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Fazit | Beitrag vom 23.09.2019

Pianist Igor Levit über Klimagipfel"Wacht auf, Leute – und fangt an, Wissenschaft ernst zu nehmen"

Igor Levit im Gespräch mit Gabi Wuttke

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Portrait von Igor Levit bei einem Interview. (picture alliance /AP Images / Tomoko Hagimoto)
"Verkauft uns nicht für blöder als wir sind", fordert der Pianist Igor Levit von den Politikern. (picture alliance /AP Images / Tomoko Hagimoto)

Der Pianist Igor Levit spielte für die Fridays-for-Future-Bewegung auf der Straße, das Klimapaket der Großen Koalition bezeichnet er als "Sterbehilfe für das Weltklima". Angela Merkels Aussagen auf dem Klimagipfel nennt Levit schlicht "Heuchelei".

Sie habe den "Weckruf der Jugend" gehört, sagte Angela Merkel auf dem New Yorker Klimagipfel. Das sei Heuchelei, meint der Pianist Igor Levit. Merkel sei eine kluge Frau, die sicher verstehe, was grade passiere, aber "dann verkauft uns nicht für blöder als wir sind", sagt Levit.

Es geht um die Zukunft der Welt

Der Klimawandel sei nicht irgendein politisches Thema, meint der 32-Jährige, "wir sprechen hier über die Zukunft unseres Planeten". Die Art, wie die Politiker mit dem Thema umgehen, bezeichnet der Pianist als "Kindergarten": "Wäre das nicht so dramatisch, könnte man eigentlich weinend darüber lachen."

Das Weltklima zu retten, sei gar nicht so schwierig, sagt Levit: "Hört auf die Wissenschaft." Das sei beim Klimapaket der Bundesregierung nicht geschehen, kritisiert Levit: "Das ist nicht mein Klimapaket." Er nennt es eine "Sterbehilfe für das Weltklima".

Seit langer Zeit engagiert

Sein eigenes Engagement begann zur Zeit der Griechenland-Krise und der "Occupy Wall Street"-Bewegung. Auch die Geflüchteten auf Lampedusa haben Levit tief berührt. Als Musiker reist er durch die ganze Welt und möchte jede Plattform, die sich ihm bietet, nutzen: "Ich bin Bürger dieses Landes und ich habe in der Schule gelernt, dass man Bürgerpflichten hat. Ich habe meine Bürgerpflichten und denen gehe ich nach."

Am Klimawandel hänge der gesellschaftliche Zusammenhalt, sagt Levit. "Es hängt daran auch die Systemfrage. In welchem wirtschaftlichen System wollen wir leben?", fragt er. Die Konflikte würden sich auf jeden Fall noch zuspitzen, die Auseinandersetzung werde an Radikalität zunehmen, deshalb: "Wacht auf, Leute – und fangt an, Wissenschaft ernst zu nehmen", mahnt Igor Levit.

(beb)

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