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Sonntag, 17.11.2019
 
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Kulturnachrichten

Mittwoch, 12. Juni 2019

Padova wird Bonner Stadtschreiber 2019

Bonn bekommt im September seinen zweiten Stadtschreiber: Der Verein Lese-Kultur Godesberg benannte den Berliner Schriftsteller Thomas de Padova. Der Buchautor und Wissenschaftspublizist, der in Bonn und Bologna Physik und Astronomie studierte, hat vor allem Bücher über naturwissenschaftliche Phänomene veröffentlicht. Die Jury habe die in seinem gesamten Werk geglückte Verbindung von Kunst, Literatur und Mathematik überzeugt, hieß es. Sein aktuelles Buch "Nonna" sei "eine innige Darstellung des Lebens seiner italienischen Großmutter und gleichzeitig ein poetisches Kunstwerk". Das zum zweiten Mal vergebene Literaturstipendium ermöglicht dem Preisträger, drei Monate in Bonn zu leben und zu schreiben. Während dieser Zeit wird er mit 2.500 Euro im Monat unterstützt.

Kritik an Nicht-Einladung der AfD zum Kirchentag

Der Historiker Michael Wolffsohn und der Kulturbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Johann Hinrich Claussen, kritisieren die Nicht-Einladung von AfD-Vertretern zum Evangelischen Kirchentag. "So schafft man Märtyrer", sagte Wolffsohn im Deutschlandfunk: "Ein großartiger Propagandaerfolg, den die AfD der EKD zu verdanken hat oder den Organisatoren des Kirchentags". Claussen berichtete, dass der Ausschluss auch in der EKD "sehr strittig diskutiert" werde: "Ich fand diesen Beschluss auch nicht gut, viele andere auch nicht. Aber da ist der Kirchentag eine eigenständige Organisation." Der Deutsche Evangelische Kirchentag findet vom 19. bis zum 23. Juni in Dortmund statt.

Festnahmen bei Protestmarsch für Golunow

Bei einer nicht genehmigten Solidaritätskundgebung für den russischen Enthüllungsjournalisten Iwan Golunow in Moskau sind Hunderte Menschen festgenommen worden. Darunter war auch Kremlkritiker Alexej Nawalny, wie seine Sprecherin über Twitter mitteilte. Nach Angaben der Polizei beteiligten sich rund 1200 Menschen an der Kundgebung, wie die Nachrichtenagentur Tass meldete. Unter den Festgenommenen sind auch Journalisten. Die Behörden sprachen am Nachmittag von mehr als 200 Festnahmen, das Bürgerrechtsportal "OWD-Info" wenig später von mehr als 420. Viele seien wenig später wieder auf freien Fuß gekommen. Golunow hatte zuvor noch vor ungenehmigten Protesten gewarnt. Der Reporter war wegen eines mutmaßlichen Drogendelikts festgenommen worden. Allerdings stellte sich das Verfahren als inszeniert heraus. Der russische Innenminister Wladimir Kolokolzew hatte ihn mangels Beweisen wieder auf freien fuß setzen lassen.

Historischer Turm in Südostafghanistan eingestürzt

In Südostafghanistan ist ein Turm der historischen Zitadelle der Provinzhauptstadt Gasni eingestürzt. Das bestätigte der Direktor der Kulturabteilung der Provinz Gasni, Baschir Mohammadi. Der Vorfall habe sich bereits am Montag ereignet. Somit seien nun zwei Türme sowie zwei historische Wände der Zitadelle völlig zerstört. Insgesamt hat die rund 900 Jahre alte Zitadelle 36 verschieden große Türme. Rund ein Dutzend Türme sind lokalen Medienberichten zufolge beschädigt. Der Turm sei bereits bei einem Überfall der radikalislamischen Taliban auf die Provinzhauptstadt im Sommer des Vorjahres beschädigt worden. Außerdem seien Abwässer dorthin geflossen. Auch der Verkehr schwerer Lastwagen habe dem Turm zugesetzt. Laut dem Provinzrat Chalid Dad Akbari seien im Jahr 2013 rund 13 Millionen Euro für die Erhaltung und den Wiederaufbau der Türme veranschlagt worden. Dieses Geld sei aber unterschlagen worden. In rund 40 Jahren kriegerischer Auseinandersetzungen in Afghanistan wurden viele historische Stätten und Kulturgüter geplündert und zerstört.

Niederländischer Dirigent Haitink beendet Karriere

Der niederländische Dirigent Bernard Haitink hat das Ende seiner aktiven Laufbahn angekündigt. Er werde am 6. September im schweizerischen Luzern sein letztes Konzert geben, sagte der 90-Jährige der niederländischen Zeitung "De Volkskrant". An diesem Samstag wird der Niederländer zum letztenmal im Amsterdamer Concertgebouw dirigieren, wo er 27 Jahre lang Chefdirigent war. Der Abschied schmerze auch, sagte er, aber die Gefühle behalte er für sich. Haitink dirigierte die führenden Orchester der Welt. Nach seinem Abschied aus Amsterdam 1988 leitete er 14 Jahre lang die Royal Opera in London. Er war musikalischer Leiter des Opernfestivals in Glyndebourne, Chefdirigent des London Philharmonic Orchestra, der Staatskapelle Dresden und des Chicago Symphony Orchestra. Er ist Ehrenmitglied der Berliner Philharmoniker und des Chamber Orchestra of Europe.

Nur eine Kopie: der Einstein-Brief aus München

Bei dem vor rund einem Jahr in München gefundenen Einstein-Brief handelt es sich nach Angaben der Bayerischen Staatsbibliothek um eine Kopie. Das Schreiben von Albert Einstein an den jüdischen Wissenschaftler Julius Hirsch sei mit einem Kopiergerät vervielfältigt worden, das um das Jahr 1930 herum und bis in das späte 20. Jahrhundert hinein gebräuchlich gewesen sei. Dieses Ergebnis teilte der Generaldirektor der Staatsbibliothek, Klaus Ceynowa, in München mit.Die Theorie, dass Einstein das Schreiben in seinen Händen hatte, steht nach den Untersuchungen der Staatsbibliothek allerdings auf sehr wackeligen Füßen. In dem Schreiben gratuliert Einstein Hirsch zu dessen 50. Geburtstag im Jahr 1932: Wenn die Nicht-Juden "Leute von dieser Art hätten, wie Sie einer sind, gings dem teuern Vaterland entschieden weniger dreckig".

Österreichische Schauspielerin Elfriede Ott gestorben

Die österreichische Schauspielerin Elfriede Ott ist im Alter von 94 Jahren gestorben. Das teilte das Wiener Theater in der Josefstadt mit. Ott war dort Ehrenmitglied und seit 2009 Doyenne. "Mit Elfriede Ott geht eine große Persönlichkeit von uns, schauspielerisch wie menschlich", sagte der Künstlerische Direktor des Theaters, Herbert Föttinger. Elfriede Ott stand 70 Jahre auf der Bühne, spielte 60 Jahre lang Soloprogramme und ebenso lange TV-Rollen. Sie galt in Österreich als eine der beliebtesten und vielseitigsten Schauspielerinnen. Ott debütierte 1944 am Wiener Burgtheater, fand ihre künstlerische Heimat aber ab 1958 im Theater in der Josefstadt. Zum letzten Mal war sie dort am 9. Januar 2011 zu sehen. Ab der 1950er Jahre machte sie zudem als Kabarettistin von sich reden. 1985 gründete Ott die Schauspielabteilung des Wiener Konservatoriums und leitete sie bis 2004. Geschwächt von einigen körperlichen Gebrechen gab Ott 2013 ihren endgültigen Abschied von der Bühne bekannt.

Eröffnung des Humboldt Forums wird verschoben

Das Humboldt Forum im neuen Berliner Schloss wird nach dpa-Informationen nicht wie geplant in diesem Jahr eröffnet. Es seien noch wichtige technische Fragen im wiederaufgebauten Hohenzollern-Schloss ungelöst. Die geplante Elfenbein-Ausstellung soll verschoben werden und nicht vor Frühjahr 2020 realisiert werden. Viele internationale Museen seien nicht bereit, die vom Humboldt Forum erbetenen 150 Leihgaben in ein Haus zu geben, das sich noch im Bau befinde. Anfang Dezember hatte der verantwortliche Bauvorstand bestätigt, dass die Terminpuffer für das Projekt aufgebraucht seien. Das für 600 Millionen Euro geplante Humboldt Forum im weitgehend rekonstruierten Schloss soll von Ende 2019 an als Museums- und Kulturzentrum schrittweise öffnen. Hauptnutzer wird die Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit seinen Museen, auch das Land Berlin und die Humboldt-Universität bekommen Flächen.

René Pollesch übernimmt Berliner Volksbühne

Der Regisseur René Pollesch wird neuer Intendant der Berliner Volksbühne. Der 56-Jährige soll das Haus zur Spielzeit 2021/2022 übernehmen. Das bestätigt Berlins Kultursenator Klaus Lederer. Pollesch galt seit Längerem als Kandidat für die Leitung der Volksbühne. Mit Beginn seiner Intendanz will er auch eine Reihe bekannter Schauspieler an die Volksbühne zurückholen. Zum Ensemble werden ab 2021/2022 Martin Wuttke, Kathi Angerer und Fabian Hinrichs gehören. Ein Jahr später werde auch Sophie Rois dazukommen. Bis dahin erfülle sie ihren Vertrag am Deutschen Theater in Berlin. Pollesch soll in zwei Jahren die Berliner Volksbühne als Intendant übernehmen. Auf Nachfrage sagte Pollesch, er hoffe, dass auch Schauspieler Alexander Scheer zurückkomme. Pollesch hat unter dem langjährigen Intendanten Frank Castorf an der Volksbühne gearbeitet. Er leitete unter anderem eine Nebenbühne, den Prater im Stadtteil Prenzlauer Berg. Pollesch schreibt auch selbst Stücke. In Berlin inszenierte er zuletzt am Deutschen Theater "Cry Baby". Die Volksbühne hat turbulente Zeiten hinter sich. 2017 übernahm der Belgier Chris Dercon das Haus von Frank Castorf, der die Volksbühne ein Vierteljahrhundert geleitet hatte. Nach heftigen Protesten aus der Berliner Kulturszene entgegen, gab er nach weniger als einem Jahr wieder auf.

Komponist gewinnt Urheberrechtsstreit

Das Düsseldorfer Schauspielhaus hat im Rechtsstreit mit dem Komponisten Parviz Mir-Ali eine Niederlage erlitten. Die Bühne hatte Mir-Alis Musik für ihre Aufführungen von Dostojewskis Roman "Der Idiot" genutzt, ohne ihm dafür Lizenzgebühren zu zahlen. Nachdem sie ihm eine Spielzeit vergütet hatte, verweigerte sie weitere Zahlungen mit dem Hinweis auf die Gema. Es handele sich nur um Hintergrundmusik. Der Komponist sah seine Urheberrechte verletzt und klagte. Das Landgericht gab ihm heute in Düsseldorf Recht. Die Musik sei Bestandteil der Inszenierung und mit den Gema-Gebühren nicht abgegolten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Wie viel das Schauspielhaus Mir-Ali nachträglich zahlen muss, steht noch nicht fest.

Monika Grütters Schirmherrin des Sachbuchpreises

Kulturstaatsministerin Monika Grütters übernimmt die Schirmherrschaft für den Deutschen Sachbuchpreis, der ab 2020 verliehen wird. Sachbücher gäben Orientierung angesichts zunehmend unüberschaubarer Fakten und vereinfachter Wahrheiten, so die Staatsministerin. Der Deutsche Sachbuchpreis ist mit insgesamt 42.500 Euro dotiert. Vergeben wird er von der Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins. Ausgezeichnet werden herausragende, in deutscher Sprache verfasste Sachbücher, die Impulse für die gesellschaftliche Auseinandersetzung geben.

Auszeichnung für Geigerin Anne-Sophie Mutter

Die deutsche Geigerin Anne-Sophie Mutter hat den schwedischen Polar-Musikpreis erhalten. Die 55-Jährige bekam die mit umgerechnet rund 100.000 Euro dotierte Auszeichnung bei einer Gala in Stockholm überreicht. Die Jury würdigte Mutter nicht nur als eine leidenschaftliche und risikofreudige Musikerin, sondern auch als Geschichtenerzählerin. Ebenfalls ausgezeichnet wurde Hip-Hop-Pionier Grandmaster Flash. Er ist der erste Hip-Hopper überhaupt, der mit dem Preis geehrt wird. Der Polar-Preis gilt als einer der weltweit wichtigsten Musikpreise. Mit ihm werden alljährlich bedeutende Errungenschaften sowohl in der klassischen als auch in der zeitgenössischen Musik geehrt.

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