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Im Gespräch | Beitrag vom 05.06.2018

Parfümeur Geza SchönDer Duft seines Lebens

Geza Schön im Gespräch mit Katrin Heise

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Parfümeur Geza Schön arbeitet am 19.04.2012 in seinem Labor in Berlin. (picture alliance / dpa / Hannibal Hanschke)
Seine Düfte kreiert er in der "Stinkhöhle". (picture alliance / dpa / Hannibal Hanschke)

Die Produkte der Parfümindustrie langweilen ihn, deshalb arbeitet er als freiberuflicher Duftkünstler mit Faible für exquisite Nischenprodukte: Geza Schön ist einer der wenigen unabhängigen Parfümeure Deutschlands.

Seine Leidenschaft für die Welt der Düfte begann im Alter von 13 Jahren: 

"Man konnte früher Postkarten an die Parfümhersteller schreiben und um Parfümproben bitten. Da habe ich immer hingeschrieben und nach Testmustern gefragt. Und jedes Mal, wenn ich aus der Schule kam, lagen dann zuhause tütenweise Proben, die mir diese Firmen geschickt haben. Und so hatte ich relativ schnell eine große Sammlung an verschiedenen Düften zusammen. Das war spannend, ich fand das cool, an den Proben zu riechen und ihre Unterschiede wahrzunehmen. So hat das alles angefangen." 

Durch Zufall lernte er die Tochter eines großen Unternehmens der Duftstoffindustrie kennen, begann dort eine Ausbildung zum Parfümeur und stieß auf den Stoff, der sein Leben verändern sollte: Iso E Super. Ein synthetischer Riechstoff, der vielen Parfüms beigemischt ist.

Ein Parfüm aus Iso E Super

"Als ich ihn zum ersten Mal roch, war mir klar: Das ist die Zutat, die Parfüms gut macht. Jeder Duft roch besser, je mehr von Iso E Super da drin war. Und da kam ich auf die Idee, ein Parfüm zu kreieren, das nur aus Iso E Super besteht." 

"Molecule 01" nannte er den neuen Duft – und der wurde ein Welterfolg. Kate Moss kauft das Parfüm angeblich kistenweise und auch Fußballstar Lionel Messi trägt es. Denn Iso E Super wirkt auf viele unwiderstehlich: 

"Bei dem ersten Test, den ich gemacht habe in einer Bar, habe ich das einem Freund gegeben. Und der hat sich einen Tropfen links und einen Tropfen rechts an den Hals geschmiert und es hat wirklich keine zehn Minuten gedauert, dann kam eine Frau auf uns zu, stand vor uns und hat gefragt: ‘Wer riecht denn hier eigentlich so gut?!‘"

Seine Düfte entstehen in der "Stinkhöhle"

Seine Kreationen erschafft Geza Schön heute in einem kleinen Labor in seiner Wohnung. Er nennt es spöttisch die "Stinkhöhle": 

"Da stinkt’s natürlich drin. Weil da stehen so viele Hunderte von Flaschen, die alle irgendwie einen kleinen Tropfen am Hals haben, der dann eben in den Raum übergeht. Das ist sehr konzentriert, das sind nur acht Quadratmeter – da ist die Tür dann auch immer zu." 

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