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Lesart / Archiv | Beitrag vom 28.04.2017

Philosoph Sebastian Knell über "Burn-In" Im Tänzelschritt des Gleichmuts

Sebastian Knell im Gespräch mit Joachim Scholl

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Eine Frau liest in einer Hängematte am Badestrand eines Campingplatzes in Lindau ein Buch. (picture alliance / dpa / Karl-Josef Hildenbrand)
In seinem Roman "Burn-In" beschäftigt sich der Philosoph Sebastian Knell mit dem Gefühl des Glücks über die eigene Existenz und plädiert für mehr Gelassenheit im Leben (picture alliance / dpa / Karl-Josef Hildenbrand)

Der Gedanke, wie sehr das eigene Dasein vom Lotto kosmischer Zufälle abhängt, inspirierte den Philosoph Sebastian Knell zu seinem Roman "Burn-In". Seine Hauptfigur, der Politiker Reinhold Parzer, erliegt der Glückseligkeit, einfach nur auf der Welt zu sein.

In dem Roman "Burn-In" erwacht der Politiker Reinhold Parzer eines Morgens mit dem Gedanken, wie sehr das eigene Dasein vom Lotto kosmischer Zufälle abhängt: Nicht zu existieren, wäre weitaus wahrscheinlicher gewesen. Fortan erliegt er dem Drang, den Dingen "im Tänzelschritt des Gleichmuts" zu begegnen. Rasch droht seiner Karriere hierdurch das Aus, denn er verliert seine bisherige Zielstrebigkeit. Seine Frau und seine Kollegen reagieren entsetzt. Parzer scheint von einer neuen Obsession besessen.

Anregung von Woody Allen

Den Anstoß für diesen Roman gab der Film "Deconstructing Harry" (Harry außer sich) von Woody Allen aus dem Jahr 1997, sagte der Philosoph und Autor Sebastian Knell im Deutschlandfunk Kultur. Darin erscheint ein Freund aus dem Jenseits, der davon spricht, dass schon das Leben an sich ein Glück bedeute. "Jedenfalls fand ich diesen Gedanken so interessant, dass ich immer mal wieder gedacht habe, den müsste man mal versuchen, systematisch etwas breiter auszuwalzen", sagte Knell, der an der Bonner Universität als Philosophie-Dozent tätig ist. Er habe sich dann entschieden, dass dies am besten in der Form einer literarischen Erzählung mit dramatischer Zuspitzung erfolgen könnte.

Plädoyer für mehr Gelassenheit

"Man kann sicher sagen, dass diese Romanfigur diese Erfahrung, die ich beschrieben habe, in einer sehr übertriebenen und radikalisierten Form erlebt", sagte Knell. "Das fand ich aber interessant, das einfach mal so zuzuspitzen." Es sei aber nicht zwingend, dass diese Einsicht in das eigene Glück der Existenz mit dem Verlust der Zielstrebigkeit einhergehe.

Bei Parzer sei es so, dass alles andere hinter diesem Gefühl der Euphorie verblasse. "Genauso gut wäre es doch angemessen, die Dinge einfach nur mit mehr Gelassenheit und mehr Leichtigkeit, mit mehr Leichtfüßigkeit  zu betreiben, aber dennoch durchaus weiterhin in den Projekten des Lebens, in denen man sich befindet,  voranzuschreiten", sagte der Autor. Nicht nötig sei die Verbissenheit, die von der Vorstellung herrühre, dass man das Wichtigste erst noch erreichen müsse. (gem)

Sebastian Knell: Burn-In. Oder wie Parzer der Glückseligkeit verfiel
Acabus-Verlag 2017, 20 Euro

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