Seit 01:05 Uhr Tonart

Freitag, 03.04.2020
 
Seit 01:05 Uhr Tonart

Im Gespräch | Beitrag vom 09.03.2020

Performance-Künstlerin und Schauspielerin Berit StumpfEin Leben im Theater-Kollektiv

Moderation: Ulrike Timm

Beitrag hören Podcast abonnieren
Performance-Künstlerin Berit Stumpf im Stück "7 Schwestern"  (imago images / Drama-Berlin.de)
Angelehnt an Tschechows "Drei Schwestern": Performance-Künstlerin Berit Stumpf im Stück "7 Schwestern" (imago images / Drama-Berlin.de)

Die Performance-Künstler von "She She Pop" haben als erstes Kollektiv den Berliner Theaterpreis bekommen. Von Anfang an dabei: Berit Stumpf. Ihre Passion ist das Spiel mit Klischees, mit dem Publikum, auch auf der Straße – und immer im Kollektiv.

Bei "She She Pop" können alle alles machen: Das Performance-Kollektiv besteht mehrheitlich aus Autorinnen, Dramaturginnen und Ausführenden – und macht alles gemeinsam. "Wir machen Theater anders", so ihr Motto. Basisdemokratisch, selbstbestimmt, feministisch und kollektiv, mit allein Freuden und Leiden – seit 25 Jahren. Seit 2002 ist sogar ein Mann dabei.

Spott für das "Mädchenprojekt"

"Anfangs wurden wir als 'das Mädchenprojekt' verlacht", sagt Berit Stumpf. "Man kann auch nicht immer nur Hits produzieren. Und wir passen unsere Arbeit an unser Leben an, wenn wir uns verlieben oder Kinder bekommen. Ich war die erste, die schwanger wurde und ein Kind bekam. Da musste ich mich erst orientieren: Geht das mit Kind?"

Denn "She She Pop" ist mehr als eine Performance- und Theatertruppe: Die Künstler teilen ihr Leben miteinander – nicht ganz so eng wie eine WG, aber fast. Sie kochen und essen zusammen, sind aber, wie Berit Stumpf, auch froh, wenn sie sich nach den Proben ins Privatleben zurückziehen können – wenn es das überhaupt gibt.

"Es gibt schon die Trennung zwischen beruflich und privat. Auch wenn die Linie schwerer zu ziehen ist, denn wir sind alle auch eng befreundet. Aber wir führen unterschiedliche Leben außerhalb dieser Gruppe auch."

Mit den Kindern um die Welt

Besonders kollektiv wird es, wenn die Truppe durch die Theater der Welt tourt. Klar, dass die Kinder bei monatelanger Abwesenheit der Eltern nach Möglichkeit mitdürfen – und -müssen.

"Die Kinder waren von Anfang an mit auf Tour. Natürlich wurden die mit eingepackt – und haben davon profitiert, in jungen Jahren eine Australientour gemacht zu haben. Sie wollen sich aber auch nicht alles anschauen, für manches schämen sie sich sogar."

Durchgefallen ins Glück

Um dorthin zu gelangen, wo sie ist, ist Berit Stumpf nicht immer den geraden Weg gegangen und hat trotzdem erreicht, was sie immer wollte.

"Ich habe relativ früh davon geträumt, auf einer Bühne zu stehen. Ich habe mich auf Schauspielschulen beworben und bin kläglich gescheitert. Im Nachhinein ist das ein Glücksfall."

Denn so fand sie zum Performance-Theater, ihrer eigentlichen Berufung.

(AB)

Im Gespräch

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur