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Mittwoch, 25.11.2020
 
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Kulturnachrichten

Mittwoch, 21. Oktober 2020

"Phoenix"-Kunstpreis für Bildhauer Hertrich

Sebastian Hertrich erhält den "Phönix"-Kunstpreis für Nachwuchskünstler. Hertrichs Werke faszinierten auf den ersten Blick mit zeitloser Ästhetik, räumlicher Präsenz und ungewöhnlicher Farbigkeit, heißt es in der Begründung der Jury. Auf den zweiten Blick erkenne man, wie sich der 35-Jährige kritisch mit den Verheißungen der Digitalisierung auseinandersetze. Die Auszeichnung ist mit 20.000 Euro dotiert und soll am 28. Oktober in der Evangelischen Akademie Tutzing verliehen werden.

Keith Jarrett wird nie wieder Konzerte geben

Der Jazz-Pianist Keith Jarrett ("The Köln Concert") wird nie wieder live auf einer Bühne musizieren. Wegen seines schlechten Gesundheitszustandes würden Auftritte nicht mehr möglich sein, sagte der 75-Jährige in einem Interview mit der "New York Times". Jarrett hatte vor zwei Jahren zwei Schlaganfälle innerhalb von drei Monaten erlitten. Seine linke Körperseite ist immer noch gelähmt.

Käuzchenkuhle-Autor Horst Beseler gestorben

Der in der DDR bekannte Autor von Kinder- und Jugendbüchern, Horst Beseler, ist tot. Der Schriftsteller starb am Montag im Alter von 95 Jahren in mecklenburgischen Teterow, teilte der Eulenspiegel-Verlag in Berlin mit. Zu seinen bekanntesten Werken gehörte das Jugendbuch "Käuzchenkuhle". Das erstmals 1965 erschienene Buch sei Schullektüre in der DDR gewesen und eines der erfolgreichsten DDR-Jugendbücher, so die Sprecherin. Der in Berlin geborene Beseler lebte seit 1952 als freier Schriftsteller in Hinzenhagen bei Güstrow und verfasste laut Verlag Romane, Erzählungen und Drehbücher.

Antiker Lagerraum mit Tonkrügen entdeckt

Forscher haben nordöstlich der palästinensischen Stadt Ramallah alte Krüge aus der Zeit des zweiten jüdischen Tempels (516 vor bis 70 nach Christus) entdeckt. Wie die Zeitung "Jerusalem Post" berichtet, wurden die teils intakten Tonkrüge in einem Wasserloch der antiken Siedlung Beit El gefunden. Das Wasserloch war nach Einschätzung der Forscher Teil eines jüdischen Wohnviertels vor rund 2.000 Jahren. Die Objekte wurden bei einer Grabung gefunden, die seit zehn Jahren andauert. Sie waren ordentlich in verputzten Wandnischen gelagert. Dies deute darauf hin, dass das Wasserloch zum Lagerraum umfunktioniert wurde.

Schriftstellerin Valerie Fritsch erhält Brüder-Grimm-Preis

Die österreichische Schriftstellerin Valerie Fritsch wird von der Stadt Hanau mit dem Brüder-Grimm-Preis für Literatur ausgezeichnet. Sie erhalte den mit 10 000 Euro dotierten Preis für ihren Roman "Herzklappen von Johnson & Johnson", teilte die Stadt mit. Die Verleihung ist für den 20. November geplant. Der Roman erzählt die Geschichte einer Familie über drei Generationen hinweg. Laut Jury schildert die 31-jährige Autorin darin "in trennscharfen Bildern die Wirkungen des Schweigens und vergegenwärtigt die Notwendigkeit des Schmerzes im Leben: ausdrucksstark, lebensnah und mit beeindruckender Sensibilität für seelische Schattierungen." Das Buch war bereits für den Deutschen Buchpreis 2020 nominiert.

Kritik an Trennung von Fischer-Verlag und Maron

Die Autorinnen Thea Dorn und Katja Lange-Müller kritisieren die Trennung des S. Fischer-Verlags von seiner Schriftstellerin Monika Maron. Dorn bezeichnete in der "Zeit" die Entscheidung des Verlags S. Fischer als "fatales Einschüchterungssignal" an alle Autoren. Lange-Müller sagte: "Wer, frage ich mich irritiert und bekümmert, liefert den tatsächlich Rechten und deren Partei, der AfD, der Monika Maron weder angehört noch nahesteht, mehr 'Munition', der Literaturverlag S. Fischer oder dessen - nun leider ehemalige - Autorin?" Auch der langjährige Leiter des Hanser-Verlages, Michael Krüger, hat die Entscheidung des S. Fischer-Verlages kritisiert, die Verbindung mit Monika Maron zu lösen. Eine 40 Jahre dauernde Zusammenarbeit mit einer fast 80-jährigen Autorin zu kündigen sei "höchst undiplomatisch" und "irritierend". Der Verlag hatte gestern angekündigt, die Zusammenarbeit mit Maron zu beenden, weil sie einen Essay-Band in einem Verlag veröffentlicht hatte, der mit dem rechten Antaios Verlag kooperiert. "Hier ist ganz offensichtlich das Tischtuch schon so weit zerschnitten gewesen, dass das der letzte Tropfen war, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat", sagte Krüger im Deutschlandfunk Kultur.

Geschäftsführer Schmeing verlässt Bundeskunsthalle

Patrick Schmeing, Kaufmännischer Geschäftsführer der Bundeskunsthalle in Bonn, verlässt das Ausstellungshaus zum 1. April 2021 und wechselt nach Leipzig. Dort übernimmt Schmeing als neuer Geschäftsführender Vorstand und Direktor die Leitung der Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Stiftung und des Mendelssohn-Hauses. Das teilte Kulturstaatsministerin Grütters mit. Schmeing ist seit dem 1. Januar 2018 Kaufmännischer Geschäftsführer der Bundeskunsthalle. Zuvor war er für das Gürzenich-Orchester Köln, das Gewandhaus und Gewandhausorchester Leipzig sowie die Bertelsmann Stiftung tätig. Seine Nachfolge in Bonn soll zeitnah ausgeschrieben werden.

30 Millionen Euro für Privattheater

Kulturstaatsministerin Monika Grütters hat als Reaktion auf die Corona-Pandemie ein 30-Millionen-Euro-Programm für Privattheater angekündigt. "Wir wollen alles tun, damit die deutschen Privattheater diese schwierige Zeit überstehen", sagte sie der "Rheinischen Post". Das neue Programm als Teil des bisherigen Hilfspakets "Neustart Kultur" sehe eine Förderung von bis zu 80 Prozent der Ausgaben für das künstlerische Personal in der Spielzeit 2020/2021 vor. Maximal 140.000 Euro pro Theater seien vorgesehen. Laut der CDU-Politikerin gibt es mehr als 200 Privattheater in Deutschland.

Autorin Maron wehrt sich gegen Vorwürfe

Die Autorin Monika Maron bedauert, dass der S. Fischer Verlag künftig nicht mehr mit ihr zusammenarbeiten will. Dieser hatte seit 1981 ihre Bücher verlegt. Weil Maron einen Essayband im rechten BuchHaus Loschwitz der Buchhändlerin Susanne Dagen veröffentlicht hat, will Fischer die Zusammenarbeit ab dem Frühjahr 2021 mit der Schriftstellerin beenden. Maron sagte im Deutschlandfunk Kultur, für sie sei es akzeptabel, dass der Verlag sich an dieser Verbindung störe. Die Konsequenz daraus finde sie allerdings unangemessen. Maron stellte auch klar, dass ihre Haltung demokratisch, liberal und freiheitlich sei. Sie sehe sich in keiner Weise einem rechten Spektrum zugehörig. Außerdem sei sie nicht islamfeindlich. Sie sei islamkritisch überall da, wo der Islam politisch und weltlich werde, wo er weltliche Ansprüche stelle, wo er Frauen unterdrücke, so Maron.

Angriff auf Kunstwerke in Berlin bereits Anfang Oktober

Nach Recherchen von "Die Zeit" und Deutschlandfunk wurde am 3. Oktober 2020 auf der Berliner Museumsinsel einer der umfangreichsten Angriffe auf Kunstwerke und Antiken in der Geschichte Nachkriegsdeutschlands verübt. Mindestens 70 Objekte wurden im Pergamonmuseum, im Neuen Museum, in der Alten Nationalgalerie und an anderen Standorten mit einer öligen Flüssigkeit bespritzt. Diese Flüssigkeit hinterließ sichtbare Flecken auf ägyptischen Sarkophagen, Steinskulpturen und Gemälden des 19. Jahrhunderts. Mehr als zwei Wochen lang wurden darüber weder die Öffentlichkeit noch andere möglicherweise gefährdete Museen informiert. Auf Anfrage bestätigten die Stiftung Preußischer Kulturbesitz und die Polizei Berlin Beschädigungen und ein Ermittlungsverfahren wegen Sachbeschädigung. Zu den Motiven ist bisher nichts bekannt.

SZ bittet für Text über Igor Levit um Entschuldigung

Die Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung hat den Musiker Igor Levit und die SZ-Leser um Entschuldigung gebeten. Hintergrund ist ein Artikel, der am 16. Oktober unter der Überschrift "Igor Levit ist müde" im Feuilleton erschienen war. Darin geht es um Levit als Pianisten sowie um sein politisches Engagement und seine Äußerungen in sozialen Netzwerken. Laut SZ sei es ein "subjektiver, stellenweise sehr polemischer Text" gewesen. Auf der Homepage schreibt die Zeitung, dass manche Leserinnen und Leser den Text als antisemitisch empfinden würden, etliche sähen Levit als Künstler und Menschen herabgewürdigt. Auch er selbst sehe das so. Die SZ schreibt wörtlich: "Das tut uns leid, und deswegen bitten wir Igor Levit persönlich wie auch unsere Leserinnen und Leser um Entschuldigung."

Britischer Musiker Spencer Davis gestorben

Der britische Rockmusiker Spencer Davis ist tot. Er starb nach Angaben seines Managers im Alter von 81 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung. Davis war 1963 Gründer der Spencer Davis Group, mit der er weltweit Erfolge gefeiert hatte. Mit Hits wie „Keep on Running“, „Somebody Help Me“ und „Gimme Some Lovin’“ prägte die Band nachhaltig den Sound der 1960er Jahre mit. Als Manager einer Plattenfirma förderte er später Künstler wie Robert Palmer und Bob Marley.

Politisches Drama eröffnet die Hofer Filmtage

Mit dem Drama "Und morgen die ganzen Welt" von Julia von Heinz haben am Dienstagabend die Hofer Filmtage begonnen. Darin geht es um eine Jura-Studentin, die mit ihren Freunden gegen den Rechtsruck im Land kämpft, vor Gewalt nicht zurückschreckt und entscheiden muss, wie weit sie für ihren Widerstand gehen will. Der künstlerische Leiter des Festivals, Thorsten Schaumann, erklärte, der Film sei für ihn starkes, wichtiges und vor allem aktuelles Kino. Bis Sonntag werden laut den Veranstaltern sowohl im Kino als auch online rund 70 Spiel- und Dokumentarfilme und mehr als 50 Kurzfilme gezeigt. Die Hofer Filmtage zählen zu den wichtigen Filmfestivals im deutschsprachigen Raum und sind bekannt für die Entdeckung junger Talente.

Jüdisches Museum Frankfurt mit Festakt eröffnet

Mit einem Festakt ist am Dienstagabend das sanierte und erweiterte Jüdische Museum Frankfurt eröffnet worden. Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) sagte bei der Feier in der Alten Oper Frankfurt, das Museum setze Maßstäbe für die Zukunft. In einer Zeit, in der Antisemitismus schleichend und offen zutage trete, sei die Wiedereröffnung ein Zeichen des Selbstbewusstseins von Jüdinnen und Juden sowie aller Menschen, die Hass und Hetze entgegen träten. Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) nannte das Museum ein "strahlendes Ausrufezeichen" gegen Hass, Antisemitismus, Erniedrigung, Einschüchterung und "alles, was Menschen kleinmachen will". Von 2015 bis 2020 wurde das Haus umfassend renoviert und daneben ein Neubau errichtet. Dieser bietet Platz für Sonderausstellungen, eine öffentliche Bibliothek, ein koscheres Restaurant und einen Museumsshop.

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