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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 22.09.2017

Pfarrer Olivier Ndjimbi-TshiendeWelche Farbe hat Gott?

Moderation: Klaus Pokatzky

Der Pfarrer spricht an der Kanzel zu seiner Gemeinde.  (dpa/Stefan Rossmann)
Pfarrer Ndjimbi-Tshiende: "Mit der Hoffnung, dass es zum Nachdenken führen würde" (dpa/Stefan Rossmann)

Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende verließ seine Gemeinde im bayerischen Zorneding wegen anonymer Morddrohungen. Er hatte damals Barmherzigkeit gegenüber Flüchtlingen gefordert. Inzwischen hat er ein Buch geschrieben - über die Farbe Gottes.

Es passiert nicht häufig in Deutschland, dass ein Pfarrer seine Gemeinde aufgrund von Morddrohungen verlässt. Im Jahr 2012 kam Olivier Ndjimbi-Tshiende als katholischer Pfarrer in die Gemeinde St. Martin im bayrischen Zorneding. Damals war er bereits promovierter Theologe und Professor in Moralphilosophie.

Im Jahr 2016 verließ Ndjimbi-Tshiende die Gemeinde wieder, weil er zahlreiche anonyme Beleidigungen und Drohungen erhalten hatte, darunter mehrere Morddrohungen; er hatte sich angesichts der vielen Flüchtlinge, die nach Deutschland kamen, für Menschlichkeit und Barmherzigkeit ausgesprochen.

Rücktritt wegen Rassismus

Olivier Ndjimbi-Tshiende ist schwarz, er stammt aus dem Kongo, er hatte also schon Erfahrungen mit Rassismus. Doch diesmal war die Grenze seiner Belastbarkeit erreicht: Er trat als Pfarrer zurück.

Zu Beginn suchte er die offene Auseinandersetzung mit diesem Thema:

"Die Bevölkerung von Zorneding hat das nicht von Anfang an mitbekommen, erst als ich die Postkarte mit der ersten Morddrohung an meine Tür geklebt habe – mit der Hoffnung, dass es zum Nachdenken führen würde. Aber das wurde nicht so empfunden. Meine Mitchristen haben mich gebeten, das wegzunehmen. Die Leute, die ins Pfarrhaus gekommen sind, haben sich nicht mehr so ganz wohl gefühlt mit dieser Postkarte."

Volle Unterstützung vom Erzbistum

Froh war er über die Reaktion des Erzbistums Freising, von dem er volle Unterstützung erfuhr. Als er schließlich Zorneding verließ, zeigte sich, dass auch ein Großteil der Gemeinde hinter ihm stand:

"Viele waren entsetzt, sie haben sich geärgert. Dann haben die Leute aus dieser Bestürzung, wirklich spontan, eine Kundgebung für mich abgehalten. An einem Abend, als ich schon weg war, sind mehr als 3000 Zornedinger und Zornedingerinnen auf die Straße gegangen und haben einen Kerzenmarsch veranstaltet für mich, damit ich zurückkomme. Das war für mich eine ganz gute Unterstützung und auch ein gutes Zeugnis, dass ich doch nicht so schlecht gearbeitet habe."

Von Missionaren im Kongo beschult

Olivier Ndjimbi-Tshiende wurde im Kongo in eine christliche Familie hineingeboren, er besuchte eine Schule, die von europäischen Missionaren geführt wurde. Dabei lebten und aßen die europäischen Missionare selbstverständlich nicht gemeinsam mit ihren afrikanischen Mitbrüdern. In seinem Dorf wurde christliche Nächstenliebe aber vor allem von der normalen Bevölkerung täglich praktiziert:

"Von meinen Eltern habe ich das Bewusstsein bekommen, dass wenn man Christ ist, auch die Nächstenliebe in die Tat umsetzen muss. (…) Das Familienhaus war für alle Menschen zugänglich. Reisende haben bei uns immer, bevor sie weitergegangen sind, auch was zu essen gekriegt. Das ist bei mir auch so geblieben. Man muss sich um die anderen Menschen kümmern, die Probleme haben, egal welche Probleme. So sind wir aufgewachsen."

Am Montag erscheint Ndjimbi-Tshiendes Buch "Wenn Gott schwarz wäre".

Olivier Ndjimbi-Tshiende: Und wenn Gott schwarz wäre
Gütersloher Verlagsanstalt, 2017
192 Seiten, 17,99 Euro

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