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Lesart | Beitrag vom 28.10.2019

Peter Handke polarisiert im ehemaligen JugoslawienReaktionen von Verehrung bis Entsetzen

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Nahaufnahme von Peter Handke bei einem Empfang Theater in Wien 2018. (imago images / SKATA)
Solidarität mit dem serbischen Volk bekundete Peter Handke im März 2019 auf einer Konferenz serbischer Veteranen in Belgrad. (imago images / SKATA)

Der Literaturnobelpreis für Peter Handke ist auch im ehemaligen Jugoslawien hochumstritten. Handke verhöhnte das Leid der Muslime in Bosnien-Herzegowina. Und jetzt ist ein Video aufgetaucht, in dem Handke sich mit dem serbischen Volk solidarisiert.

Die kroatisch-deutsche Schriftstellerin Alida Bremer analysierte in einem Essay bei Perlentaucher und in der Sendung Fazit im Deutschlandfunk Kultur Peter Handkes Äußerungen über den Bürgerkrieg im ehemaligen Jugoslawien. Zudem ist ein Video aufgetaucht*, in dem Peter Handke auf einer Konferenz serbischer Veteranen im März 2019 zu sehen ist und seine Verbundenheit mit dem serbischen Volk deutlich macht. Handke sei dort konfus und unkonzentriert aber klar in der Sache aufgetreten, sagt unsere Kollegin Sabine Adler. Sein Auftritt mache deutlich, dass er nicht der Eremit sei, der sich zu den Ereignissen nicht äußere, sondern bei der Konferenz sei ihm viel Raum gegeben worden.

In der serbischen Bevölkerung werde sein Auftritt positiv aufgenommen. Handke sei der einzige Fürsprecher, den das serbische Volk in der westlichen Welt habe, sei der Eindruck in Serbien, sagt Adler.

Scharfe Kritik aus Bosnien-Herzegowina und Kroatien

Allerdings gebe es natürlich viele Menschen in Serbien, die über die eigene Rolle im damaligen Krieg nachdenken. Und die Serben in Bosnien-Herzegowina haben wiederum mit einer eigenen Provokation auf die Verleihung des Literaturnobelpreises reagiert. Sie sagten, man müsse Handke jetzt doch mal ein Denkmal in Bosnien-Herzegowina und in Srebrenica aufstellen.

Die "Mütter von Srebrenica", jene Frauen, deren Söhne im Massaker von Srebrenica von Serben ermordet wurden, baten das Nobelpreiskomitee in einem Brief um Rücknahme seiner Entscheidung. Scharfe Reaktionen gebe es auch aus der bosnischen und kroatischen Bevölkerung, sagt Adler. Dort würde Handke als Monster und Genozid-Befürworter bezeichnet. In Kroatien wird daran erinnert, dass Handke sich während der Angriffe der serbisch dominierten jugoslawischen Armee 1991 auf Dubrovnik merkwürdig geäußert habe. Er hatte die Belagerung der Stadt als "Sommerspiele" bezeichnet, woran man sich nun erinnert.

*Redaktioneller Hinweis: Wir haben an dieser Stelle eine missverständliche Aussage über die Urheberschaft des Videos korrigiert.

Im Gespräch mit Wiebke Porombka und René Aguigah hören Sie:
- Was ist dran an Handkes Inszenierung als unpolitischer Schriftsteller?

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