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Kompressor | Beitrag vom 12.12.2016

Patti Smith versingt sichWann ist ein Fehler ein Fehler?

Thomas Hecken im Gespräch mit Timo Grampes

Nobelpreisverleihung in Stockholm (picture alliance/dpa/Foto: MAXPPP)
Patti Smith singt "A Hard Rain's A-Gonna Fall" von Bob Dylan währen der Nobelpreisverleihung in Stockholm (picture alliance/dpa/Foto: MAXPPP)

Patti Smith hat für Bob Dylan bei der Nobel-Preisverleihung in Stockholm gesungen – und machte einen Fehler. Das Publikum reagierte freundlich, die sozialen Medien waren nicht so gnädig. Die Fehler-Analyse mit dem Germanisten und Poptheoretiker Thomas Hecken.

Bob Dylan hat die Verleihung der Nobelpreise in Stockholm geschwänzt. Für ihn sang Patti Smith "A Hard Rain's A-Gonna Fall" – und kam mitten im Song völlig raus. Sie unterbrach das Lied, sagte charmant, sie sei nervös, bekam Applaus – und sang den Song dann zu Ende. Das Publikum in Stockholm reagierte äußerst wohlgesonnen, die sozialen Medien weniger. Hier wurde der Aussetzer nicht selten als peinlich gebrandmarkt.

Der Germanist und Poptheoretiker Thomas Hecken kann beiden Perspektiven und Haltungen etwas abgewinnen. Persönlich attestiert er Smith aber einen "gigantischen Fehler". "Sie kennt den Text ja, sie hat ihn ja früher schon mal gesungen", sagte er im Deutschlandradio Kultur. Dafür sei sie sehr unsicher. Er finde die Szene deswegen persönlich nicht berührend – sondern Smith "erstaunlich unprofessionell".

Symbolisch schwer aufgeladen

Andererseits verzeihe das Publikum dem Interpreten in einer Live-Situation so ziemlich alles, sagte Hecken – besonders dann, wenn der Künstler seinen Fehler auch noch eingestehe und nicht versuche, sich krampfhaft nichts anmerken zu lassen. Der Fehler sei nur dann fatal, wenn die ganze Inszenierung zusammenbreche: "Hier geht es ja weiter."

Letztlich sei die Szene symbolisch schwer aufgeladen gewesen, über dem Auditorium habe die Frage geschwebt, ob der Fehler etwas mit dem Fehlen von Bob Dylan zu tun habe, sagte Hecken. Eine perfekte Inszenierung sei gescheitert – und habe dadurch noch perfekter gewirkt.

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(Deutschlandradio Kultur, Politisches Feuilleton, 09.12.2016)

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