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Studio 9 | Beitrag vom 08.03.2018

Picasso-Ausstellung in der Tate Modern"Malen ist für mich wie Tagebuch zu führen"

Von Thomas Spickhofen

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Eine Frau betrachtet in der Ausstellung "Liebe, Ruhm, Tragödie - Picasso 1932" zwei Werke von Pablo Picasso. (imago stock&people)
Die Ausstellung "Liebe, Ruhm, Tragödie - Picasso 1932" zeigt nur Werke aus dem Jahr 1932 (imago stock&people)

Seine Bilder erreichen eine neue Sinnlichkeit, seine Berühmtheit wächst, eine neue Konstellation bestimmt sein Privatleben: Dass das Jahr 1932 im Leben von Pablo Picasso ein ganz besonderes ist, zeigt die Ausstellung "Liebe, Ruhm, Tragödie - Picasso 1932" in der Tate Modern.

Natürlich habe er nicht mitbekommen, wie berühmt sein Großvater ist, sagt Bernard Ruiz-Picasso.

"Natürlich nicht!"

Aber es sei überwältigend, jetzt all diese wunderbaren Bilder beisammen zu sehen, findet der Enkel des spanischen Jahrhundert-Künstlers.

"Es ist überwältigend. All diese wunderbaren Bilder zusammen zu sehen."

Bei der Entstehung der Bilder, da war der kleine Enkel allerdings noch gar nicht geboren. 1932 ist dieses Jahr, ein Schlüsselpunkt im Leben des Pablo Picasso, dem es zu Beginn des Jahres eigentlich sehr gut geht, sagt Kurator Achim Borchardt-Hume.

"Er war berühmt, reich, verheiratet, mit Familie, lebte im Zentrum von Paris – und trotzdem war diese Unruhe da."

Innere Unruhe in unruhigen Zeiten

Eine innere Unruhe in auch äußerlich unruhigen Zeiten. Die Welt um ihn herum ist 1932 in Aufruhr, die Wirtschaftskrise beutelt die Menschen, Picassos Distanz zu seiner Frau Olga wächst und die Hingabe zu seiner blutjungen Muse Marie-Therèse Walter auch. Was am Anfang des Jahres noch Harmonie von Zeichnung und Farbe war – alles weg, als das Jahr zu Ende geht, sagt Achim Borchardt-Hume.

"Am Ende des Jahres bricht alles auseinander ästhetisch. Farbe operiert komplett unabhängig von Zeichnung, und es tritt so eine Art der wirklichen Unruhe und Spannung und des Unbehagens in das Werk ein."

Eine spektakuläre Wanderung durch diese zwölf Monate im Leben des Pablo Picasso hat die Tate Modern zusammengestellt, mit 180 Werken, zusammengetragen aus der ganzen Welt und zum Teil zum ersten Mal in den Zusammenhängen und Abfolgen zu sehen, in denen sie geschaffen wurden. "Malen ist für mich wie Tagebuch zu führen" hat Picasso einmal gesagt – in der Ausstellung ist das schön nachzuvollziehen, findet Kurator Achim Borchardt-Hume.

"Das Interessante bei Picasso ist, dass er in diesen Stößen arbeitet. Jedes Mal, wenn eine produktive Phase kommt, dann sind direkt fünf, sechs, sieben, acht, neun Bilder da, und dann kommt wieder Pause, bis der nächste Moment anfängt."

Eine Frau betrachtet in der Ausstellung Ausstellung "Liebe, Ruhm, Tragödie - Picasso 1932" in der Tate Modern ein Bild von Picasso. (imago stock&people)Rund 180 Picasso-Werke sind in der Ausstellung zu sehen. (imago stock&people)

Eine "ungeheure Virtuosität"

In einer rasenden Geschwindigkeit reiht Picasso in diesem Jahr 1932 Moment an Moment und produziert Werk auf Werk. Er sei ein sehr schneller und sicherer Maler gewesen, sagt Borchardt-Humne, er habe für seine Werke keine Vorzeichnungen braucht.

"Er malt direkt auf die Leinwand mit einer ungeheuren Sicherheit und einer ungeheuren Virtuosität mit der er auch zeichnen kann mit der Farbe selbst."

Kunst von Picasso, das heißt immer auch: viele nackte Frauen, meistens jung und in der Pose des Objekts. In Zeiten der #MeToo-Debatte ist das ein Thema – und das ist gut so, findet Achim Borchardt-Hume. Es sei doch höchste Zeit, über eine ganze Reihe von Machtverhältnissen nachzudenken.

"Ob das Verhältnisse sind zwischen Männern und Frauen, zwischen dem weißen Westen und dem Rest der Welt, zwischen unserer europäischen Gesichte und der Kolonialgeschichte – es ist hochgradig an der Zeit, all diese Machtverhältnisse neu zu überdenken und anderen eine Stimme zu geben."

Rund ein Viertel der Bilder und Skulpturen, die in der Tate Modern gezeigt werden, kommt aus Privatsammlungen. In dieser Zusammenstellung wird das Werk von Picasso also so bald nicht wieder zu sehen sein.

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