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Lesart / Archiv | Beitrag vom 29.12.2015

Peter Høegs neuer Roman "Der Susan-Effekt" "Ich habe das innere Kind spielen lassen"

Peter Høeg im Gespräch mit Joachim Scholl

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Porträtfoto des dänischen Schrifstellers Peter Hoeg im Studio von Deutschlandradio Kultur (Deutschlandradio / M. Hucht)
Porträtfoto des dänischen Schrifstellers Peter Hoeg im Studio von Deutschlandradio Kultur (Deutschlandradio / M. Hucht)

Eigentlich ist Susan eine rationale Physikerin. Doch sie hat ein Talent: In ihrer Nähe öffnen sich die Menschen, irrationale Dinge geschehen. Diese Zweideutigkeit habe er beschreiben wollen, sagt der dänische Bestseller-Autor Peter Høeg über seinen Roman "Der Susan-Effekt".

Der dänische Schriftsteller Peter Høegwar nicht immer Schriftsteller: Er war früher ein studierter Tänzer und hat auch als Schauspieler gearbeitet. Er ist viel in der Welt herumgekommen, hat eine Zeit lang in der Karibik und Afrika gelebt.

Erst Mitte 30 setzte sich jenes Talent durch, mit dem er zu Weltruhm kam: Mit seinem zweiten Roman "Fräulein Smillas Gespür für Schnee" - ein literarischer Krimi erster Güte, millionenfach verkauft und als Hollywood-Kino verfilmt. Der neue Roman des 1957 geborenen Autors heißt "Der Susan-Effekt". Im Mittelpunkt steht eine Physikerin, die über eine besondere Gabe verfügt.

Was ist der Susan-Effekt? Das beschreibt Peter Høeg im Gespräch mit Deutschlandradio Kultur folgendermaßen:

"Susan erschafft eine sehr tiefe Ehrlichkeit. Wenn sie in der Nähe von anderen Menschen ist, dann öffnen sich diese Menschen und erzählen ihre tiefsten Hoffnungen und Ängste. Man kann vielleicht sagen, dass es ein empathisches Talent ist."

Wie alles außer Kontrolle gerät

Auf der anderen Seite sei Susan als Naturwissenschaftlerin sehr rational, so beschreibt Høeg seine Figur. Sie glaube eigentlich an die Vernunft:

"Aber alles, was ihr passiert, gerät außer Kontrolle. Und es war mein Wunsch, meine Ambition, genau das zu beschreiben: Diese Zweideutigkeit zwischen einem rationalen Weltbild und einem Leben, das wirklich irrationell ist. Aber so ist das Leben, glaube ich, für uns alle. Wir leben ja in einer Kultur, die versucht, alles zu kontrollieren. Aber alles was wichtig ist – Leben, Tod, Liebe, Inspiration – ist jenseits unser Kontrolle."

Literatur und Spiel

Oft werde geglaubt, dass Literatur sehr ernsthaft sei und mit Intellektualismus viel zu tun habe, sagte Høeg.

"Aber Bücher und Kunst sind auch sehr spielerisch." Um Künstler zu sein, müsse man mit seinem inneren Kind in Verbindung bleiben. "Ich habe dieses innere Kind spielen lassen." Das zeige sich auch im Humor des Romans.

 

Peter Høeg: Der Susan-Effekt; Hanser-Verlag; 21,90 Euro

  

Mehr zum Thema:

Peter Høeg: "Der Susan-Effekt" - Wenn Menschen die Wahrheit sagen müssen
(Deutschlandradio Kultur, Buchkritik, 15.8.2015)

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