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Interview / Archiv | Beitrag vom 23.03.2021

Pilotprojekte in der KulturMit guten Konzepten vor die Welle kommen

Carsten Brosda im Gespräch mit Ute Welty

Das Publikum wartet auf den beginn der Aufführung. Das Berliner Ensemble öffnet mit der Vorstellung «Panikherz» im Rahmen des Berliner Pilotprojekts während der Corona-Pandemie wieder seine Türen. Nach monatelanger Pause sollen in Berlin die ersten Bühnen für ein Pilotprojekt öffnen. Das Publikum musste vorab zum Coronatest. (picture alliance / Reuters / Annegret Hilse)
Getestet ins Theater: Mehr Projekte wie zuletzt an Berliner Bühnen wünscht sich Carsten Brosda (SPD), Kultursenator in Hamburg. (picture alliance / Reuters / Annegret Hilse)

Auf den Wiedereinstieg ins kulturelle Leben vorbereitet sein und nicht vor Beschränkungen in der Wirtschaft "zurückzucken": Das fordert Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda. Pilotprojekte mit personalisierten Tickets und Tests seien ein wichtiges Signal.

Eigentlich sollte es mit Öffnungsschritten in der Kultur langsam wieder vorangehen. So sah es zumindest der Stufenplan vor, den Bund und Länder kürzlich beschlossen hatten. "Ich glaube schon, dass man auf den zurückkommen wird, wenn die Voraussetzungen wieder da sind", meint Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda (SPD). Nun gelten allerdings wegen des Infektionsgeschehens strengere Regeln, vor allem über Ostern

Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda steht an einem Pult mit Mikrofon und spricht (picture alliance/dpa/Georg Wendt)Neben zweckrationalem Funktionieren brauche unsere Gesellschaft auch Erlebnisse für die Sinne, betont Carsten Brosda (SPD). (picture alliance/dpa/Georg Wendt)

Aus Sicht Brosdas kommt es aber darauf an, sich mehr Gedanken um technische Möglichkeiten zu machen und wissenschaftliches Wissen "viel präziser und viel differenzierter auf die einzelnen gesellschaftlichen Bereiche und damit auch auf die Kultur" anzuwenden.

Er erhoffe sich, dass die aktuelle Klausel über Testmöglichkeiten und Pilotprojekte genutzt werde. Man müsse Systeme aufbauen, um wieder ins kulturelle Leben einsteigen zu können, sobald es die Infektionslage erlaube: "Da müssen wir endlich auch von den Konzepten her vor die Welle kommen und nicht immer nur zwei Schritte hinterherstolpern", fordert der SPD-Politiker.

Kultureinrichtungen sicherer als Büros?

Das Berliner Pilotprojekt, bei dem zuletzt mit Tests, personalisierten Tickets und geringer Auslastung Theater und Konzerte erlaubt wurden, sei ein "ganz wichtiges Signal" dafür gewesen, so Brosda. Der Politiker verweist dabei auch auf die Studie der TU Berlin zu den sogenannten R-Werten. Danach steckt eine infizierte Person im Theater unter bestimmten Hygienebedingungen statistisch gesehen nur eine halbe weitere Person an. In einem Großraumbüro seien es dagegen 16: "Kultureinrichtungen sind so mit das Sicherste", sagt Brosda. 

Der Kultursenator fordert deshalb auch, nicht vor Beschränkungen in der Wirtschaft "zurückzuzucken". Ihm begegne aus Kultureinrichtungen häufig die "Frage, warum wir da offensichtlich das zweckrationale Funktionieren in unserer Gesellschaft höher bewerten als all die sinnbezogenen Erlebnisse, die es im Alltag ja auch braucht, um vernünftig durch diese Zeit zu kommen".

(bth)

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