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Interview / Archiv | Beitrag vom 28.08.2019

"Pelikanblut" beim Filmfest VenedigDüstere Geschichte über ein Horrorkind

Patrick Wellinski im Gespräch mit Nicole Dittmer

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Ausschnitt aus dem Film "Pelikanblut" (SWR / Moritz Schultheiß )
Mutter Wiebke (Nina Hoss) und Adoptivtochter Raya (Katerina Lipovska) werden im Film "Pelikanblut" vor eine Zerreißprobe gestellt. (SWR / Moritz Schultheiß )

Ein erst fünfjähriges Mädchen verbreitet Angst und Schrecken. Beim Filmfestival in Venedig zeigt die Regisseurin Katrin Gebbe die Alptraum-Version einer Mutterschaft. Nina Hoss spielt die Hauptrolle im einzigen deutschen Beitrag "Pelikanblut".

Am Abend werden die 76. Filmfestspiele von Venedig offiziell eröffnet, mit dem Spielfilm "The Truth" mit Catherine Deneuve und Juliette Binoche in den Hauptrollen. Am Nachmittag hatte bereits der einzige deutsche Film beim Festival seine Weltpremiere. "Pelikanblut" von Katrin Gebbe eröffnete die renommierte Nebenreihe Orizzonti auf dem Lido. 

"Es ist eine düstere Geschichte", sagt unser Kritiker Patrick Wellinski noch unter dem Eindruck der Premiere. Nina Hoss spielt in dem Film eine alleinerziehende Adoptivmutter, die auf einer Farm lebt und einen ungewöhnlichen Beruf hat: Sie führt Desensiblisierungstrainings an Polizeipferden durch.

Gewaltbereites kleines Mädchen

Ihre zweite Tochter adoptiert sie aus Bulgarien. "Raya ist fünf Jahre alt und eigentlich am Anfang noch sehr lieb und nett. Doch plötzlich hat dieses Mädchen Gewaltausbrüche. Sie scheint schwerst traumatisiert zu sein. Das Umfeld beginnt unter ihr zu leiden, weil sie auch mit dem Messer herumläuft", erzählt unser Kritiker.

Das Mädchen selbst spricht von einem Wesen, das ihr etwas einflüstere. Die Mutter beginnt schließlich, bei ihrer Tochter ähnliche Wege wie bei den Pferden zu beschreiten, um an das Kind heranzukommen.

Filmhorror oder sozialer Horror?

Nina Hoss spiele die Zerreißprobe als Mutter überzeugend, meint Wellinski. Andererseits sei nicht ganz klar, ob "Filmhorror" und "Filmfantasie" den Film prägen - oder eben ein "sozialer Horror". Die Regisseurin habe einen Bezug zur Realität jedoch ausdrücklich intendiert. 

Der Film finde für die Frage, wie gehe ich mit dem Bösen um, was ich auf die Welt gebracht habe, sehr eindrückliche, aber auch befremdliche Bilder, urteilt unser Kritiker.

(huc)

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