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Kulturnachrichten

Samstag, 14. September 2019

Parzinger: Kultur in EU-Kommission nicht mehr sichtbar

Die designierte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen vernachlässigt nach Ansicht des Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, die Kulturpolitik. Kultur sei im Portfolio des neuen Brüsseler Kabinetts nicht mehr sichtbar, sagte Parzinger der dpa. Es sei sehr bedauerlich, dass es keinen Kommissionsposten mehr gebe, der "Kultur" auch im Titel führe, sagte er. Am Dienstag hatte von der Leyen die Aufgaben ihrer 26 nominierten EU-Kommissare vorgestellt. Bisher trug der Ungar Tibor Navracsics den Titel "EU-Kommissar für Bildung, Kultur, Jugend und Sport". Unter von der Leyen fallen Bildung und Kultur in das Aufgabengebiet der Bulgarin Marija Gabriel. Ihr Portfolio heißt "Innovation und Jugend". Zwar sei in der ihrer Aufgabenbeschreibung explizit von der Bedeutung von Kultur und Kulturerbe die Rede. Das sei begrüßenswert ist, so Parzinger. Der Wegfall der Kultur-Bezeichnung sei umso unverständlicher, weil die Europäische Kommission 2018 noch als das Europäische Kulturerbe-Jahr ausgerufen habe.

Goldene Toilette aus Kunstausstellung gestohlen

Diebe haben eine goldene Toilette aus einer Kunstausstellung in Großbritannien gestohlen. Das Werk "America" des italienischen Künstlers Maurizio Cattelan, eine voll funktionsfähige 18-Karat-Goldtoilette, wurde nach Polizeiangaben in der Nacht aus dem Schloss Blenheim Palace in der englischen Grafschaft Oxfordshire gestohlen. In dem Schloss, das zum Weltkulturerbe der Unesco gehört, gab es eine Überschwemmung. Das Klo war zuvor im New Yorker Guggenheim Museum ausgestellt gewesen und hatte im vergangenen Jahr eine gewisse Berühmtheit erlangt, weil das Museum es US-Präsident Donald Trump als Leihgabe angeboten hatte. Die Polizei nahm nach eigenen Angaben einen 66-jährigen Verdächtigen fest. Die Ermittler gehen aber davon aus, dass mehrere Täter an dem Diebstahl beteiligt waren und mindestens zwei Fahrzeuge nutzten. Das Kunstwerk wurde zunächst nicht wiedergefunden. Die Polizei arbeitete nach eigenen Angaben aber mit Hochdruck daran, es zu finden.

Ai Weiwei verteidigt Aktion im Münchner Haus der Kunst

Der chinesische Künstler Ai Weiwei (62) hat seine umstrittene und unangemeldete Aktion im Münchner Haus der Kunst verteidigt. Außerdem dementierte er, am Freitag von den Verantwortlichen des Museums aus den Austellungsräumen geworfen worden zu sein. Die Mitarbeiter des Hauses der Kunst hätten ihn zuvor eingeladen, sie zu unterstützen, um ihre Jobs zu behalten, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Der Künstler kritisierte, die Museumsleitung kaufe teure Kunstwerke für Ausstellungen ein, "während Leute mit geringer Bezahlung entlassen werden sollen." Das Haus der Kunst hatte die Einladung des Künstlers sowie die Aktion missbilligt. Das Hausrecht sei gröblich verletzt worden, hieß es. Den Mitarbeitern drohten aber keine Konsequenzen: "Die Geschäftsführung bleibt bei der Zusage, den Umstrukturierungsprozess möglichst sozialverträglich, bei Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze und ohne Einkommenseinbußen zu gestalten." Das Haus hat turbulente Zeiten hinter sich, unter anderem wegen massiver Geldprobleme. Auch die Nähe von Angestellten zu Scientology und Fälle sexueller Belästigung sorgten für Schlagzeilen.

Schauspielerin Huffmann muss 14 Tage in Haft

Wegen ihrer Rolle im Bestechungsskandal um Zulassungen an US-Eliteuniversitäten muss die Schauspielerin Felicity Huffman für 14 Tage ins Gefängnis. Das Bundesgericht in Boston verhängte zudem eine Geldstrafe über 30.000 US-Dollar sowie 250 Stunden gemeinnützige Arbeit. Der "Desperate Housewives" - Star ist einer von 34 Elternteilen, die in dem Fall für schuldig befunden wurden. Huffman hatte zugegeben, 15.000 Dollar gezahlt zu haben, damit die Ergebnisse ihrer Tochter bei den College-Auswahltests manipuliert wurden. Der Bestechungsskandal war Mitte März bekannt geworden. Wohlhabende Eltern sollen insgesamt 25 Millionen Dollar gezahlt haben, damit ihre Kinder an Elite-Hochschulen wie Yale, Stanford und Georgetown aufgenommen wurden. Dafür wurden in einem ausgeklügelten Netzwerk Prüfungsergebnisse gefälscht und Sport-Trainer bestochen.

Kurt-Tucholsky-Preis für Margarete Stokowski

Die "Spiegel Online"-Kolumnistin Margarete Stokowski bekommt in diesem Jahr den mit 5000 Euro dotierten Kurt-Tucholsky-Preis für literarische Publizistik. Ihre Kolumnen auf dem Portal zeichneten sich aus durch eine kompromisslose Entlarvung gesellschaftlicher Missstände, präzise Sprache und gekonnte Ironie, begründete die Jury ihre Entscheidung. "Damit steht sie unzweifelhaft in der Tradition Kurt Tucholskys." Stokowski hat ihre wichtigsten Texte in dem Buch "Die letzten Tage des Patriarchats" publiziert. Aus Sicht der Jury verdeutlichte dieses Werk, "dass wir alle weit davon entfernt sind, in einer gerechten Gesellschaft zu leben". Der Preis wird seit 1995 alle zwei Jahre vergeben. Zu den bisherigen Preisträgern gehören der Journalist Deniz Yücel und der Liedermacher Konstantin Wecker.

Humboldts Vermächtnis gegen Ausgrenzung gewürdigt

Mit Blick auf aktuellen Rassismus in Deutschland ist zum 250. Geburtstag Alexander von Humboldts das humanistische Erbe des Wissenschaftlers und Universalgelehrten gewürdigt worden. "Sein Vermächtnis ist aktuell wie eh und je leider auch angesichts rassistischer und nationalistischer Ausgrenzung", sagte Kulturstaatssekretärin Monika Grütters in Berlin während eines Festaktes im noch unfertigen Humboldt Forum. Humboldt (1769-1859) stehe für "die Annäherung an das Fremde" und sei deshalb besonders aktuell "in einer Zeit, in der vielerorts Welten aufeinanderprallen". Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) nannte den gebürtigen Berliner von Humboldt einen "Vordenker der Globalisierung" mit "hellwachem Blick für Gesamtzusammenhänge". Das Humboldt Forum in einer gut 600 Millionen Euro teuren Rekonstruktion des Hohenzollern-Schlosses soll im September 2020 öffnen. Mit Ausstellungen beteiligt sind das Ethnologische Museum und das Museum für asiatische Kunst der Stiftung Preußischer Kulturbesitz sowie das Land Berlin und die Humboldt-Universität.

Halle erhält Promotionsrecht für Kunstwissenschaften

An der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle können Absolventen des Fachbereichs Kunst künftig den Doktor-Titel erwerben. Wissenschaftsminister Armin Willingmann habe der Burg für den Masterstudiengang Kunstwissenschaften, der zum Wintersemester 2019/20 starten wird, das Promotionsrecht verliehen, teilte das Ministerium in Magdeburg mit. Im Fachbereich Design bestehe das Promotionsrecht schon seit 2013. Die 1915 gegründete Hochschule gehört den Angaben zufolge mit rund 1000 Studierenden zu den größten Kunsthochschulen Deutschlands. Der Rektor der Kunsthochschule, Dieter Hofmann, sieht im zusätzlichen Promotionsrecht einen entscheidenden Schritt zur Stärkung der Wissenschaften in seinem Haus.

Filmexpertin Galliner entsetzt vom Antisemitismus

Der wachsende Antisemitismus in Deutschland ist nach Ansicht der jüdischen Filmexpertin Nicola Galliner "eine Zeiterscheinung, die mit dem Erfolg von rechten Parteien zusammengeht". Sie wolle diese Entwicklung aber "nicht auf bestimmte Gruppen reduzieren", sagte Galliner am Wochenende dem Portal filmdienst.de in Bonn. "Ich habe keine Erklärung dafür, ich weiß es nicht. Ich bin nur ziemlich entsetzt", fügte die Gründerin des Jüdischen Filmfestivals Berlin und Brandenburg hinzu. Der gut einwöchige Wettbewerb geht am Dienstag zu Ende. Ausgesucht würden Filme, die Israel "viel diverser, lebendiger und komplexer" zeigten als häufig gedacht. Der israelische Film habe sich in den vergangenen 25 Jahren stark entwickelt und sei bei allen großen Festivals in Cannes, Venedig und Toronto vertreten. In dem kleinen Land "mit nur doppelt so vielen Menschen wie in Berlin" gebe es allein zwölf Filmschulen. Der Film spiele dort eine große kulturelle Rolle. Die Leiterin des jüdischen Filmfestivals betonte: "Für mich ist Israel weltweit eines der führenden Filmländer."

Deutscher Schauspielpreis für Pachner und Bock

Die Österreicherin Valerie Pachner und der Deutsche Rainer Bock haben am Freitagabend den Deutschen Schauspielpreis erhalten. Pachner wurde als beste Hauptdarstellerin im Drama "Der Boden unter den Füßen" geehrt, in dem sie eine Unternehmensberaterin mit psychisch kranker Schwester spielt. Bock bekam seine Auszeichnung für die Hauptrolle in "Atlas" - ein Drama, in dem ein Mann glaubt, nach vielen Jahren seinen Sohn wieder zu finden. Weitere Auszeichnungen gingen unter anderem an Christine Schorn für ihr Lebenswerk und an Angela Winkler für ihre Leistung im Theater. Die Preise wurden vom Bundesverband Schauspiel verliehen. Ihm gehören laut Mitteilung rund 3400 Schauspieler an.

Steinmeier würdigt verstorbenen Autor Konrád

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Kulturstaatministerin Monika Grütters haben den verstorbenen Schriftsteller und früheren Präsidenten der Berliner Akademie der Künste, György Konrad, gewürdigt. Der ungarische Autor und Holocaustüberlebende sei "in ganz besonderer Weise ein Zeuge des Jahrhunderts, in dem die Menschen in Europa so schreckliche Erfahrungen gemacht haben", betonte Steinmeier in einem Kondolenzschreiben an die Witwe Konrads. Der Schriftsteller war am Freitag im Alter von 86 Jahren in Budapest gestorben. Konrad habe die Schoah überlebt und später die kommunistische Diktatur in Ungarn erlitten, schrieb Steinmeier. Er lobte seinen Einsatz für den Demokratisierungsprozess in seiner Heimat und sein Eintreten für eine friedliche Überwindung der europäischen Teilung. Es sei bitter, dass Konrád zuletzt erneut unter der politischen Situation in seinem Heimatland gelitten hat, nicht zuletzt am wieder aufkeimenden Antisemitismus, fügte Grütters hinzu. Geboren wurde György Konrad 1933 in eine jüdische Familie in Debrecen in Ostungarn. Er galt als einer der bekanntesten ungarischen Schriftsteller, dessen Werk vielfach übersetzt wurde.

Harvard gibt Epstein-Spenden teilweise weiter

Die US-Universität Harvard spendet einige Zuwendungen des kürzlich gestorbenen US-Unternehmers Jeffrey Epstein an Hilfsprojekte für Opfer von Menschenhandel und sexueller Misshandlung. "Dies ist ein ungewöhnlicher Schritt für die Universität, aber wir haben entschieden, dass dies unter den Umständen von Epsteins widerwärtigen Verbrechen die richtige Vorgehensweise ist", teilte die Universität mit. Allerdings handele es sich dabei nur um etwa 186 000 noch nicht ausgegebene Dollar von Epsteins Spenden. Insgesamt hatte die Elite-Uni in den Jahren zwischen 1998 und 2007 eigenen Angaben zufolge Zuwendungen und Geschenke in Wert von etwa 8,9 Millionen Dollar erhalten. Diese seien aber größtenteils schon in Forschung und Lehre geflossen. Epstein hatte sich Anfang August in einem Gefängnis in Manhattan das Leben genommen, nachdem er erneut wegen Missbrauchsvorwürfen vor Gericht gebracht werden sollte.

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