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Studio 9 - Der Tag mit ... | Beitrag vom 15.04.2019

Pixi-Buch über Kinderrechte Zwiespältige Gefühle

Ralf Fücks im Gespräch mit Anke Schaefer

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Ein Kind hält in einer Kita in Berlin bei dessen Vorstellung das neue Pixi-Buch mit dem Titel "Stopp, PRIVAT!" (picture alliance / Christoph Soeder / dpa)
Es gibt ein neues Pixi-Buch zum Thema Schutz der Privatsphäre von Jungen und Mädchen – es stammt aus einer Reihe zu Kinderrechten. (picture alliance / Christoph Soeder / dpa)

Zum Kinderrecht auf Privatsphäre ist ein neues Pixi-Buch erschienen, das das Kinderhilfswerk und Bundesfamilienministerin Franziska Giffey gemeinsam vorstellten. Der Publizist Ralf Fücks findet es eine gute Idee, warnt aber vor zu viel pädagogischem Zeigefinger.

Das Deutsche Kinderhilfswerk stellte in einer Berliner Kindertagesstätte gemeinsam mit Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) das neue Pixi-Buch "Stopp, Privat!" vor. Das Büchlein macht bereits Kinder im Kita-Alter und ihre Eltern auf die in der UN-Kinderrechtskonvention festgeschriebenen Kinderrechte aufmerksam. Es befasst sich mit dem Thema "Recht auf Privatsphäre". Bereits erschienen sind Pixi-Bücher zu den Themen: Mitbestimmung von Kindern, Schutz von Kindern vor Gewalt und Kinderarmut.

Ralf Fücks ist geschäftsführender Gesellschafter des Zentrums für die liberale Moderne in Berlin. (picture alliance)Ralf Fücks ist geschäftsführender Gesellschafter des Zentrums für die liberale Moderne in Berlin. (picture alliance)

Dass es um Schutzräume für Kinder geht, findet unser Studiogast, der Publizist Ralf Fücks, eine gute Idee. Der Leiter des Zentrums Liberale Moderne in Berlin ist selbst Großvater von drei Enkelkindern und liest gerne vor.

Interaktion beim Vorlesen

Oft richte sich die Botschaft von Kinderbüchern auch an die Erwachsenen. "Es fällt schon auf, dass über die letzten Jahre Kinderbücher immer stärker so einen pädagogischen Impetus haben", sagte Fücks im Deutschlandfunk Kultur. "Ich habe da ein bisschen zwiespältige Gefühle." Es sei richtig, bestimmte Werte zu vermitteln und Kinder seien dafür sehr empfänglich. "Aber es sollten schon noch lebendige Geschichten sein und nicht bloß Träger von politisch korrekten Botschaften." Kinderliteratur sei auch ein Medium der Selbstreflexion und des in Fragestellens des eigenen Denkens oder Verhaltens. Wenn man Kindern vorlese, sei immer die Interaktion interessant. "Wie reagieren die Kinder, welche Art von Gesprächen entwickeln sich daraus."

Gradwanderung der Erziehung  

Fücks sagte, dass ein solches Buch aber auch das Selbstbewusstsein von Kindern stärken und sie zu Protest anregen könnte, wenn beispielsweise zu stark in ihre Privatsphäre eingegriffen werde. Es handele sich in der Familie immer um eine Gratwanderung, wie viel Freiraum Eltern ihren Kindern zugeständen und wo sie Grenzen setzten. "Wann wird es zum Beispiel gefährlich oder wann wird es auch tyrannisch?"  

(gem)

Ralf Fücks ist geschäftsführender Gesellschafter des Zentrums Liberale Moderne in Berlin. Er war zuvor 21 Jahre lang Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung. Der Vor- und Querdenker sucht stets den parteiübergreifenden Diskurs. Vor seiner Zeit bei der Böll-Stiftung war Fücks Co-Vorsitzender der Grünen (1989/90) und Senator für Umwelt und Stadtentwicklung in Bremen.

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