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Rang I | Beitrag vom 01.08.2020

Performance „Bitte nicht berühren“Zwei Wochen Quarantäne im Glaskasten

Alina Schaller und Anton Widauer im Gespräch mit Janis El-Bira

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"Bitte nicht berühren!" - Die Männer und Frauen machen das Abstandhalten zum Theaterthema und leben eine Zeitlang isoliert hinter Glas. (Coco Winter, kollektief)
"Bitte nicht berühren!" - Die Männer und Frauen machen das Abstandhalten zum Theaterthema und leben eine Zeitlang isoliert hinter Glas. (Coco Winter, kollektief)

Bei Verdacht auf eine Corona-Infektion, wird Quarantäne angeordnet. Rein freiwillig isolieren sich fünf Schauspielerinnen und Schauspieler der Wiener Performance-Gruppe kolllekTief. Sie ziehen für zwei Wochen in einen Glaskasten.

Während draußen der Sommer verstreicht, leben sie zwei Wochen lang wie in einem Aquarum. Beim Festival "Hin und weg" im niederösterreichischen Litschau wohnen Mitglieder der Wiener Performance-Gruppe kolllekTief in verglasten Containern. "Bitte nicht berühren" heißt das Projekt.

Aber warum tut man sich das an? Die kollekTief-Mitglieder Alina Schaller und Anton Widauer begründen ihren ungewöhnlichen Schritt damit, dass ein anderes Projekt abgesagt wurde. "Wir hatten ein Stück beim 'Hin und weg'-Theaterfestival geplant, bei dem es um Nähe ging. Da ging es darum, dass die Zuschauer zu uns kommen, und sie dürfen alles berühren. Sie sind im Bühnenbild wirklich drinnen", sagt Alina Schaller.

Als Alternative bot sich ein Projekt an, bei dem die Hygiene- und Abstandsregeln Thema sind. "Wir haben dann gesagt: Wir nehmen diese Maßnahmen, überspitzen die ein bisschen und sperren uns für 14 Tage in Glasboxen."

Nach der zweiwöchigen Selbstisolation sind die Schauspieler sicher coronafrei und damit auch ohne Abstandsregeln spielfähig. Deshalb soll die Performance mit einer Abschlussvorstellung enden, bei der sich die fünf Performer wieder gemeinsam auf der Bühne einfinden und sich auch berühren dürfen.

Zuschauer als Nachbarschaftshelfer

Zuvor gilt es aber, die lange Zeit in den fünf verglasten Zwölf-Quadratmeter-Boxen, die mit Tisch, Bett, Stuhl, WC und Klimaanlage ausgestattet sind, sinnvoll zu nutzen. Täglich gibt es Performances in den Boxen und insgesamt 14 Gegenstände dürfen die Performer mit in ihre Zellen nehmen. Smartphones, Laptops und Internet sind im Sinne des analogen Gedankens allerdings tabu. Die Zuschauer sollen dort einspringen, wo etwas gebraucht wird.

"Es gibt ein Briefkasten-System. Man kann uns Briefe schreiben und wir uns eventuell etwas wünschen, was wir gerne verwenden für eine Performance am Abend würden – oder auch selber einfach brauchen", sagt Anton Widauer.

Auch Spenden würden gerne entgegengenommen. Für Anton Widauer ist das einer der spannendsten Aspekte an der Dauerperformance. Die Empathie, mit der die Menschen diesem von mehreren Sponsoren ermöglichten Projekt - auch schon im Vorfeld - begegneten.

"Bitte nicht berühren" von der Gruppe kollekTief beim Festival "Hin und weg" in Litschau / Österreich: 1. bis 15. August, Abschlussperformance am 15. August, 20:30 Uhr

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