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Länderreport / Archiv | Beitrag vom 21.01.2015

Pflanze MiscanthusEnergie aus Elefantengras

Von Uschi Götz

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(picture alliance / dpa / Philippe Bruchot)
Elefantengras (Miscanthus) wächst sehr schnell und betreibt besonders effektiv Fotosynthese. (picture alliance / dpa / Philippe Bruchot)

Miscanthus, eine meterhohe, bambusähnliche Pflanze, ist eine vielversprechende Energiequelle, denn sie produziert Biomasse so effizient wie keine andere. Anton Joachim baut Miscanthus im Schwarzwald an und hofft, dass bald mehr damit geheizt wird.

Es ist kalt, seit vielen Tagen hat es Nachtfrost. Die Äcker liegen unter einer Schneedecke. Eine idyllische Winterlandschaft im baden-württembergischen Nordschwarzwald, rund 60 Kilometer von Stuttgart entfernt. Mitten in der weiten, weißen Landschaft bleibt der Blick an einer großen Fläche hängen, die nicht ins Bild passt. Meterhohe Stängel wiegen sich im kalten Winterwind auf einer Fläche von etwa zwei Hektar. 

"Der Miscanthus ist im Sommer grün, so ähnlich wie der Mais, der Unterschied zum Mais ist, wir haben nur Stängel, und wir haben keine Kolben. Das muss man sich vorstellen wie Bambus."

Doch jetzt ist Winter und der Miscanthus ist beige, fast sieht es aus, als sei er vertrocknet. Bereits im April ist wieder Erntezeit. Die Pflanze wächst rasend schnell, erklärt Anton Joachim. Ihm gehören Felder im Nordschwarzwald und auch an anderen Stellen in Baden- Württemberg. Anton Joachim gilt im Südwesten als Pionier in Sachen Miscanthusanbau. Joachim arbeitet bei Daimler und ist im Nebenerwerb Energiewirt. Als das Land 2010 ein Förderprogramm auflegte, meldete er sich:

"Damals wurde beschlossen von der damaligen Landesregierung, die CDU noch, sie machen ein Projekt, das Projekt war damals begrenzt auf Baden-Württemberg mit 150 Hektar. Ob sie jetzt Miscanthus angepflanzt oder Papeln oder Weiden war eigentlich egal."

Besonders effektive Fotosynthese

Anton Joachim entschied sich damals für den Anbau von Miscanthus. Einmal gepflanzt, hat man mit der Pflanze meist keine Probleme mehr. Steht man direkt davor, ist klar, weshalb Miscanthus  irrtümlicherweise auch als Elefantengras bezeichnet wird. Die Pflanzen im Nordschwarzwald sind zurzeit schon dreieinhalb Meter hoch gewachsen. Ihr Ursprung liegt in Südostasien.

Wissenschaftler haben den Miscanthus schon länger als Forschungsprojekt entdeckt. Die Pflanze hat viele nützliche Eigenschaften. Ein besonderer Vorteil ist: Miscanthus ist nicht essbar. Das macht die Pflanze als Energielieferant attraktiv.

Miscanthus gehört, wie der Mais, zu den C4-Gräsern. C4-Pflanzen zeichnen sich durch eine besonders effektive Fotosynthese aus. Sie können die angebotenen Nährstoffe und das Wasser besser nutzen als die meisten anderen Pflanzen, die in die Kategorie C3-Pflanzen fallen. Einmal gepflanzt, sind nur die ersten zwei Jahre etwas pflegeintensiver:

"Die ersten zwei Jahre braucht man eine Unkrautbehandlung, Herbizidbehandlung. Das kann man eigentlich mechanisch machen, mit einem Striegel oder herkömmlich, da gibt es keine Probleme."

Miscanthus wird nicht gesät, sondern in Form von knollenartigen Zwiebeln gesteckt.

"Der Bambus, der büxt ihnen ja aus. Der läuft ihnen ja davon und beim Miscanthus ... Wenn sie jetzt einmal hier gucken, gucken sie mal die untere Kante an so grad, wie der Traktorfahrer fährt, der geht nicht weg, von dem her, ist er eigentlich phänomenal. Da haben wir auch keine Probleme. Als wir das gepflanzt haben, gab es Bedenken, viele haben Angst gehabt, weil sie nur den Gartenbambus kennen, der wuchert, der läuft rüber, aber das war jetzt eigentlich noch nie der Fall."

Klimafreundliche Alternative zu fossilen Brennstoffen

In Zeiten der Energiewende steht der Miscanthus möglicherweise vor dem Durchbruch. Laut Wissenschaft gibt es keine andere Pflanze, die so effizient Biomasse produziert wie dieses Süßgras. Der Heizwert entspricht ungefähr dem von Holz. Ein Hektar Miscanthus bindet zudem jährlich 30 Tonnen C02, ist also auch eine klimafreundliche Alternative zu fossilen Brennstoffen.

Joachim öffnet seinen Kofferraumdeckel und holt einen Stängel heraus. Er hat den Stängel so geteilt, dass sich gut die innere Struktur der Pflanze erkennen lässt:

"So sieht eigentlich der Miscanthus aus, momentan hat der Stängel innen noch Saft, also Mark sagt man da. Der Miscanthus ist jetzt da, aber der Miscanthus braucht eigentlich, auch der, wo in Baden-Württemberg angepflanzt worden ist, der braucht einfach Abnehmer. Zuverlässige Abnehmer und das ist halt auch ein Problem." 

Bislang wird wenig mit Miscanthus geheizt. Der Grund: die Heizkraftwerke müssten alle umgebaut werden. Miscanthus macht viel Asche, das könnte wiederum bei der Entsorgung Probleme machen. Mit Anton Joachim hoffen landesweit noch weitere Miscanthusanbauer darauf, dass sich Städte und Gemeinden, auch große Einrichtungen wie etwa Krankenhäuser mehr für Biomasseheizungen interessieren.

Wie es gehen kann, zeigt schon ein im baden-württembergischen Hoffenheim betriebenes Heizwerk. In der Anlage wird ausschließlich Miscanthus verheizt. Die regionalen Anbauer liefern die Pflanze, so sind es auch kurze Wege. Grob gerechnet kommt der Energieertrag von einem Hektar Miscanthus auf etwa 6.000 Liter Heizöl.

Für die nächsten Tage ist Dauerfrost angesagt. Anton Joachim winkt ab, das macht auch nichts aus. Die Pflanze ist robust, sagt er und steigt in sein Auto. 

Mehr zum Thema:

Wie Mecklenburger Biodörfer zur Energiewende beitragen
(Deutschlandradio Kultur, Thema, 8.6.2011)

Renaissance einer Wunderpflanze
(Deutschlandfunk, Forschung aktuell, 10.3.2009)

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