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Konzert / Archiv | Beitrag vom 20.12.2019

Philharmonisches Staatsorchester MainzSinfonie-Poesie von Boulanger, Ravel und Zemlinsky

Moderation: Stefan Lang

Eine große dunkelrote Blüte in einem Beet. (deutschlandfunk / Cornelia de Reese)
Ravels Märchenzyklus "Ma mère l’oye" entführt auch in einen Feengarten. (deutschlandfunk / Cornelia de Reese)

Jedes Werk des Abends fasst poetische Momente: berührende Ruhe in "D’un soir triste" von Lili Boulanger oder die kindheitsversonnene Märchenreihe Ravels "Ma mère l’oye".

Peter Hirsch ist dafür bekannt, Konzertprogramme als Choreographie zu entwickeln - das ist bei diesem Mainzer Abend gelungen.

Poesie melanchlisch

Die Musik zu Beginn ist eine von äußerster Feinheit und Poesie. Geschaffen hat sie die Komponisten Lili Boulanger wenige Wochen vor ihrem frühen Tod 1918: "Von einem traurigen Abend" ist sie überschrieben - im Manuskript kaum leserlich. Das ist Musik von einer Autorin, die weiß, dass ihr nicht mehr viele Tage zum Leben bleiben. Bei der Orchesterfassung half die Schwester Nadia, die Lili um mehr als 60 Jahre überlebte. 

Märchenhafte Poesie

Maurice Ravels "Ma Mère l’Oye" entstand nur wenige Jahre früher - "Meine Mutter Gans" ist eigentlich ein vierhändiger Klavierzyklus, den er dann für den großen Apparat orchestrierte. Er wollte in diesen Stücken die Kindheitspoesie erwecken. Diese vermeintliche Kindlichkeit erreicht er auch durch altertümliche Formen wie Pavane, Walzer, Marsch oder Sarabande -  verwendet in musikalischen Bildern, die Märchenfiguren und -episoden aufgreifen.

Poesie der Sehnsucht

Alexander Zemlinskys "Lyrische Symphonie" auf Gedichte von Rabindranath Tagore ist das Hauptwerk des Abends. Sieben ausgewählte Gedichte der Sammlung "Der Gärtner" von Rabindranath Tagore gehen nahtlos ineinander über, er hat sie musikalisch zu einer Einheit verschmolzen. Zemlinskys Lyrische ist eine Synthese zwischen Sinfonie und Poesie - es wird ein Bogen aus Sehnsucht, Begegnung und Abschied beschrieben.

Konzertaufzeichnung vom 15. November 2019 im Staatstheater Mainz

Lili Boulanger
"D’un soir triste"

Maurice Ravel
"Ma mère l’oye", Ballet en cinq tableaux et une apothéose

Alexander Zemlinsky
"Lyrische Symphonie" für Sopran, Bariton und Orchester op. 18
nach Gedichten von Rabindranath Tagore

Marlene Mild, Sopran
Brett Carter, Bariton

Philharmonisches Staatsorchester Mainz
Leitung: Peter Hirsch

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