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Kulturnachrichten

Freitag, 8. November 2019

Peter Handke: Staatsbürgerschaft wird geprüft

Literatur-Nobelpreisträger Peter Handke hat Vorwürfe zurückgewiesen, er habe 1999 die jugoslawische Staatsbürgerschaft angenommen. Ihm sei lediglich ein jugoslawischer Reisepass ausgestellt worden, um zu reisen, sagte Handke einer Belgrader Tageszeitung. Nach österreichischem Recht ist eine Doppelstaatsbürgerschaft nicht ohne Einwilligung möglich, es droht sonst die Aberkennung der österreichischen Staatsbürgerschaft. Das Bundesland Kärnten prüft jetzt den Sachverhalt. Ergebnisse werden in der nächsten Woche erwartet. In einem offenen Brief haben sich unterdessen bekannte Schriftsteller zu Wort gemeldet und die "Anti-Handke-Propaganda" kritisiert. Man habe sich in der Vergangenheit "nicht mit unseren ausgebürgerten Kolleginnen und Kollegen in anderen Ländern solidarisiert, um jetzt eine angezettelte Ausbürgerungsdebatte um Peter Handke bei uns stillschweigend zu übergehen", zitiert die Tageszeitung "Der Standard" aus dem offenen Brief.

Plagiatsvorwürfe gegen Autorin Cornelia Koppetsch

Gegen die für den Bayerischen Buchpreis nominierte Soziologin Cornelia Koppetsch sind Plagiatsvorwürfe erhoben worden. Die Jury stellte das Buch "Die Gesellschaft des Zorns" daraufhin zurück. Auf Nachfrage der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" räumte Koppetsch handwerkliche Fehler ein, bestand aber der Zeitung zufolge auf der Eigenständigkeit ihrer Arbeit. Jurymitglied Knut Cordsen sagte bei der gestrigen Preisverleihung, er sei in ihrem Buch über den Begriff "Neogemeinschaften" gestolpert. Der Begriff stamme von Andreas Reckwitz, der 2017 den Bayerischen Buchpreis erhalten hatte. Koppetsch soll Cordsen zufolge ganze Sätze aus einem 2017 von Reckwitz veröffentlichten Aufsatz übernommen haben, ohne die Quelle anzugeben. Preisträger des diesjährigen Bayerischen Buchpreises in der Kategorie Sachbuch wurde Jan-Werner Müller mit "Furcht und Freiheit. Für einen anderen Liberalismus". Gewinner in der Belletristik ist David Wagner mit dem Roman "Der vergessliche Riese".

Autorin Juli Zeh mit Heinrich-Böll-Preis ausgezeichnet

Die Schriftstellerin Juli Zeh hat den Heinrich-Böll-Preis der Stadt Köln erhalten. Zehs Werke seien voller Botschaften und relevanter Fragen, ohne jemals den pädagogisierenden Zeigefinger zu erheben, hieß es in der Begründung der Jury. Oberbürgermeisterin Henriette Reker verlieh der 45-Jährigen im Historischen Kölner Rathaus den mit 30 000 Euro dotierten Preis. Juli Zeh gehört zu den Schriftstellerinnen, die einen der ersten Plätze in der deutschen Gegenwartsliteratur für sich in Anspruch nehmen dürfen, lautete die Begründung der Jury weiter. Geboren ist die studierte Juristin aus Bonn, mittlerweile lebt Zeh in der Nähe von Berlin und ist als Verfassungsrichterin in Brandenburg tätig.

Günther Rohrbach Filmpreis für "Systemsprenger"

Der Film "Systemsprenger" hat den mit 10.000 Euro dotierten Günter Rohrbach Filmpreis erhalten. Regisseurin Nora Fingscheidt erhielt die Auszeichnung gemeinsam mit den Produzenten Peter Hartwig und Jonas Weydemann. Das teilten die Günther Rohrbach Filmpreis Stiftung und die Stadt Neunkirchen mit. "Ein Film von großer gesellschaftlicher Relevanz, deckt er doch schonungslos die Grenzen unserer pädagogischen Ansätze auf", erklärte die Jury. Im Film geht es um ein neunjähriges Mädchen. Ihre Mutter hat sie abgegeben, aus Pflegefamilie, Wohngruppe und Sonderschule fliegt sie raus. Das Jugendamt nennt sie einen "Systemsprenger", weil sie durch das Raster an Hilfesystemen fällt. "Systemsprenger" ist als deutscher Bewerber für den Oscar in der Kategorie "Bester nicht-englischsprachiger Film" eingereicht.

US-Autorin Amy Giles bekommt "Buxtehuder Bulle"

Der US-amerikanischen Schriftstellerin Amy Giles ist der Jugendbuchpreis "Buxtehuder Bulle" übergeben worden. Der Preis wurde Giles bereits Anfang September für ihr Romandebüt "Jetzt ist alles, was wir haben" zugesprochen. Der "Bulle" wird jährlich seit 1971 für das nach Meinung der Jury beste Jugendbuch in deutscher Sprache des jeweiligen Vorjahres verliehen und ist mit 5.000 Euro dotiert.

Manet-Bild aus Gurlitt-Bestand geht nach Tokio

Das National Museum of Western Art in Tokio hat ein Gemälde von Edouard Manet aus dem "Kunstfund Gurlitt" zurückerworben. Damit kommt das Bild "Marine, Temps d'orage" (Stürmische See) für vier Millionen US-Dollar wieder dauerhaft nach Tokio. Das teilte das Kunstmuseum Bern mit: Von dort war es im Zweiten Weltkrieg verkauft worden. Provenienzforschungen hätten ergeben, dass es sich bei dem Werk eindeutig nicht um NS-Raubkunst, also durch die Nationalsozialisten unrechtmäßig entzogenes Kulturgut, handele.

Auftakt zum Deutsch Dänischen Freundschaftsjahr 2020

Im Nationalmuseum Kopenhagen hat die dänische Königin Margrethe die Zweite eine große Deutschland-Ausstellung eröffnet. Damit wird das deutsch-dänische Freundschaftsjahr 2020 eingeleitet. In den nächsten Monaten sind in beiden Ländern zahlreiche kulturelle Veranstaltungen geplant, darunter Ausstellungen, Konzerte und gemeinsame Kunstprojekte. Außenminister Heiko Maas wies auf die besonderen Beziehungen der beiden Nachbarländer hin. Das Freundschaftsjahr 2020, zeige nicht nur eine enge kulturelle Verflochtenheit. "Es ist in Zeiten neuer Nationalismen auch ein wichtiges und entschiedenes Bekenntnis zu unserem friedlichen Miteinander in Europa - einer Errungenschaft, die wir nie für selbstverständlich nehmen dürfen."

Testlauf für U-Bahn-Kunstwerk von Markus Lüpertz

Mit einem Testbild wird Maler und Bildhauer Markus Lüpertz das Karlsruher U-Bahn-Kunstprojekt "Genesis - Sieben Tage des Herrn" Ende November erproben. Damit solle geprüft werden, ob die künstlerischen Ideen mit den technischen Erfordernissen vereinbar sind, so Initiator des Projekts und Sprecher des Vereins "Karlsruhe Kunst Erfahren", Anton Goll. Der Maler und Bildhauer Lüpertz, der zu den bedeutendsten deutschen Künstlern der Gegenwart zählt, will mit 14 großformatigen Keramikplatten sieben unterirdische U-Bahn-Stationen in eine Kunst-Kathedrale verwandeln. Geplant ist, dass zur Eröffnung des Stadtbahntunnels Ende 2020 statt den sonst üblichen Werbetafeln die Schöpfungsgeschichte dargestellt wird. Eine Kunstausstellung, die rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr zugänglich ist. Für das Projekt, das nur durch Sponsorengelder finanziert werden soll, sind etwa eine Million Euro veranschlagt.

Zwei neue Mitglieder im Pulitzerpreis-Gremium

Carlos Lozada und David Remnick werden Teil des 19-köpfigen Gremiums von Journalisten und redaktionellen Führungskräften, teilte die Columbia University mit. Die Pulitzerpreise gelten als wichtigste Journalisten- und Medienpreise. Lozada ist Mitherausgeber und Buchkritiker der "Washington Post". Er bekam in diesem Jahr den Kritiker-Pulitzerpreis für seine Essays und Rezensionen von Büchern über die Regierung. Remnick wurde 1998 Herausgeber des "New Yorker" und schrieb seit 1992 für das Magazin über Russland, den Nahen Osten und Europa. Er gewann vier Pulitzerpreise. Mitglieder können maximal drei Mal für jeweils dreijährige Amtszeiten im Gremium sitzen.

Europäische Kulturmarken-Awards vergeben

Die niederländische Kunsthistorikerin Hedwig Fijen hat die Auszeichnung "Europäischer Kulturmanager des Jahres 2019" im Rahmen des "Europäischen Kulturmarken Arwards"erhalten. Die 1993 von Fijen gegründete europäisch-nomadische Biennale Manifesta entwickelte sich zu einer der einflussreichsten Biennalen der Welt. Sie wird im nächsten Jahr in Pristina im Kosovo stattfinden. Die "Europäischen Kulturmarken Arwards" wurden im Beisein von 650 europäischen Kulturschaffenden auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein vergeben. Die Gesellschaft „Kulturland Brandenburg" erhielt die Auszeichnung „Europäische Kulturtourismusregion 2019".

Meryl Streep leitet 2020 "Met"-Gala

US-Schauspielerin Meryl Streep wird im kommenden Jahr die berühmte Jahresgala des New Yorker Metropolitan Museum of Art (Met) als Co-Vorsitzende leiten. Wie das "Met" mitteilte, steht die dreifache Oscar-Preisträgerin Anfang Mai 2020 gemeinsam mit mehreren weiteren Prominenten an der Spitze des alljährlichen gesellschaftlichen Höhepunkts der US-Ostküste, unter ihnen US-Schauspielerin Emma Stone und "Vogue"-Chefin Anna Wintour. Die Gala ist jedes Jahr ein Schaulaufen der Prominenz. Laut "New York Times" kostet ein Platz rund 35.000 Dollar (32.000 Euro). Für eine Tischreservierung werden zwischen 200.000 oder 300.000 Dollar gezahlt. Das Geld kommt dem Kostüminstitut des Metropolitan Museum of Art zugute.

Museen fordern Hilfe beim Klimaschutz

Die Spitzen wichtiger Museen in Deutschland wollen mehr Klimaschutz in ihren Häusern. Das geht aus einem offenen Brief an Kulturstaatsministerin Monika Grütters hervor. Zwei Dutzend Direktorinnen und Direktoren führender Museen, Kultureinrichtungen und Institute fordern "eine zentrale Taskforce, die sich einzig den klimapolitischen Herausforderungen in Museen und anderen öffentlichen Ausstellungshäusern widmet". Der Kulturbetrieb könne "zum Vorreiter auch im Klimaschutz" werden. Zu den Erstunterzeichnern zählen Museumschefs aus Köln, Stuttgart, Düsseldorf, Hamburg und Berlin.

James Dean "wiederbelebt" durch Computertechnik

James Dean wird 64 Jahre nach seinem Unfall-Tod in einem neuen Film wiederbelebt: Der jung verstorbene Hollywood-Star werde in einem Action-Drama zum Vietnam-Krieg in einer zweiten Hauptrolle auftreten, berichtete das Fachmagazin "Hollywood Reporter". Die Produzenten des Films "Finding Jack" erhielten die Zustimmung von Deans Familie. Der Film-Star, der 1955 ums Leben kam, soll mit Hilfe von Computertechnik in den Film integriert werden. Dafür nutzt das Unternehmen Magic City Films alte Dreh-Sequenzen und Fotos. Filmkritiker Thomas Klein zeigte sich gegenüber Deutschlandfunk Kultur skeptisch: "Im Grunde genommen heißt es für jeden größeren Superstar, wenn der keine Lust mehr hat, wenn der verstorben ist, sagt der Produzent, wenn das Original nicht zur Verfügung steht, holen wir es uns von der Festplatte. Das halte ich für bedenklich."

Nicole Heesters bekommt Deutschen Hörspielpreis

Schauspielerin Nicole Heesters erhält den Deutschen Hörspielpreis der ARD. Sie werde für ihre Leistung im Hörspiel "Die Jahre" ausgezeichnet, teilte der Südwestrundfunk mit. In der Produktion leiht die 82-Jährige gemeinsam mit ihrer Kollegin Corinna Harfouch den Lebenserinnerungen der französischen Autorin Annie Ernaux ihre Stimme. "Aus ihrer Interpretation der literarischen Vorlage sprechen Weisheit und Warmherzigkeit genauso wie eine bodenlose Coolness", so die Jury. Heesters war die erste "Tatort"-Kommissarin und spielte in zahlreichen Kinofilmen. Das Hörspiel "Die Jahre" kann einen Monat lang in der ARD Audiothek angehört werden. Die mit 3000 Euro dotierte Auszeichnung wird während der ARD-Hörspieltage in Karlsruhe vergeben.

Caroline Peters wird Buhlschaft in Salzburg

Schauspielerin Caroline Peters wird im kommenden Jahr die "Jedermann"-Buhlschaft bei den Salzburger Festspielen verkörpern. Fernsehzuschauer kennen Peters aus der Krimiserie "Mord mit Aussicht". Sie gehört seit 2004 zum Ensemble des Wiener Burgtheaters. 2016 und 2018 kürte die Fachzeitschrift "Theater heute" Peters zur Schauspielerin des Jahres. "Ich bin wirklich gespannt, was das dann mit einem macht", sagte Peters zu ihrem Engagement. Die Salzburger Festspiele feiern 2020 ihr 100. Jubiläum.

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Fazit

Ersan Mondtags "Die Verdammten" in KölnUnter Untoten
Eine lange Tafel, an deren beiden Enden zwei Frauen sitzen. Eine Frau sitzt auf dem Tisch. Im Hintergrund ist ein überdimensioniertes Foto eines Babys zu sehen. Dahinter ist eine Treppe zu sehen, auf deren oberen Ende ein Mann sitzt. Über allem liegt eine Schicht weiße Federn. (Birgit Hupfeld / Schauspiel Köln)

Ersan Mondtag inszeniert Luchino Viscontis „Die Verdammten“ am Schauspiel Köln. Das Stück über eine deutsche Industriellenfamilie, die sich mit den aufstrebenden Nationalsozialisten einlässt, lässt für unseren Kritiker Michael Laages Fragen offen.Mehr

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