergroundklubs im Ostteil der Stadt und ging bis vor Kurzem gerne ins Berghain, einen der bekanntesten Klubs in Berlin.

Irgendwann bemerkte er, dass um ihn herum nur noch junge Leute waren und er mit seinen 53 Jahren weit über dem Durchschnitt lag. In der Schwulenszene, erzählt er, gehe es vor allem um einen makellosen Körper. Die Anzeichen des Alterns machen ihm daher sehr zu schaffen und wehmütig spricht er einen Toast auf die Jugend aus, die das noch vor sich hat, was hinter ihm liegt.
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