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Tonart | Beitrag vom 20.05.2016

Pantha du Prince: "The Triad"Freiheit als Klangerfahrung

Von Florian Fricke

(imago/Fotos-Roland Owsnitzki)
Konzert von Pantha du Prince im Radialsystem V Berlin, Mai 2016. (imago/Fotos-Roland Owsnitzki)

Hendrik Weber alias Pantha du Prince ist Musiker aus Berlin. Sein Stil wurde auf seinem letzten Album "Black Noise" besonders gefeiert. Dies brachte ihm ein Stipendiat in Los Angeles ein. Seine kalifornischen Erfahrungen sind in sein neues Album "The Triad" eingeflossen.

"The Triad", so der Titel des neuen Albums von Pantha du Prince, beschreibt in der Regel eine Dreierbeziehung: ein Dreibein, Dreidimensionalität, eine Triobesetzung. Aber die war genau nicht gemeint, obwohl Hendrik Weber alias Pantha du Prince sich meistens noch zwei Leute ins Studio holte.

"Es geht jetzt gar nicht zurück auf das Trio, sondern es geht eher darum grundsätzliche, energetische Anordnungen zu erforschen und zu schauen wo gibt es sich selbst stabilisierende und sich selbst erhaltende Systeme."

"Es ging mir darum zu gucken, wo ist freie Energie. Also da gibt's immer diese Formeln, wo freie Energie entsteht, so wie bei Reibungsprozessen. Und für solche kreativen Prozesse bin ich schnell drauf gekommen, dass es eben so was Triadisches braucht, um diese freien Systeme zu erschaffen, die sich selbst erhalten, die dann immer wieder in Instabilität gehen und neue Sachen erzeugen."

Vor zwei Jahren hat es Hendrik Weber nach Kalifornien verschlagen dank eines Stipendiums in der malerischen Villa Aurora, wo schon Lion Feuchtwanger seine Exiljahre verbrachte. Weber nutzte die Chance um sich mit Alternativprojekten zu befassen, mit dem berühmten kalifornischen Sonderweg also, auf den sich die Hippies und in der Folge die Internet- und Technikgiganten des Silicon Valley gleichermaßen berufen.

"Im Moment geht es schon darum neue Systeme zu finden und zu schauen, wie geht das: In gesunde Lebensformen hineinkommt und diesen Planeten weiter erhalten kann. Und das hat mich interessiert, auch musikalisch Orte zu finden, wo man so eine Form von Wiederaufladung bekommt und kein Verbrauch."

Gemeinsam etwas erschaffen

Anders als beim gefeierten Vorgängeralbum "Black Noise", das komplett am Computer entstanden ist, wollte Pantha Du Prince für "The Triad" auf analoge Modular-Synthesizer mit Eigenleben zurückgreifen. Modulare Synthesizer sind sehr komplexe Apparaturen, in der Regel ohne Tastatur und Speichermöglichkeit. Man kann nicht einfach ein anderes Preset auswählen, jeder neue Klang muss umständlich eingestellt werden und ist kaum reproduzierbar. Bei den Jams zu den Aufnahmen führte Weber dann auch mehr Regie, in Sachen Technik gibt er gerne ab. Und so kommt man auch dem triadischen Ansatz auf die Spur, von dem Hendrik Weber redet. Gemeinsam etwas erschaffen, mit Menschen, die daran Spaß haben.

"Wir haben dann aufgenommen, dann habe ich mit den aufgenommenen Sachen wieder gejammt, quasi die Jam noch mal gejammt, und dann wird aus dem gejammten Jam noch mal was Gutes, dass es dann Musik ist. Und das ist ein Ansatz, der ein Stück weit eine Freiheit widerspiegelt, aber trotzdem auch so eine Musikalität zugrunde legt und nicht nur eine Klangerfahrung. Und das ist ja Pantha."

Von Fritz Lang inspiriert

Die Musik auf "The Triad" erschließt nicht sofort, aber das ist bei Pantha Du Prince eigentlich die Regel. Das Album klingt perfekt, die modularen Synthesizer pluckern in aller wohligen Wärme vor sich hin. Jeder Track nimmt den Hörer mit auf eine kleine Reise durch den kalifornischen Nachthimmel, an der Hand vom kleinen Pantha Du Prince, der auf seinem kleinen Stern sitzt und sich wundert über die Welt. "Frau im Mond, Sterne laufen" heißt zum Beispiel ein Stück, das vom Stummfilmklassiker von Fritz Lang inspiriert ist. Allerdings verharren viele Tracks in diesem Zustand des ziellosem Umherirrens, ein Zustand, der manchmal ausgereizt wird bis zur Belanglosigkeit.

Es macht den Sonderstatus von Pantha Du Prince aus, dass man über seine Musik hoch-philosophisch diskutieren kann, und diese gleichzeitig als angenehme Hintergrundtapete taugt. Ist die Musik von Pantha Du Prince denn nun simpel oder komplex? Vielleicht greift das übliche binäre System von gut und schlecht, von Nullen und Einsen hier wirklich nicht. Es geht bei "The Triad" ja schließlich um Dreierbeziehungen – so wie bei Musiker, Werk und Rezensent.

"Manchmal denkt man, was ist denn los, ich will einfach mal jetzt einen Top Ten-Hit schreiben. Das kann doch nicht wahr sein, dass es jetzt wieder nicht klappt. Jetzt braucht die Musik wieder fünf Minuten, bis der Teil kommt, der in die Top Ten will. Das ist schon abgefahren. Ich würde schon gerne einfachere Musik machen, aber das kann ich halt nicht."

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