Das Feature, vom 07.02.2012

Von Zoran Solomun

Am 6. November 1972 wurde in Belgrad der 27-jährige Filmemacher Lazar Stojanovic¡ verhaftet. "Feindliche Propaganda" wurde ihm vorgeworfen und "verfälschende Darstellung der politischen Verhältnisse des Landes".

Josip Broz Tito, der 35 Jahre lang Ministerpräsident von Jugoslawien war (Bild: 1948) (AP)
Josip Broz Tito, der 35 Jahre lang Ministerpräsident von Jugoslawien war (Bild: 1948) (AP)

Zu diesem Zweck, so heißt es in der Anklageschrift, habe er "die Bildung einer Organisation von 29 Personen" betrieben, "um einen Spielfilm mit dem Titel "Plastic Jesus" zu drehen".

Stojanovic¡ wurde zu insgesamt drei Jahren Haft verurteilt, die er vollständig verbüsste.

"Plastic Jesus" war sein 70-minütiger Abschlussfilm an der Belgrader Filmakademie.

Stojanovic¡ vergleicht in seinem Film totalitäre Regime und zeigt Josip Broz Tito neben Adolf Hitler.

In der Geschichte Jugoslawiens hatte die "Affäre Plastic Jesus" große symbolische Bedeutung. Sie signalisierte auf unmissverständliche Weise, dass Tito keineswegs beabsichtigte, die bei den Studentenprotesten des Jahres 1968 geforderte Liberalisierung der Gesellschaft zuzulassen.

Anfang der 70er-Jahre begann der Kampf um den Erhalt des Machtmonopols, der zwei Jahrzehnte später mit dem Zerfall des Staates endete.


Regie: Axel Scheibchen
DLF 2012

Downloads:

Plastic Jesus. Tito und die jugoslawischen Achtundsechziger (PDF)
Plastic Jesus. Tito und die jugoslawischen Achtundsechziger (Text)