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Tonart | Beitrag vom 17.10.2016

Ovals Soundutopie "Popp"Clubmusik jenseits der üblichen Beats

Von Christian Lehner

Der Musiker Oval (Markus Popp) erzeugt am 26.06.2011 beim "Silent Concert" in der Kirche St. Michael in Köln elektronische Musik. Im Vordergrund stehen Kerzen. (picture alliance / dpa / Henning Kaiser)
Der Musiker Oval (Markus Popp) erzeugt am 26.06.2011 beim "Silent Concert" in der Kirche St. Michael in Köln elektronische Musik. (picture alliance / dpa / Henning Kaiser)

Auch wenn es bei Clubsounds verschiedene Moden gibt, tanzen wir im Grunde genommen doch immer zum gleichen Schlag der Stammestrommel. Markus Popp, der mit der Gruppe Oval 1995 einen Meilenstein der elektronischen Musik schuf, will neue Clubmusik zu kreieren. So auch auf Ovals neuem Album "Popp".

"Experimentelle Musik hat mich nie interessiert als Hörer. Und ich habe das, was ich vorgelegt habe, nie als experimentelle Musik verstanden wissen wollen. Dass das so gekommen ist, habe ich natürlich mitbekommen, aber mein Verständnis meiner Musik war immer das von Popmusik. Die war einfach nur anders, als die Popmusik die es zum jeweiligen Zeitpunkt gab."

Markus Popp will Pop sein, obwohl man seinen Namen am Ende mit zwei P schreibt. Das ist symptomatisch für einen, der stets zu ungewöhnlichen Ergebnissen kommt, wenn er sich mit Melodien, Sounds und Rhythmen befasst. Popps künstlerischer Impuls ist nicht notwendigerweise widerständig. Es scheint einfach immer etwas zu fehlen im aktuellen Angebot des Pop. Die Lücke, die es jetzt zu füllen galt, klaffte in der Ästhetik der Clubmusik. Auch wenn der Sound der Clubs seit jeher bestimmten Moden unterworfen ist, tanzen wir im Grunde genommen doch immer zum gleichen Schlag der Stammestrommel.

"Immer, wenn ich mal wieder geschaut habe, was mit Club-Sounds so ist, war ich total überrascht, dass dieser Sound immer noch quasi unverändert existiert - als hätte man die perfekte Formel gefunden, für eine Art von Musik, die so beschaffen ist, oder so gemacht, performed und rezipiert, dass man nie wieder über Musik nachdenken muss. Ich meine dieses 'Nz, Nz, Nz'. Das gibt es immer noch und immer noch und immer noch. Und da war dann für mich die Idee zu schauen, wie Clubsound sich hätte weiterentwickeln können, also quasi ein Clubsound für eine alternative Timeline oder ein alternatives Universum."

Markus Popps Club fehlt der Veränderungswille. Das ist nicht negativ gemeint. Die Musik von Oval ist vielmehr eine, die brach liegende Potenziale offenlegt. Es ist Bereicherungsmusik. Die Karriere verläuft seit Beginn an abseits des Scheinwerferlichts und doch im Herzen der Popmusik. 1991 gründet Markus Popp in Berlin gemeinsam mit Sebastian Oschatz und Frank Metzger das Trio Oval.

"Meta-Musik für die Seele"

Anfang der 90er-Jahre revolutionierte die digitale Produktionstechnik die Popmusik. Der Computer wurde zum Tonstudio. Produzenten und DJs nutzten die Prozesse von Samplern und Sequenzern, um Techno- oder Hip-Hop-Tracks zu arrangieren. Bei Oval wurde hingegen der Prozess selbst zur Musik. So dienten etwa an der Oberfläche zerkratzte oder mit Filzstift bemalte CDs als Soundquellen. Das Resultat nannte man "Glitch", was so viel wie Störimpuls oder Panne bedeutet. Oval hatten sich ihr eigenes Mikrogenre geschaffen.

"Zu komponieren und Sampling auf die übliche Art einzusetzen, führt ja zu relativ vorhersehbaren Resultaten. Wenn man aber eine CD, die damals der standardmäßige Ton- und Datenträger war, manipuliert und es dem Laser des CD-Spielers überlässt, eine Hook oder ein Fragment zu komponieren, war das natürlich interessanter, als einen traditionellen Track oder Song zu komponieren."

Das Album "94 Diskont", das 1995 erschien, taucht noch heute weltweit in den Kritikerlisten der besten elektronischen Platten aller Zeiten auf. Noch im selben Jahr trennten sich Oval. Vor sechs Jahren feierte Markus Popp mit dem Projekt ein viel umjubeltes Comeback als Solokünstler. Das Doppelalbum "O" umfasste satte 70 Tracks. Das Prozesshafte trat in den Hintergrund, Markus Popp wurde als Musiker greifbarer. Die noch immer am Computer arrangierten Sounds klangen beinahe so, als hätte sie eine Band mit echten Instrumenten eingespielt. Das britische Magazin FACT bezeichnete das Album als "Meta-Musik für die Seele".

Popps Soundexkursionen bleiben spannend

Dass Markus Popps Arbeiten keine kühlen Machbarkeitsstudien sind, zeigt sich einmal mehr auf seinem neuen Oval-Album. Es heißt schlicht "Popp", so wie der Nachname des Urhebers. Die darin aufkommende Euphorie und verwendeten Sounds erinnern an die frühen Tage der Rave Kultur, als verstrahlte Kids den Club als utopischen Ort feierten. "Die Idee war, der Welt etwas rückhaltlos Schönes zu Schenken", so Popp im Interview.

"Die Tracks kann man auf verschiedenen Levels hören – in die einzelnen Komponenten zerlegt zum Beispiel. Man kann sie allerdings auch als einen einzigen Tornado auf sich wirken lassen."

Markus Popps Soundexkursionen bleiben spannend. In einer Zeit der dunklen und zornigen Gedanken im avancierten Pop lädt er zu einem Rave für Hirn, Herz und Seele. Das nächste Oval-Album steht bereits in den Startlöchern. Darin wird es um Parfums gehen. Markus Popp ist auch ein leidenschaftlicher Sammler von Düften. Es bleibt sinnlich.

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