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Buchkritik | Beitrag vom 26.03.2021

Peter Spork: "Die Vermessung des Lebens"Den Körper ganzheitlich denken - mit Hilfe von Daten

Von Michael Lange

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Das Buchcover ist weiß, nur am Rand ziehen sich blau-rote Fäden. In der Mitte steht in dicken blauen Buchstaben der Titel des Buches "Die Vermessung der Welt". Das Cover liegt auf einem orangenen Aquarell. (Deutschlandradio / Deutsche Verlagsanstalt)
In "Die Vermessung des Lebens" erläutert Peter Spork die Vorzüge der Systembiologie. (Deutschlandradio / Deutsche Verlagsanstalt)

Der Wissenschaftsautor Peter Spork präsentiert in seinem neuen Buch ein Konzept für ein gesundes, langes Leben. Zentral dabei: ein Computerprogramm, das so viele Messwerte und Daten wie möglich nutzt, um Körper und Verhalten des Nutzers kennenzulernen.

Um den Menschen und seine Gesundheit ganzheitlich zu begreifen, nutzt die Medizin immer mehr Messwerte. Das reicht vom Blutdruck über Cholesterinwerte und Schrittzähler bis zur Genom-Entzifferung. Daraus entsteht eine neue Medizin, bei der nicht die Bekämpfung von Krankheiten, sondern die Erhaltung von Gesundheit im Vordergrund steht.

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In seinem neuen Buch präsentiert der Neurobiologe und Wissenschaftsautor Peter Spork ein Konzept für ein gesundes, langes Leben. In einfacher Sprache und ohne unnötige Details beschreibt er eine Medizin der Zukunft.

Im Mittelpunkt steht die Gesundheit. Gemeint ist nicht die Abwesenheit von Krankheit, sondern ein ständiger Prozess, der uns an die Herausforderungen des Lebens anpasst. Dazu liefert ein Gesundheits-Navigator maßgeschneiderte Ratschläge. Als persönlicher Assistent empfiehlt er sachlich und geduldig, was zu tun ist oder was wir besser sein lassen sollten.

Datensammeln für die Gesundheit

Das Computerprogramm nutzt so viele Messwerte und Daten wie möglich, um alle Abläufe im Körper und unser Verhalten kennenzulernen. Daraus modelliert es einen digitalen Zwilling, der vorab durchlebt, was auf uns zukommt. Natürlich nur virtuell. Sobald etwas falsch läuft, empfiehlt der digitale Assistent zum Beispiel mehr Bewegung, eine Umstellung der Ernährung, mehr Schlaf oder einen Arztbesuch.

Die Wissenschaft, die dahinter steckt, nennt sich Systembiologie. Sie ist geradezu süchtig nach Daten und hat in den letzten Jahren gewaltige Fortschritte vorzuweisen. Sie untersucht biologische Abläufe bis auf die Ebene einzelner Zellen. Aber sie bleibt nicht bei einfachen mechanistischen Wechselwirkungen, sondern versucht das komplizierte Netzwerk des menschlichen Körpers in seiner Gesamtheit zu verstehen. Dieses neue, umfassende Bild unserer Gesundheit bezeichnet Peter Spork als ganzheitlich.

Menschenfreundliche Technik

Viele schrecken zurück vor der Macht der Computer und fürchten Fremdbestimmung. Werden hier möglicherweise gesunde Menschen zu Patienten gemacht und durch unnötige Informationen verängstigt?

Peter Spork erwähnt diese Bedenken und Gefahren, aber für ihn überwiegen die neuen Möglichkeiten. Er schöpft daraus sogar Hoffnung für eine menschlichere Medizin. Ärzte, die die Datenanalyse dem Computer überlassen, haben wieder mehr Zeit für persönliche Gespräche. Mehr Vorbeugung, weniger Reparaturbetrieb.

Peter Spork schreibt lebendig und eindringlich. Seine Begeisterung für die Systembiologie ist auf jeder Seite spürbar. Manchmal jedoch tritt das Buch auf der Stelle und die Argumente wiederholen sich. Sicher wird der Autor nicht alle Leser von seiner Einschätzung überzeugen, aber es bleibt die Einsicht, dass technische Entwicklungen nicht menschenfeindlich sein müssen.

Peter Spork: "Die Vermessung des Lebens. Wie wir mit Systembiologie erstmals unseren Körper ganzheitlich begreifen – und Krankheiten verhindern, bevor sie entstehen"
Deutsche Verlagsanstalt, München 2021
336 Seiten, 24 Euro

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