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Kompressor | Beitrag vom 31.03.2020

"Plague.Inc" als Ablenkung Beim Gaming selbst das Virus spielen

Michael Sträubig im Gespräch mit Andreas Müller

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Screenshot des Spiels "Plague". (Plague Inc.)
"Plague.Inc" steht in den Spielecharts zurzeit ganz oben. (Plague Inc.)

Das Strategievideospiel "Plague.Inc" feiert wieder einmal Erfolge. Der Perspektivwechsel mache das Spiel besonders attraktiv, sagt der Spieleexperte Michael Sträubig. Sich selbst in das Virus zu verwandeln, könne in schwierigen Zeiten helfen.

Ganz oben in den Spielecharts steht gerade "Plague.Inc", das auf Deutsch so viel wie "Seuchen GmbH" bedeutet. Es ist ein acht Jahre altes Strategievideospiel, bei dem der Spieler selbst zur Seuche wird und versucht, die Menschheit zu vernichten. Was bewegt Menschen dazu, die Wirklichkeit in Zeiten der Coronakrise auch noch in dieser Form nachspielen zu wollen?

"Es hat tatsächlich gerade eine enorme Popularität, wie auch schon vorher bei den Ausbrüchen von Ebola und Sars", sagt der Spieleautor Michael Sträubig, der sich auch wissenschaftlich mit dem Thema beschäftigt. Jedes Mal, wenn eine Seuche und die damit verbundenen Gefahren drohten, gebe es Leute, die aus verschiedenen Gründen mit dieser Gefahr gerne spielen wollten.  

Mutation als Aufgabe 

Das Interessante an "Plague.Inc" im Gegensatz zu anderen Spielen sei, dass man darin selbst die Seuche spiele, während es sonst oft eher darum gehe, die Menschheit als Wissenschaftler oder Wissenschaftlerin vor einer Seuche zu bewahren. "Die Aufgabe ist es eigentlich zu mutieren, also sein Genom bestimmten Maßnahmen anzupassen, die von den Menschen dann getroffen werden", sagt Sträubig über das schon 2012 entwickelte Spiel.

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Es würden im Spiel dann Grenzen dicht gemacht und versucht, ein Serum zu entwickeln. Die Menschen im Spiel reagierten sehr ähnlich wie jetzt während der Coronakrise in der echten Welt. "Man geht dann als Seuche strategisch vor und überlegt sich, was für eine Veränderung in meiner DNA oder RNA kann ich leisten, um dann diese Maßnahmen zu bekämpfen", so Sträubig.

Die Welt im Spiel erleben 

Das wirke auf den ersten Blick für einige Leute makaber, aber der spielerische Umgang mit solchen realen Bedrohungen sei für viele Menschen nicht nur ein Ventil oder eine Frivolität, sondern auch eine wichtige Beschäftigung, sagt Sträubig: "Kinder erleben die Welt auch im Spiel." Das sei aus vielen Ausnahmesituationen bekannt. Spiele seien für Kinder die einzige Rettung, um psychisch gesund zu bleiben.

"Es kann sehr vergnüglich sein, sich in ‚Plague.Inc‘ einmal in die andere Seite zu versetzen", erklärt der Spieleexperte. "Das ist sozusagen ein Perspektivwechsel." Ob das auch therapeutische Wirkung habe, darüber seien die Wissenschaftler bisher uneinig. Er persönlich glaube, dass Spiele einem sehr gut über eine schwere Zeit hinweghelfen könnten. Das gelte auch für die Isolation, sagt Sträubig.

Als weitere Spiele dieser Art empfiehlt der Experte das kooperative Brettspiel "Pandemie", bei dem die Spieler als Wissenschaftler unterwegs seien, um die Seuche zu besiegen. Dieses Spiel werde gerade unter Mitwirkung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) um den Kampf gegen Corona erweitert. Außerdem gebe es zahlreiche Krankenhausspiele, bei denen beispielsweise eine eigene Traumklinik zusammengebaut werden könne.

(gem)

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