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Feiertag - Kirchensendung / Archiv | Beitrag vom 29.01.2017

Petro WerhunMärtyrer der sowjetischen Besatzung

Von Gunnar Lammert-Türk. Eine Sendung der katholischen Kirche

Betende Hände umfassen ein Gesangbuch (picture alliance / dpa / Oliver Berg)
Betende Hände umfassen ein Gesangbuch (picture alliance / dpa / Oliver Berg)

2001 sprach Papst Johannes Paul II. Petro Werhun als Märtyrer sowjetischer Willkürherrschaft selig. Ein Militärtribunal hatte den den ukrainischen Priester wegen angeblicher Kollaboration mit dem Feind zu Zwangsarbeit verurteilt. 1957 starb Werhun an deren Folgen.

"Wir haben bei uns den glücklichen Umstand, in der Kirche des St. Josefsheimes, auf diesem Gelände, da haben zwei Persönlichkeiten gelebt und gewirkt, die seliggesprochen wurden. Das ist einmal die Gründerin der Karmelitinnen vom göttlichen Herzen Jesu, Maria Teresa Tauscher, und Petro Werhun. Und an beide wollen wir immer wieder erinnern. Und so haben wir in unserer Pfarrkirche in der Friedensgedächtniskapelle zwei Bilder angebracht, auch mit Texten über beide, von Maria Teresa Tauscher eines und ein Ölgemälde von Petro Werhun."

Die Bilder der zwei Seliggesprochenen, von denen der katholische Pfarrer Michael Höhle spricht, hängen in seiner Pfarrkirche Heilige Familie in Berlins Stadtteil Prenzlauer Berg. Zum Pfarrgebiet gehört auch das nahe gelegene St. Josefsheim in der Pappelallee, wo die beiden tätig waren. Maria Teresa Tauscher gründete dieses Haus 1891 für elternlose und arme Kinder. Sie ist eine Selige der tätigen Nächstenliebe. Petro Werhun, um den es hier gehen soll, wurde 2001 von Papst Johannes Paul II. als Märtyrer sowjetischer Willkürherrschaft seliggesprochen. Von den Nationalsozialisten beständig beobachtet und bedroht, überstand er ihr Regime, konnte aber den Maßnahmen des sowjetischen Geheimdienstes nicht entkommen.

Für eine Annäherung der Ost- und der Westkirche

In einer schwierigen Seelsorgesituation stand der ukrainische Priester seinen Landsleuten in Deutschland zur Seite. Wegweisend bis heute war sein Bestreben, auf eine Annäherung zwischen der Ost- und der Westkirche hinzuwirken. Als Pfarrer und apostolischer Visitator für die ukrainischen Katholiken in Berlin und ganz Deutschland hatte er im St. Josefsheim zeitweilig sein Büro. Hier wohnten auch ihm unterstellte ukrainische Pfarrer. Und in der Kirche auf dem Hof feierten die ukrainischen Katholiken über lange Jahre ihre Gottesdienste. Ende April 1945 fand das ein plötzliches Ende, wie der Historiker Dmytro Zlepko schreibt:

"Am Palmsonntag, dem 29. April 1945, gestaltete die ukrainische katholische Gemeinde in Berlin ihre letzte Messfeier. War die ukrainische Pfarrkirche Zur Heiligen Familie vor einer Woche, am 22. April, bis auf den letzten Platz besetzt, so verloren sich am Palmsonntag darin nur einige Personen. Am Karfreitag, dem 4. Mai, konnte Pfarrer Petro Romanyschyn die Plaschtschanytzja, das Leichentuch Christi, nicht mehr zur Verehrung auslegen: In der Kirche fanden sich keine Pfarrangehörigen mehr." (1)

Aus Furcht waren die ukrainischen Katholiken der Kirche fern geblieben. Üblicher Weise bereiteten sie sich intensiv auf das kommende Osterfest vor. An der Karfreitagsliturgie nicht teilzunehmen, dafür musste es schwerwiegende Gründe geben. Dmytro Zlepko benennt sie:

"Am 2. Mai drangen Rotarmisten in die deutsche Hauptstadt ein. Binnen Tagen schrumpfte das im Jahre 1945 circa 25000 Personen zählende "ukrainische Berlin" auf einige hundert Personen: Von den annähernd 8000 ukrainischen Katholiken Groß-Berlins verließen so gut wie alle die Reichs-hauptstadt: Sie flohen vor den sogenannten sowjetischen Repatriierungs-kommissionen. Mit der Aufgabe, aller ehemaliger Sowjetbürger habhaft zu werden, nahmen die Kommissionsmitglieder alle angeblichen "Sowjetan-gehörigen" fest. Für die Kommissare spielte es keine Rolle, ob die Ukrainer ehemalige Staatsangehörige der Habsburger Monarchie, Polens, Rumäniens, der Tschechoslowakei oder wirklich sowjetische Staatsangehörige waren. Vor diesen "Menschenfängern" flohen alle Ukrainer." (2)

Fast alle. Neben wenigen Gemeindegliedern blieben auch Pfarrer Petro Romanyschyn und Petro Werhun. Pfarrer Romanyschyn wurde am 5. Mai 1945 verhaftet, Petro Werhun am 22. Juni. Wegen angeblicher Kollaboration mit den Nationalsozialisten wurde er zu acht Jahren Zwangsarbeit verurteilt, die er in einem Straflager am Baikalsee verbüßte. Danach wurde er in die sibirische Verbannung geschickt. Dort starb er am 7. Februar 1957, entkräftet von den Folgen der Zwangsarbeit.

18 Jahre lang wirkte Werhun in Berlin

Vor seiner Verhaftung im Juni 1945 hatte der ukrainische Priester Petro Werhun 18 Jahre in Berlin gewirkt. Unter den Orten im damaligen Deutschland, in denen ukrainische Katholiken lebten, galt Berlin als seelsorgerisch schwierigste Stadt. Pfarrer Michael Höhle deutet an, weshalb:

"Als Werhun 1927 nach Berlin kommt, findet er keine homogene Gemeinde vor. Man muss sich vorstellen, es waren viele, die auch geflohen waren vor der Russischen Revolution. Die Ukraine hat ja nicht die ersehnte Eigenstaatlichkeit erhalten. Und politisch waren die alle weit geschieden. Es gab also die Monarchisten, die Reaktionäre, es gab die Kommunisten, die Sozialdemo-kraten, die Arbeiter - und für ihn war es wichtig, die Menschen zusammen-zubringen. Also im Glauben an den einen Christus, auch in der Form der Liturgie, die sie zusammen feiern, sie zu einen."

Neben den Ukrainern, die vor der russischen Revolution geflohen waren, gab es jene, die, von Armut getrieben, nach Deutschland gekommen waren: Saisonarbeiter in der Landwirtschaft, junge Männer, die in den Hafenstädten und als Grubenarbeiter im Ruhrgebiet ihr Auskommen suchten. Größere Gemeinden waren seit Beginn des 20. Jahrhunderts in Bremen, Hamburg, Delmenhorst, Rostock, Danzig und Königsberg entstanden. Berlin wurde erst Mitte der 1920er Jahre für die Ukrainer interessant. Emigrierte Militärs und Politiker, radikale ukrainische Nationalisten lebten hier ebenso wie Wissenschaftler und Intellektuelle, Arbeiter, die legal in Berlin wohnten und arbeiteten und solche, die, ohne registriert zu sein und ohne Arbeit, abgetaucht waren. Die Intellektuellen konnten sich einen recht guten Stand im Kultur- und Wissenschaftsleben der Stadt erringen und gründeten politische, soziale und akademische Organisationen, Verbände und Verlage. Die Arbeiter dagegen waren schlechter dran. Sie standen den von sowjetischen und deutschen Kommunisten unterstützten und finanzierten Organisationen nahe. Von der Kirche hielten sie sich eher fern. Wie es Pfarrer Petro Werhun gelang, den Kontakt zu ihnen herzustellen, beschreibt  der Historiker Dmytro Zlepko:

"Die Rückständigkeit der Arbeiterschaft sah Werhun in ihrem niedrigen Bildungsgrad. Um dem abzuhelfen, gründete Werhun für die Kinder ukrainischer Arbeiter Grundschulvereine. Die ersten entstanden in Bremen und Hamburg. Daraus entwickelten sich ukrainische Sonntagsschulen. Ehemalige Lehrer, jetzt Emigranten, bezahlte Werhun für ihre Lehrtätigkeit aus der Sonntagskollekte, die eigentlich für seinen Unterhalt bestimmt war." (3)

Sein bescheidenes Gehalt teilte er mit ukrainischen Studenten

Petro Werhuns Pfarrgebiet erstreckte sich über mehrere Bistümer. Neben Berlin gehörte Hamburg, Bremen, das Ruhrgebiet, Ostpreußen und Danzig dazu. In Berlin nahm sich Werhun besonders der Studenten an. Vielen verschaffte er Stipendien. Die Mehrzahl von ihnen erfuhr nie, dass er dafür sein bescheidenes Gehalt mit ihnen teilte. Pfarrer Werhun hatte aber auch das Ziel, die Akademiker zu gewinnen.

"In Berlin erreichte Priester Werhun die ukrainische Intelligenz über die Gründung eines Kirchenchores. Die Kunst bestand darin, die kulturell und konfessionell verschiedenen Ukrainer, Orthodoxe und Katholiken, zusammen-zuhalten. Die Orthodoxen aus der Dnjeperukraine kamen aus dem russischen Kulturkreis, die Katholiken aus Galizien prägte die habsburgische Tradition. Trotz Exils erhielt sich das politische und religiös-kulturelle Gefälle zwischen den Ukrainern. Die Existenz des Kirchenchores bis ins Jahr 1945 überbrückte die konfessionellen Gegensätze. Die "innerukrainische Ökumene" trug zum gegenseitigen Verständnis der orthodoxen und katholischen Ukrainer bei." (4)

Unter den Ukrainern in Deutschland traf Pfarrer Petro Werhun auf konfessionelle und politisch-kulturelle Spannungen. Das war ihm nicht neu. In seiner galizischen Heimat, unweit der Stadt Lemberg, waren sie ihm schon begegnet. Die Ukraine wurde seit Jahrhunderten in ihrem westlichen Teil von Polen und dem Habsburgerreich in Anspruch genommen, im östlichen Teil von Russland. War ihr Westen römisch-katholisch geprägt, so war im Osten das russisch-orthodoxe Christentum vorherrschend.

Mit der russischen Revolution und dem Ende des Habsburgerreiches infolge des Ersten Weltkrieges geriet die Ukraine nahezu vollständig unter russische beziehungsweise sowjetische Herrschaft. Kurz nur währte die Zeit ihrer Selbstständigkeit zwischen 1917 und 1919. Als die Polen 1919 die Westukraine überfielen, schloss sich Werhun der ukrainisch-galizischen Armee an, um gegen die polnische Besatzung zu kämpfen. Er geriet in polnische Gefangenschaft, floh nach Deutschland und ging von dort in die junge Tschechoslowakei, um in Prag zu studieren. Pfarrer Michael Höhle:

"Die tschechische Regierung hatte ein starkes Interesse, die ukrainische Freiheitsbewegung zu fördern. Und so ist in Prag eine eigene ukrainische freie Universität errichtet worden, von Wien nach Prag verlegt worden. Dort hat Petro Werhun dann Geschichte studiert und ist dort zum Doktor phil. promoviert worden mit einer Arbeit über die Union des Konzils von Florenz und die Ukrainer. Gleichzeitig hat er Theologie studiert an der deutschen Karl-Ferdinands-Universität in Prag. Offensichtlich beherrschte er die deutsche Sprache."

Wohl auch deshalb schickte ihn Erzbischof Scheptyckyj nach der Priesterweihe 1927 als Seelsorger der ukrainischen Katholiken nach Berlin. Werhun war nun nicht mehr der Patriot, der mit der Waffe in der Hand für die Freiheit der Heimat kämpfte. Fortan ging es ihm darum, die Zerrissenheit seiner Landsleute zu heilen und zur Verständigung zwischen Ost und West beizutragen, insbesondere zur Annäherung zwischen der lateinischen katholischen Tradition und der orthodoxen. Dazu befähigten ihn nicht nur seine Kenntnisse der Kirchengeschichte, Ukrainistik, Kunstgeschichte und Theologie.

Die ukrainischen Katholiken als Bindeglied zwischen Ost und West

Es war auch die Eigenart der religiösen Prägung der Westukrainer, zu denen er zählte. Denn die unter päpstlicher Jurisdiktion stehenden sogenannten unierten Ukrainer sind zwar Katholiken, sie praktizieren aber den byzantinischen Ritus. Diese Liturgie, die auch die orthodoxen Christen feiern, ist verankert in der ostkirchlichen Frömmigkeit mit ihren Ikonen, Gesängen und Gebeten. Werhun verstand sich deshalb als Brückenbauer zwischen Ost und West. Pfarrer Höhle:

"Für ihn waren die ukrainischen Katholiken, die mit Rom uniert waren, so etwas wie ein Bindeglied zwischen dem kirchlichen Osten und der lateinischen Kirche. Und von daher war er der Meinung, dass seine Katholiken in Berlin auch so eine Vermittlerrolle hätten. Und diese Vermittlerrolle wollte er selber wahrnehmen und Petro Werhun hat versucht, das Interesse an der Ostkirche zu wecken, indem er römisch-katholische Theologiestudenten und Priester, Professoren eingeladen hat und Ostkirchentage veranstaltet hat, die einfach die Kenntnis des ostkirchlichen Lebens, der Liturgie, der geistlichen Literatur, der Theologie fördern wollten."

Um zur Kenntnis der Ostkirche beizutragen, verfasste Pfarrer Werhun mit zwei Mitautoren das 1939 erschienene Buch "Der christliche Osten", die erste katholische Ostkirchenkunde in Deutschland. Darin betonte er, dass der ostkirchliche Ritus entstanden sei im Kampf um die richtige Lehre, der für die ganze Kirche grundlegend war. Er pries die hochpoetische, kunstvolle Sprache und Musik der ostkirchlichen Liturgie als gleichberechtigt neben der westlichen, römischen. Und als Besonderheit dieser römisch-katholischen Kirche hob er hervor, dass sie sowohl den morgenländischen als auch den abendländischen Ritus unter einem Dach beherbergt. Er beschrieb die Bemühungen um die Überwindung der Spaltung zwischen Ost- und Westkirche. Und er stellte fest, dass oft mangelnder Respekt und mangelnde gegenseitige Liebe eine bleibende Union der Kirche - die Wiederherstellung der Una Sancta, der einen heiligen Kirche - unmöglich gemacht hatten. Sein Fazit lautete:

"Die Geschichte vermag uns wesentliche Hinweise für die Unionsmethodik zu liefern. Sie erweist, daß nur das christliche Leben, die Liebe, das Bewußtsein der Verantwortung für die Una Sancta unionsfördernd sind, daß dagegen alle voreilige Unionsbemühung, wie Überredung, Zwang, Latinisierungssucht, notwendig unionshemmend sich auswirken müssen. Vor allem aber zeigt uns die Unionsgeschichte, daß das größte Unionswerk nicht so sehr ein Tun, sondern Leiden ist, daß Gott erst eine Union der Herzen will, bevor sie in der Sphäre des offiziell kirchlichen Raumes sich auswirken soll." (5)

Diese Union der Herzen fand Petro Werhun im Austausch mit den Benediktinern des bayrischen Klosters Niederaltaich. Die Mönche dort hatten sich auf Anregung Papst Pius XI. der Aufgabe verschrieben, Kontakte zwischen der katholischen und der orthodoxen Kirche zu pflegen. Bis heute praktizieren sie sowohl die lateinische als auch die orthodoxe Liturgie. Werhun sah deshalb im Kloster Niederaltaich eine Art ost-westliches ökumenisches Begegnungs-zentrum und veranstaltete dort Ostkirchentage mit Vorträgen, Gesprächen und der Feier der ostkirchlichen ukrainischen Liturgie. Pfarrer Höhle:

"Die Ostkirchentage hatten auch das Ziel, unter den römisch-katholischen Priestern Interesse zu wecken und einige sind dann sogar so weit ausgebildet worden, dass sie die ukrainische Sprache sprechen konnten und die Erlaubnis erhielten, auch in dem östlichen Ritus die Eucharistie zu feiern. Das waren sogenannte Biritualisten, also Priester, die im lateinischen Ritus den Gottesdienst feierten, aber eben auch im ostkirchlichen Ritus."

Für sein riesiges Pfarrgebiet hatte Petro Werhun nie genug Pfarrer. Am 23. November 1940 wurde er von Papst Pius XII. zum Apostolischen Visitator der ukrainischen Katholiken des byzantinischen Ritus in Großdeutschland ernannt. Durch die Angliederung Österreichs, die Zerschlagung der Tschechoslowakei und die Besetzung Polens war das Seelsorgegebiet noch größer geworden und die Zahl der katholischen Ukrainer enorm gestiegen. Öffentlich um Priester zu werben, war untersagt. Petro Werhun versuchte es über eine reichsweite verschlüsselte Zeitungsannonce, mit wenig Erfolg. Er war deshalb froh, deutsche Priester gewinnen zu können, die die ukrainische Sprache und den ostkirchlichen Ritus erlernten, sagt Pfarrer Michael Höhle, aber …

"…wenn das ruchbar wurde, dass sie als deutsche Priester dann die Seelsorge ausübten für ukrainische Katholiken, konnte es ihnen passieren, dass sie dafür ins KZ kamen."

Ukrainische Gottesdienste mussten vorher bei der Gestapo angemeldet werden

Werhuns Engagement für die Ukrainer in Deutschland war den Nationalsozialisten schon länger ein Dorn im Auge. Seine Ausweisung konnte 1939 nur durch Intervention des päpstlichen Nuntius Orsenigo verhindert werden. Danach nahmen die Schikanen beständig zu. Seit 1940 musste Werhun die ukrainischen Gottesdienste zwei Wochen vorher bei der Gestapo anmelden. Teilnehmen durften nur ukrainische Migranten, die vor 1939 nach Deutschland gekommen waren. Ukrainische Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene waren nicht zugelassen. Zwar durfte für sie zeitweilig eine gesonderte Messe pro Monat gehalten werden, aber deren Liturgie und Predigt musste in deutscher Sprache gehalten werden. Die Beichte abzulegen, war den  Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen verboten. Seit 1942 mussten alle Predigten schriftlich vorgelegt werden. Abweichungen vom Manuskript beim Vortragen waren untersagt. Immer wieder wurden die Pfarrer, die Petro Werhun unterstützten, verhört und bedroht. Von den 25, die in der Ukrainerseelsorge tätig waren, waren seit 1943 zwölf im Konzentrationslager Oranienburg inhaftiert.

Pfarrer Petro Werhun überstand die Gefahren der NS-Zeit. Nach seiner Verhaftung durch den sowjetischen Geheimdienst im Juni 1945 gab es lange Zeit keine Nachricht über ihn. 1956, nach acht Jahren Zwangsarbeit und anschließender Verbannung schrieb er aus dem sibirischen Dorf Angarsk an das von ihm verehrte Kloster Niederaltaich. Er hatte sich bereits 1938 als Oblate mit dem Namen Bruder Pachomius verpflichtet, in Bindung an das Kloster nach benediktinischen Regeln zu leben. Nun teilte er mit, dass er Benediktinermönch werden wollte. Er hoffte, als ehemaliger Bürger des Habsburgerreiches nach Österreich ausreisen zu dürfen und von dort ins Kloster zu gelangen. Über die Umstände, unter denen er in der Verbannung lebte, erfuhren die Benediktiner durch den Brief eines polnischen Mitgefangenen von Petro Werhun. Er schrieb von dessen schwerer Krankheit, die zwei Operationen erforderlich gemacht hatte, und bewunderte die Duldsamkeit des Priesters:

"Ungeachtet aller Krankheit, der Einsamkeit in jeder Beziehung, war er immer irgendwie außerordentlich kameradschaftlich und höflich und niemandem zeigte er jemals ein trauriges Gesicht. Er leidet natürlich am meisten daran, dass er als Priester, als Mensch - der als Ziel seines Lebens in erster Linie den Dienst für andere gewählt hat, damit er ihnen helfe, Gott zu finden - dass er zur Erreichung dieses Zieles keinerlei Möglichkeit hat. Die ganze Zeit lebte er von der Hoffnung auf Heimkehr. Aber dann, als man begann, ihm die sowjetische Staatsbürgerschaft aufzudrängen, da begann er irgendwie die Hoffnung zu verlieren und damit auch die Freude am Leben." (6)

Tod in der Verbannung

Petro Werhun starb in der Verbannung am 7. Februar 1957. Ein Jahr nach seiner Seligsprechung durch Papst Johannes Paul II. wurde 2002 sein Grab in Sibirien gefunden. Seine Reliquien gelangten darauf nach Lemberg, ins Kloster Niederaltaich, zur ukrainischen unierten Gemeinde in München und nach Berlin. Hier liegen sie in der Kirche St. Johannes Evangelist, wo die ukrainischen Katholiken nun zuhause sind. Pfarrer Michael Höhle hätte es begrüßt, wenn sie sich wieder auf seinem Gemeindegebiet, in der Kirche auf dem Gelände des St. Josefsheimes in der Pappelallee, eingerichtet hätten. Das hätte die Erinnerung an Petro Werhun lebendiger wachgehalten als das Bild von ihm in der Kapelle der Pfarrkirche. Entscheidender aber ist, dass die unierten Katholiken die schwere Bedrängnis im letzten Jahrhundert überstanden haben.

"Als Werhun verhaftet wird und ihm dann der Prozess gemacht wird, wird zugleich seine ukrainische unierte Kirche liquidiert. Die Union ist von den Sowjets für gelöst erklärt worden und damit sollte die ukrainische katholische Kirche ganz und gar unterdrückt werden. Die Bischöfe sind alle verhaftet worden, viele umgekommen. Für mich ein großes Geheimnis dann, als 1989 die politische Wende passiert, da auf einmal ist es möglich, dass die ukrainischen Katholiken wieder da sind, und siehe da, sie sind in der langen Zeit nicht ausgelöscht worden, sondern vier Millionen Menschen haben sich zur unierten Kirche, also zur katholischen Kirche im östlichen Ritus, im byzantinischen Ritus bekannt. 18 Bischöfe und 1200 Priester, die offensichtlich im Geheimen geweiht wurden und durchgehalten haben. Für uns eine unvorstellbare Zahl. Die Kirche hat es geschafft, in dieser schweren Zeit zu überleben."

(1)-(4) Dmytro Zlepko, zitiert in: Päpstlicher Hausprälat Dr. Petro Werhun, Pfarrer in Berlin (1927-1940), Apostolischer Visitation der Ukrainer für Großdeutschland (1940-1945)

(5) Petro Werhun, zitiert in: Geschichte der Union im ostslawischen Raum, aus "Der christliche Osten"

(6) aus: Emmanuel Heufelder OSB, "Für Christi Reich im Osten. Prälat Dr. Peter Werhun zum Gedächtnis", aus: Niederaltaicher Rundbrief Nr. 81, Jg. 38-1/2002

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