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Interview / Archiv | Beitrag vom 15.11.2015

PEN-Zentrum kritisiert VerfolgungDie meisten Journalisten in der Türkei inhaftiert

Sascha Feuchert im Gespräch mit Oliver Thoma

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Gebäude der Zeitung Milliyet des türkischen Medienkonzerns Dogan Medya in Istanbul, aufgenommen am 20.03.2006. Foto: Robert B. Fishman +++(c) dpa - Report+++ (picture alliance / dpa / Robert B. Fishman)
Gebäude der Zeitung Milliyet in Istanbul / Türkei (picture alliance / dpa / Robert B. Fishman)

27 tote, fast 900 inhaftierte Autorinnen und Autoren weltweit. Mit diesen Zahlen geht das PEN-Zentrum Deutschland am "Tag des inhaftierten Schriftstellers" an die Öffentlichkeit. Besonders kritisch sei die Lage für Publizisten in China, der Türkei und Mexiko.

Mindestens 27 Autorinnen und Autoren wurden im vergangenen Jahr getötet. Die Zahl der verfolgten Publizistinnen und Publizisten beziffert das "Writers in Prison"-Komitee der Schriftstellervereinigung PEN-Zentrum Deutschland anlässlich des Tags des inhaftierten Schriftstellers derzeit aber sehr viel höher: Rund 900 sollen es weltweit sein.

Von einem Rückgang der Verfolgung von Journalisten, Bloggern, Essayisten, Verlegern und Cartoonisten könne keine Rede sein, im Gegenteil, sagte Sascha Feuchert, Vize-Präsident des PEN-Zentrums, im Deutschlandradio Kultur:

"Die Situation wird leider nicht besser, sie wird eher immer leicht schlimmer. Insofern ist das leider eine normale Zahl."

Mexiko: Seit 2000 wurden 80 Journalisten getötet

Die meisten Journalisten seien derzeit in der Türkei inhaftiert, sagte Feuchert. Kritisch sei die Lage für Autoren auch in China. Ein äußerst gefährliches Land sei Mexiko.

"In Mexiko sind seit 2000 etwa 80 Journalisten und Autoren getötet worden, weil sie eben Korruption aufgedeckt haben, die Verbindungen zur Mafia aufgedeckt haben oder sich auch für Frauen engagiert haben", so Feuchert.

Feuchert wies auf das aktuelle Engagement des PEN-Zentrums für die Befreiung des inhaftierten saudi-arabischen Bloggers Raif Badawi oder der festgenommenen aserbaidschanischen Journalistin Khadija Ismayilova hin.

Abseits der öffentlichen Wahrnehmung sei hingegen das Schicksal der beiden thailändischen Studenten Patiwat Saraiyaem und Pornthip Munkong, die in Haft sitzen, weil sie in einem Theaterstück angeblich den König beleidigt haben. Auch für Sie setzt sich das "Wirters in Prison"-Komitee ein.

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