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Fazit | Beitrag vom 10.05.2019

PEN-Tagung in ChemnitzPoesie als Zeichen für Vielfalt

Bastian Brandau im Gespräch mit Sigrid Brinkmann

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Menschen stehen vor einem Festzelt auf dem Theaterplatz in Chemnitz. (Bastian Brandau)
Fast nur unter sich: Lesung auf dem Chemnitzer Theaterplatz mit Jens Wonneberger bei der PEN-Jahrestagung am 10. Mai 2019. (Bastian Brandau)

Das Jahrestreffen des PEN-Zentrums findet nicht zufällig in Chemnitz statt. Mit öffentlichen Lesungen will der Schriftstellerverband auch ein Zeichen gegen Engstirnigkeit und Hass setzen. Doch die eigentlichen Empfänger wurden nicht erreicht.

Vor dem Schauspielhaus in Chemnitz fand am zweiten Tag der PEN-Jahrestagung eine Lesung verschiedener Autoren statt. Die Veranstaltung am Abend sei in der Tat sehr vielfältig gewesen, sagt unser Reporter Bastian Brandau im Deutschlandfunk Kultur. Als Landeskorrespondent für Sachsen hat er die Geschichte der gewalttätigen Ausschreitungen von rechten Gruppen in Chemnitz Ende August 2018 genau verfolgt.

Bei der Veranstaltung auf dem Theaterplatz mit dem Motto "Vielfalt statt Einfalt" hätten 22 Autoren und Autorinnen gelesen: "In knapp eineinhalb Stunden haben wir sehr unterschiedliche Formen und Inhalte erlebt".

Texte als Mahnung gegen Ausgrenzung

Schwerpunkt der Lesung am Abend sei die Poesie gewesen, so Brandau. Gedichte seien extra für diesen Anlass geschrieben worden. Und es habe Gedichte für und über Chemnitz sowie Sachsen gegeben. Auch die Verrohung der Sprache in den sozialen Netzwerken sei ein Thema gewesen.

"Wir haben Texte gehört aus Exilliteratur, einige Texte auch aus DDR-Zeiten, die dort teilweise nicht veröffentlicht werden konnten. Was natürlich eine gewisse Botschaft hatte. Genauso wie ein Text des Verlegers und Druckers Walter Jancker aus Chemnitz, der unter Repressioenen zu leiden hatte – im Nationalsozialismus und in der DDR."

Sehr eindrücklich sei für ihn ein Gedicht von Alexander Sukow zur Befreiung von Ausschwitz gewesen und auch die Lesung der Grundrechte von Nina George, die die ersten Artikel des Grundgesetzes vorgetrug.

Wie erreicht man die Richtigen?

Eine Bewertung der Reaktion der Chemnitzer auf die Veranstaltung sei schwierig einzuschätzen, denn die meisten der rund 150 Zuhörer auf dem Chemnitzer Theaterplatz seien Schriftsteller des PEN-Verbands gewesen. Aber bei den wenigen Chemnitzern, mit denen er gesprochen hat, habe es ein sehr positives Echo auf die Veranstaltung gegeben, sagt Brandau und zieht ein Resümée:

"Mit der Macht des Wortes gegen Verachtung und Haß – das hat hier heute Abend sehr gut funktioniert. Die Leute, an die diese Botschaft gerichtet war, waren an diesem Abend wohl eher nicht hier."

(mle)

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