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Interview | Beitrag vom 31.05.2021

Pilotprojekt GrundeinkommenJeden Monat 1200 Euro – bedingungslos

Jürgen Schupp im Gespräch mit Julius Stucke

Eine Person im weißen Pullover hält die Hände zu einer nach oben geöffneten Schale. Darin liegen mehrere 20-Euro-Scheine und ein 50-Euro-Schein. (Unsplash.com / Christian Dubovan)
Wie wirkt ein bedingungsloses Grundeinkommen auf die Empfänger? Ob Menschen dadurch eher faul oder kreativ werden, untersucht nun eine Studie. (Unsplash.com / Christian Dubovan)

Mehr als zwei Millionen Menschen in Deutschland wollten am Pilotprojekt Grundeinkommen teilnehmen. 122 von ihnen erhalten nun drei Jahre lang jeden Monat 1200 Euro. Der Soziologe Jürgen Schupp glaubt nicht, dass sie auf der faulen Haut liegen werden.

Das bedingungslose Grundeinkommen hat leidenschaftliche Fans und genauso überzeugte Kritiker: Seine Fürsprecher sagen, es ermögliche, ohne finanziellen Druck etwas Sinnvolles zu tun. Andere glauben, ein Grundeinkommen locke zum Faulenzen in die soziale Hängematte.

Erstmals in Deutschland soll mit dem Pilotprojekt Grundeinkommen nun eine Langzeitstudie herausfinden, wie ein bedingungsloses Grundeinkommen auf die Empfängerinnen und Empfänger wirkt. Ab dem 1. Juni erhalten 122 Menschen jeden Monat 1200 Euro, für eine Dauer von insgesamt drei Jahren.

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Mehr als zwei Millionen Menschen hätten sich für die Studienteilnahme beworben, berichtet der Sozialwissenschaftler und Arbeitsmarktexperte Jürgen Schupp von der Freien Universität Berlin, der die Studie begleitet.

Aus dieser großen Gruppe seien nach einer Basisbefragung und einer Auslosung nicht nur die Grundeinkommensbezieher, sondern auch 1380 Personen für eine Vergleichsgruppe ausgewählt worden. So soll die Wirkung des regelmäßig und bedingungslos ausgezahlten Geldbetrags überprüft werden.

Mehr Gemeinsinn, weniger Burn-out?

Das Design der Studie entspreche "dem Goldstandard der empirischen Sozialforschung", um solche Feldexperimente nach wissenschaftlichen Kriterien durchführen und dann auch Ursachen für Entwicklungen benennen zu können, sagt Schupp.

Entwickeln die Menschen durch ein Grundeinkommen beispielsweise mehr Gemeinsinn, erleiden sie seltener einen Burn-out? Dass die Empfängerinnen und Empfänger der bedingungslosen Zahlung zum Faulenzen neigen werden, glaubt der Wissenschaftler nicht:

"Diejenigen, die sich jetzt schon mit dem Gedanken tragen, ihren Job zu verändern, unzufrieden sind, die bekommen vielleicht mehr Mut und auch eine materielle Basis diesen Wunsch zu realisieren", so Schupp. Bei denjenigen, die einer zufriedenstellenden Arbeit nachgingen, erwarte er nicht, "Faulheit in der Hängematte" zu beobachten.

 Das bedingungslose Grundeinkommen wird mitunter auch kritisiert, weil es Geld nicht nach Bedürftigkeit, sondern nach dem Gießkannenprinzip verteilt. Doch auch das deutsche Sozialstaatsystem habe bei der Bekämpfung von Armut eine Schwäche, sagt der Wissenschaftler:

"Stets muss man einen Antrag stellen." Doch manche Menschen in einer materiell schlechten Situation würden das nicht tun, weil sie davon nichts wüssten – oder aus Scham. Ein Grundeinkommen wäre angesichts dieser verdeckten Armut daher die überlegene Alternative, so Schupp.

(jfr)

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