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Fazit / Archiv | Beitrag vom 29.08.2016

Petition an BundesregierungWarum die Mann-Villa in L.A. erhaltenswert ist

Heinrich Detering im Gespräch mit Vladimir Balzer

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Außenansicht des ehemaligen Wohnhauses des Schriftstellers Thomas Mann in Los Angeles, aufgenommen in den 1980er-Jahren (imago / PEMAX)
Das ehemalige Wohnhaus von Thomas Mann in Los Angeles war Treffpunkt führender deutscher Exilanten während der Nazidiktatur. (imago / PEMAX)

Die Villa Thomas Manns in Los Angeles muss erhalten bleiben: Das fordert Heinrich Detering. Der Vizepräsident der Akademie für Sprache und Dichtung unterstützt damit eine Petition der Gesellschaft für Exilforschung, die die Literaturpreisträgerin Herta Müller mitformuliert hat.

"Uns geht es darum, dieses Haus vor dem Abriss zu bewahren", sagte Heinrich Detering im Deutschlandradio Kultur. Viele Menschen bedauerten es, dass die Exil-Villa von Thomas Mann in Los Angeles überhaupt über mehrere Jahrzehnte in Privatbesitz war, erläuterte der Vizepräsident der Akademie für Sprache und Dichtung.

Literaturwissenschaftler Heinrich Detering vor einer Matinee zur Erinnerung an Günter Grass in Göttingen  (picture alliance / dpa / Sven Pförtner)Heinrich Detering ist der Vizepräsident der Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt. (picture alliance / dpa / Sven Pförtner)

Die vom Architekten Julius Ralph Davidson im Auftrag des Literaturnobelpreisträgers geplante Immobilie steht zurzeit für 15 Millionen US-Dollar zum Verkauf. Den Preis halte er allerdings für unverschämt hoch, so Detering. Thomas Mann hatte von 1942 bis 1951 im San Remo Drive in Los Angeles gelebt. Hier entstand unter anderem sein Roman "Doktor Faustus".

Zentrum des literarischen und politischen Exils

Das Anwesen sei aber nicht einfach ein weiteres Dichterhaus, sondern ein Zentrum des literarischen und politischen Exils in den USA während der Nazidiktatur, umschrieb Detering den besonderen Wert der Mann-Villa: "Es war der Treffpunkt führender deutscher Exilanten. Hier wurde wesentlich Politik gegen Hitler geplant. Mit den Mitteln, die Schriftsteller eben hatten."

Die zukünftige Nutzung sollte mehr als ein Museum oder ein Gedenkort sein, so Detering. In dem Haus sollten deutsch-amerikanische und europäisch-amerikanische Veranstaltungen, Begegnungen und Ausstellungen stattfinden, sagte der Literaturwissenschaftler: "Die sich auch nicht nur auf die schöne Literatur konzentrieren sollen. So wie Thomas Mann als Erbauer und Bewohner dieses Hauses sich gerade in diesem Beinahe-Jahrzehnt, das er dort verbrachte, sich nicht auf die schöne Literatur allein konzentrieren konnte und wollte: Sondern auf die epochalen Auseinandersetzungen mit dem Faschismus, mit der Demokratie, mit einer kommenden Gesellschaft."

Herta Müller unterstützt Online-Petition

"Mit Sorge und Beunruhigung verfolgen wir die Berichte über den bevorstehenden Verkauf", heißt es in der Online-Petition der Gesellschaft für Exilforschung. Die Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller hat die Forderung nach einem Erhalt der Thomas-Mann-Villa mitformuliert, die an Kanzlerin Angela Merkel, Kulturstaatsministerin Monika Grütters und Außenminister Frank-Walter Steinmeier gerichtet ist.

Die deutsche Schriftstellerin und Nobelpreisgewinnerin Herta Müller. (picture-alliance / dpa / Laszlo Beliczay)Die Schriftstellerin und Nobelpreisträgerin Herta Müller (picture-alliance / dpa / Laszlo Beliczay)

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