Seit 20:03 Uhr Konzert
Mittwoch, 16.06.2021
 
Seit 20:03 Uhr Konzert

Interview | Beitrag vom 19.01.2021

PandemiemüdigkeitWarum uns zu Hause die Puste ausgeht

Ulrich Wagner im Gespräch mit Julius Stucke

Durch die Beine einer Katze hindurch sieht man, wie ein Mädchen gelangweilt auf einen Laptop schaut. (Picture Alliance / Robin Utrecht)
Vorerst bis Mitte Februar sollen wir möglichst zu Hause bleiben. Vielen von uns, auch Kindern, geht das an die Substanz. (Symbolfoto) (Picture Alliance / Robin Utrecht)

Viele sind frustriert: Das liegt aber nicht nur am Coronavirus, sondern auch an den widersprüchlichen Botschaften zur Lage der Pandemie, meint der Sozialpsychologe Ulrich Wagner. Politik und Wissenschaft sollten stärker an einem Strang ziehen.

Die Menschen sind müde – pandemiemüde. Und die Tatsache, dass der Lockdown vorerst bis Mitte Februar verlängert wird, wirkt nicht gerade aufbauend. Frustration und ein Gefühl der Hilflosigkeit seien sehr deutlich zu beobachten, sagt der Sozialpsychologe Ulrich Wagner. Das wiederum führe schnell zu Unachtsamkeit gegenüber den Regeln, die dabei helfen sollen, Corona einzudämmen.

Abonnieren Sie unseren Kulturnewsletter Weekender. Die wichtigsten Kulturdebatten und Empfehlungen der Woche. Ab jetzt immer freitags per Mail. (@ Deutschlandradio)

"Es läuft nicht so gut. Die Zahlen gehen nicht runter. Und das kann zu Beeinträchtigungen führen", sagt Wagner, der Professor an der Universität Marburg ist. Seiner Meinung müssen verschiedene Disziplinen – Virologen, Mediziner, Soziologen, Psychologen – sich verständigen und gemeinsam den Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern suchen, um die Menschen mitzunehmen und bei Laune zu halten.

"Diese Pandemie ist für viele, auch für epidemiologische und medizinische Experten, etwas Neues. Deshalb kommt es zu Irrtümern, und man kann keine präzisen Vorhersagen machen. Dennoch kann man die Situation uns allen besser erklären, als dies bislang der Fall ist", sagt der Sozialpsychologe.

Mangelnde Konsistenz der Botschaften

Das Hauptproblem ist für Wagner "die mangelnde Konsistenz der Botschaften". Dass man in den zurückliegenden Monaten immer wieder neue Erkenntnisse über den Sinn und die Wirkung von Hygienemaßnahmen gewonnen habe, sei nichts Ungewöhnliches. Wichtig sei jedoch, dass die verschiedenen Akteure – Länderschefs, Bundesregierung, Wissenschaftler, Kommunen – mit einer Stimme kommunizierten. Nur so könne es gelingen, den Bürgerinnen und Bürgern die Einschränkungen des täglichen Lebens plausibel zu machen.

"Als Menschen wollen wir den Eindruck haben, sinnvoll zu handeln und nicht einfach nur auf Vorgaben und Befehle zu reagieren und mit ihnen umzugehen. Sondern wir wollen, dass das, was wir tun, etwas Sinnvolles ist im Zusammenhang mit der Pandemie", betont Ulrich Wagner.

Und was die Spätfolgen anbelangt: Teile der Bevölkerung seien bereits traumatisiert – etwa die Bewohnerinnen und Bewohner von Alten- und Pflegeheimen, die monatelang in Isolation leben mussten. Aber auch das Leben junger Menschen sei durch die Pandemie beeinträchtigt. Das gilt in seinen Augen für Schulkinder wie auch für jene, die nach der Schule eine Ausbildung beginnen wollten. Ihnen sei "viel weggebrochen".

(mkn)

Mehr zum Thema

Museen nach Lockdown - Es werden sich wieder lange Schlangen bilden 
(Deutschlandfunk Kultur, Der Tag mit Christina Weiss, 19.01.2021)

Strenger Lockdown - Mehr Zwang zugunsten des Gemeinwohls
(Deutschlandfunk Kultur, Interview, 18.01.2021)

Härterer Lockdown - "Es fehlt an Eigenverantwortung"
(Deutschlandfunk Kultur, Interview, 19.01.2021)

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Interview

KorruptionsbarometerDer Neoliberalismus ist schuld
Der Politiker Georg Nüßlein (damals noch in der CSU) geht am 25.2.2021 über einen Flur zu seinem Bundestagsbüro, während dieses durchsucht wird.  (picture alliance/dpa | Bernd von Jutrczenka)

Die Mehrheit der Deutschen glaubt, dass die Bundesregierung weitgehend durch Interessensgruppen gesteuert wird. Der Eindruck täusche nicht, sagt der Ökonom Ulrich Thielemann: Die Politik hofiere die Wirtschaft, so dass Rendite wichtiger sei als das Gemeinwohl.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur