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Elektronische Welten / Archiv | Beitrag vom 28.06.2011

Per App aufs Fahrrad und ans Steuer

Smartphones sollen kurze Wege im Stadtverkehr finden - und gleich das richtige Verkehrsmittel noch dazu

Von Po Keung Cheung

Das Rad ist in der Stadt manchmal das schnellste Fortbewegungsmittel. (picture alliance / dpa)
Das Rad ist in der Stadt manchmal das schnellste Fortbewegungsmittel. (picture alliance / dpa)

Wer schnell von A nach B reisen möchte, ist mit Bus oder Bahn nicht immer am besten bedient. Mit dem Fahrrad oder Auto kommt man womöglich schneller durch den Berufsverkehr. Eine App fürs Smartphone soll es Verkehrsteilnehmern daher ermöglichen, sich spontan für ein beliebiges Fortbewegungsmittel entscheiden zu können. Zum Beispiel für ein Fahrrad oder Leihauto.

Wilfried Kramer: "Da müssen wir uns zu dem Mietfahrrad begeben, gehen hier zum Display, tippen es kurz an. Und jetzt nimmt das Fahrrad Kontakt auf mit der Säule. Und in Kürze müsste jetzt dieses Fahrrad freigeschaltet werden, das wir dann das Schloss ... na, das ist jetzt der Demonstrationseffekt."

Berlin-Mitte, direkt am S-Bahnhof Alexanderplatz. Eine rote Säule mit Bildschirm, links und rechts davon rund ein Dutzend knallroter Fahrräder. Wilfried Kramer legt eine Plastikkarte an die Säule und geht an eines der Fahrräder, tippt mehrmals auf ein kleines Display.

""... oh ja, da haben wir es. Sehen Sie, jetzt steht das Fahrrad, wenn man jetzt das etwas kompakte Schloss einrasten lässt, zur Nutzung zur Verfügung.""

Und los geht's, ein paar Kilometer, bis zu einem Bürohaus. Die Zentrale der Berliner Verkehrsbetriebe BVG, des größten deutschen Nahverkehrsunternehmens. Wilfried Kramer ist hier Marketingdirektor. Sein Job ist das Beobachten des Marktes und die Entwicklung des Angebotes. Zwar gehört das von ihm genutzte Mietfahrrad namens "Call A Bike" nicht zur BVG, sondern zur Deutschen Bahn. Trotzdem ist es Teil eines Konzeptes, mit dem er sich gemeinsam mit anderen Unternehmen schon seit langer Zeit beschäftigt - der sogenannten Mobilitätskette.

"Wir wissen auch, dass nicht wenige unserer Kunden täglich auch mit dem Fahrrad unterwegs sind im Vor- und Nachlauf. Und wir wissen der eine auch Park and Ride betreibt, gerade in den Außenbezirken und im Umland ist das auch ein Faktor. Insofern ist die Mobilitätskette nicht was ganz Neues. Eigentlich das innovative und das, was jetzt in Forschungsprojekten läuft, ist die Tatsache, dass man versucht, das miteinander auch tariflich und vertrieblich zu integrieren."

War es vor Jahrzehnten das Auto, das am Stadtrand auf einem "Park and Ride"-Parkplatz vor einem Bahnhof abgestellt wurde, um mit der Bahn weiterzufahren, so sind es heute zusätzlich das Fahrrad und eine neue Strategie, die die Mobilitätskette bilden. Und die gilt es, unter einen Hut zu bekommen.

Am Berliner Bahnhof Zoo steht Andreas Knie. Er hält ein iPhone in der Hand. Wenn es nach ihm geht, ist ein solches Smartphone künftig der Schlüssel zur Mobilität. Andreas Knie ist Leiter des Innovationszentrums für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel, kurz InnoZ. Und seine Vision soll mit einem kleinen Zusatzprogramm für das Handy, einer sogenannten App, Realität werden. Damit sollen Nutzer künftig Zugang zu den verschiedensten Verkehrsmitteln bekommen. Nicht nur zu Bussen und Bahnen, sondern auch zu Fahrrädern und sogar zu Autos. Dem Visionär hilft vor allem ein Umstand: Die rasante Verbreitung moderner Telefone.

"Die Verknüpfung der Verkehrsmittel ist wirklich die strategische Perspektive, sonst haben wir keine. Jeder will individuell unterwegs sein, eigene Zeit, eigener Raum, das sind da die Stellgrößen. Aber wie macht man das? Da kann nicht jeder mit seinem eigenen Auto, sogar, siehe Münster, nicht immer nur mit seinem eigenen Fahrrad fahren, sondern es muss intelligent genutzt werden, es muss effizient genutzt werden, und das ist die Voraussetzung, dass wir beweglich bleiben und da ist die Verknüpfung der Verkehrsmittel wirklich der beste Weg."

Das bedeutet aber auch, dass bei den Nutzern ein Paradigmenwechsel stattfinden muss: Abschied vom eigenen, persönlichen Verkehrsmittel. Das Teilen rückt in den Mittelpunkt.

"Wenn Sie ein Auto haben, dann ist dieses Auto nur zu einem ganz bestimmten Bruchteil ausgelastet, denn Sie fahren in der Regel nur zu zehn Prozent und der Rest steht das Auto. Wenn man das aber jetzt verknüpft und Sie fahren immer nur dann Auto, wenn Sie ein Auto brauchen, dann kann man alle Verkehrsmittel viel, viel besser ausnutzen."

Die Koordination soll die App übernehmen. Sie ist Fahrschein für Busse und Bahnen, ist Buchungsgerät für Mietfahrrad und -auto und zeigt obendrein auch die günstigste Kombination der Verkehrsmittel, die beste Route und den Fahrplan an. Am Ende jedes Monats fasst sie auch noch alles für die Abrechnung zusammen. Von dieser Komplexität soll der Nutzer aber nichts mitbekommen. Andreas Knie verspricht eine einfache Bedienung.

"Man drückt seine Positionsbestimmung. Achtung, ich will jetzt einchecken. Dann sagt das System: Ahh, wo sind Sie denn? Da sehen Sie zum Beispiel, bietet es mir an: Zoologischer Garten. Da guck' ich, in der Tat, hier bin ich. Und dann drücke ich einfach drauf und dann sagt das System: 'Fahrt beginnen?'. Ja, Fahrt beginnen!"

Beim Aussteigen wird dann der Knopf "Fahrt beenden" gedrückt. Auch die Fahrscheinkontrolle soll einfach sein, mithilfe eines grafischen Codes und besonderer Lesegeräte. Eine Technik, die auch neue Möglichkeiten der Abrechnung bietet. Da jede gefahrene Strecke registriert wird, können die Verkehrsunternehmen auch genauere, streckenbezogene Tarife anbieten.

Statt einer groben Zoneneinteilung wäre beispielsweise die exakte Berechnung einzelner Bahnhöfe möglich. Auch eine Art "Bestpreis" ist denkbar. Nutzt der Fahrgast mehrmals am Tag Verkehrsmittel, so stellt ihm das System automatisch ein günstigeres Tagesticket in Rechnung. Und statt mehrerer Buchungen von allen Unternehmen gibt es am Monatsende nur noch eine einzige. Doch noch ist das Zukunftsmusik. Aber nach Ansicht von Andreas Knie werden wir schon bald die Technologie mit unseren Smartphones nutzen.

"In fünf Jahren hat jeder diese Apparatur, das sind wir uns ganz sicher. Es gibt natürlich immer wieder wie beim Internet auch, immer Leute, die noch mit alter Technik fahren, aber die Mehrheit wird diese intelligenten Geräte in ihrer Hand haben."

Mit der Deutschen Bahn und der BVG stehen bereits die großen Partner an der Seite von Andreas Knie. Und auch BVG-Marketingdirektor Wilfried Kramer ist überzeugt: Eigene Autos und Fahrräder werden wir künftig zumindest in der Großstadt nicht mehr brauchen.

"Wir sind jetzt angekommen, wieder an einer Fahrradverleihstation und schließen jetzt wieder das Fahrrad ab und jetzt wird elektronisch gemeldet, dass das Fahrrad wieder zum Entleihen zur Verfügung steht."

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