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Fazit / Archiv | Beitrag vom 05.10.2019

"Passion – Sehnsucht der Frauen"Ein großer, praller und berührender Theaterabend

Von Marie-Dominique Wetzel

Eine Frau blickt in die Kamera und hält mit ihren unter schwarzen Lack-Handschuhen versteckten Händen Tentakel eines Tintenfisches hoch. (Felix Grünschloß / Staatstheater Karlsruhe)
Besonders das neue Ensemble-Mitglied Sarah Sandeh sticht durch ihre einfühlsame Interpretation der Rolle der psychisch kranken Rakel Lobelius hervor. (Felix Grünschloß / Staatstheater Karlsruhe)

Die Karlsruher Schauspieldirektorin Anna Bergmann bringt wieder einen Stoff von Ingmar Bergman auf die Bühne - und diesmal hat sie gleich drei seiner Filme zu einem Theaterabend verwoben. Unsere Kritikerin Marie-Dominique Wetzel ist begeistert.

Nach "Szenen einer Ehe" und "Persona" - eingeladen zum diesjährigen Berliner Theatertreffen - bringt die Karlsruher Schauspieldirektorin Anna Bergmann wieder einen Stoff von Ingmar Bergman auf die Bühne. Und diesmal hat sie gleich drei seiner Filme zu einem Theaterabend verwoben.

Die Grundkonstellation stammt aus dem Film "Sehnsucht der Frauen": Sieben Frauen aus einer großen Familie verbringen gemeinsam Zeit auf einer Schären-Insel und während sie auf ihre Männer warten, erzählen sie sich Geschichten aus ihren Leben. Geschichten von Liebe und Verrat, Demütigungen und Lebenslügen und vom Verlust geliebter Menschen.

Erinnern, vergessen und verdrängen

Eine dieser Geschichten ist aus dem Film "Passion" entliehen. Darin versucht eine Frau, den Unfalltod ihres Mannes und ihres Kindes zu verarbeiten. Erzählt werden all diese Geschichten, die sich die Frauen erzählen, in Rückblenden. Es geht also letztendlich auch um das Erinnern, das Vergessen und Verdrängen.

Diese verschiedenen, ineinander verwobenen Geschichten erlauben es Anna Bergmann, verschiedene Spielweisen auszuprobieren: Mal wird eine Episode getanzt, mal wie ein Hörspiel inszeniert.

Der letzte Teil des Theaterabends greift den Plot des Bergman-Films "Wie in einem Spiegel" auf. Bei Anna Bergmann ist es eine erfolgreiche weibliche Schriftstellerin, die ihrer psychisch kranken Tochter nicht etwa hilft, sondern sie als Inspiration für eine ihrer Geschichten benutzt.

Fremdheit zwischen Mann und Frau

Anna Bergmann interessiert an den Bergman-Drehbüchern das Thema "Fremdheit zwischen den Menschen". Besonders zwischen Männern und Frauen. Die meisten Männer in Anna Bergmanns Inszenierung sind entweder zynisch, überheblich oder unreif und weinerlich.

Sie können genauso wenig über ihre Gefühle sprechen, wie tanzen oder singen. Es gibt eine herrliche Szene, in der die Männer von ihrem gemeinsamen Ausflug zu den Frauen zurückkommen und den Cyndi-Lauper-Song "Girls just wanna have fun" anstimmen, jämmerlich schief, mit dünnen Stimmchen. Da übernehmen plötzlich die Frauen und schmettern ihnen den Song rotzig-laut entgegen.

Theaterabend der großen Gefühle

Es ist also nicht nur das "große Depressionsstück", das Anna Bergmann selbst lachend angekündigt hatte. Es ist vor allem ein Theaterabend der großen Gefühle, gespielt von einem bestens aufgelegten Ensemble, aus dem besonders das neue Mitglied, die Schauspielerin Sarah Sandeh, durch ihre einfühlsame Interpretation der Rolle der psychisch kranken Rakel Lobelius hervorsticht.

Anna Bergmann traut sich große Gefühle und sie kann auch große Gefühle!

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