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Literatur / Archiv | Beitrag vom 19.04.2020

Paul Celan zwischen Berlin und Jerusalem "Es wird ein Gehn sein"

Von Chiara Caradonna und Ofer Waldman

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Die beiden stehen vor einer Tafel mit einer Zeichnung. (picture alliance / IMAGNO / Votava )
Sind zusammen durch Paris gegangen: der Lyriker Paul Celan mit seiner Frau, der Grafikerin Gisèle Lestrange. (picture alliance / IMAGNO / Votava )

Das Gehen ist ein wichtiges Motiv im Werk von Paul Celan, der 1970 in Paris starb. 1967 ging er in Berlin, 1969 in Jerusalem herum - beide Städte haben Spuren in Gedichten hinterlassen. Wie klingen die Verse heute, wie haben sich die Orte verändert?

Paul Celan, der vor 50 Jahren starb, ist viel spazieren gegangen. Gehen war dem deutschsprachigen jüdischen Dichter aus der Bukowina wichtig, der nach 1948 im Pariser Exil lebte. Es hat in seinem Werk viele Spuren hinterlassen. Im Gedicht "Engführung" ruft er dazu auf, vom Lesen zu einer Bewegung durch den Raum überzugehen, die die Spuren der Vergangenheit aufsucht und sie mit der Gegenwart in Verbindung setzt:

ENGFÜHRUNG
VERBRACHT ins
Gelände
mit der untrüglichen Spur:
Gras, auseinandergeschrieben. Die Steine, weiß,
mit den Schatten der Halme:
Lies nicht mehr – schau!
Schau nicht mehr – geh!
Geh, deine Stunde
hat keine Schwestern, du bist –
bist zuhause.

Die Einkehr führt nicht nur nach innen. Zehn Jahre später schreibt Celan im Gedicht "Einen Stiefelvoll": "Es wird ein Gehn sein, ein großes/weit über die Grenzen,/die sie uns ziehen." 1967 ist Celan nach Berlin, 1969 nach Jerusalem gereist. Chiara Caradonna und Ofer Waldman folgen seinen Spuren in beiden Orten und sprechen mit Philosophen, Künstlern, Schriftstellern und Wissenschaftlern. Wie haben sich die Orte seitdem verändert? Wie erfährt man die Orte in Begleitung von Celans Gedichten? Wie erklingen die Verse vor Ort?

(pla)

Das Manuskript der Sendung können Sie hier herunterladen.

Es sprechen: Maria Hartmann, Cornelia Schönwald und Gilles Chevalier
Ton: Inge Görgner
Regie: Clarisse Cossais
Redakteur: Jörg Plath

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