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Studio 9 | Beitrag vom 29.04.2016

PflanzenschutzmittelFür die Biene wird es eng

Von Anke Petermann

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Eine Biene sitzt auf einer gelben Blüte. (imago stock&people/Blickwinkel)
Eine Biene sitzt auf einer gelben Blüte. (imago stock&people/Blickwinkel)

Pestizide, die in der Landwirtschaft eingesetzt werden, machen Bienen zu schaffen. Denn sie zerstören ihren Lebensraum. Imker fordern, den Einsatz zu begrenzen – und wenden sich mit ihren Forderungen auch an die Hersteller.

2016 und 17 werden wohl gute Jahre mit geringen Verlusten bei rund einer Million Honigbienenvölkern. Zwei lange Winter haben die Varroamilbe mit ihrer Virenfracht in Schach gehalten. Doch der Schwund von Lebensraum vor allem in der Agrarlandschaft schreitet fort und damit auch der Artenschwund bei den Wildbienen, konstatiert der Biologe Heiko Schmied von der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft:

"Zum Beispiel in NRW haben wir schon sehr viele Wildbienenarten verloren, es sind 129 aktuell gefährdet. Da muss was getan werden - das ist dringend notwendig."

Artenreiche Wegränder bräuchten die Wildbienen. Doch Korn- und Mohnblumen, die da früher blühten, gibt es nur noch da, wo Landwirte bezahlten Vertragsnaturschutz auf Ackerrandstreifen betreiben. Wo nicht, da wird Glyphosat zum Vernichten aller Gewächse eingesetzt, die mit den Nutzpflanzen konkurrieren. Peter Maske, Präsident des Deutschen Imkerbundes mit 100.000 Mitgliedern:

"Glyphosat ist ein Breitbandherbizid, ein Stoff, der in der Agrarlandschaft Beikräuter, Wildkräuter, Unkräuter beseitigt, und das sind Nahrungspflanzen, die den Bienen fehlen, und deshalb lehnen wir in erster Linie den Einsatz in der Landwirtschaft ab, und ich würde mich freuen, wenn es diesen Wirkstoff nicht mehr gäbe."

"Die Landwirtschaft braucht dieses Herbizid"

Viele Städte und Gemeinden verzichten bei der Pflege ihrer Grünanlagen auf Glyphosat. Auf bienenfreundliches naturnahes Grün zu achten und Wildblumen zu säen, liegt im Trend. Inzwischen bieten Dörfer und Städte Bienen mehr Blütennahrung an als das Ackerland. Wenn dort der Raps verblüht ist, gibt es kaum noch Bienentracht. Bei der Agrarreform habe man aber mit Anreizen für Bohnen, Erbsen und Luzerne gegengesteuert, betont der Christdemokrat Peter Bleser. Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium sieht damit mehr als kompensiert, was als Nahrungsangebot durch Glyphosat-Einsatz verloren gehe. Die Bundesregierung hält also Kurs und signalisiert der Europäischen Union Zustimmung für die anstehende Glyphosat-Genehmigung für weitere Jahre:

"Da muss man auch die Landwirtschaft verstehen, sie braucht dieses Herbizid. Die Zulassung steht noch aus, aber es muss, und das ist Bedingung der Bundesregierung, die Biodiversität mit beachtet werden, und vielleicht gibt es die eine oder andere Anwendungsbeschränkung, um diesem Ziel nachzukommen."

Imker spricht auf Bayer-Hauptversammlung

Beschränkt wurde nach dem großen Bienensterben vor acht Jahren am Oberrheingraben die Verwendung von Neonikotinoiden als Insektenvernichtern: Ein Moratorium gilt derzeit für bienenrelevante Kulturen und für Mais, dessen vergiftete Saat damals 12.000 Bienenvölker schädigte. Auch über diese ruhende Zulassung muss die EU entscheiden. Für den 2008 betroffenen Berufsimker Christoph Koch ist die Frage, wie realistisch die Datengrundlagen sind, die Chemieunternehmen für die Zulassungen liefern.

"Damals war es ein Bayer-Produkt, das uns die Biene vergiftet."

Von der finanziellen Entschädigung der Bayer AG kaufte der Imkermeister Unternehmensaktien, um die bienengefährlichen Insektizide auf den Hauptversammlungen zu thematisieren. So auch heute. Kochs Botschaft:

"Die Neoniks gehören ganz weg! Da ist Druck da von der Pflanzenschutzmittelindustrie, von den Bauernverbänden, die das gern anwenden wollen. Die Bienen brauchen keinen Pollen mit Pestiziden, die brauchen gesunde Pollen, einen sauberen Pollen. Und da ist noch viel zu tun auf dem Weg dahin."

Ein Thema für die weiteren Bienen-Konferenzen des Bundeslandwirtschaftsministeriums.

 

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