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Alte Musik | Beitrag vom 17.03.2021

Oswald von WolkensteinRaufbold und Minnesänger

Von Helga Heyder-Späth

Das aus Holz geschnitzte Konterfei des Ritters von Wolkenstein, das deutlich ein blindes Auge zeigt. Die Holzfigur wird bei dem nach ihm benannten Ritt von den Teilnehmenden durch die Berge getragen. (IMAGO / Südtirolfoto)
Mit dem jährlichen Reittournier Oswald von Wolkenstein Ritt in Tirol wird an den vielseitig tätigen Ritter gedacht. (IMAGO / Südtirolfoto)

Ein authentisches Bild zeigt Oswald von Wolkenstein als einäugigen, grimmigen Edelmann. Um 1400 zog er durch ganz Europa als schlagkräftiger Diplomat, Dichter und Komponist, der sich traute, einer Melodie eine zweite und gar dritte Stimme zuzufügen. Unerhört!

Schonungslos ehrlich ist das Bild, das von Oswald von Wolkenstein überliefert ist. Eine dunkle Löwenmähne umrahmt ein grimmiges Gesicht, das nur noch ein Auge besitzt. Nicht zuletzt wegen seines streitsüchtigen Temperaments landete er mehr als einmal im Kerker. Andererseits erfuhr er als königlicher Diplomat hohes Ansehen. Auch musikalisch lebte er sich aus.

"Wie vil ich sing und tichte"

Über kaum einen spätmittelalterlichen Dichter-Komponisten weiß man mehr als über ihn. Selbstkritisch beschreibt er in autobiografischen Texten sein bisweilen exzessives Leben, das ihn durch weite Teile Europas und bis ins Heilige Land führt. So schillernd seine Persönlichkeit, so facettenreich ist Oswalds Dichtung, die ihn nicht nur als Raufbold zeigt, sondern genauso als feinsinnigen Minnesänger, frommen Christen und als aufmerksam-humorvollen Beobachter der Lebenswirklichkeit, die ihn umgab.

Facettenreicher Dichter – innovativer Komponist

Oswald von Wolkenstein starb 1445, also vor 575 Jahren – Grund genug, sein vielseitiges und literarisch-musikalisches Werk näher zu betrachten, in dem sich die aktuellen Strömungen seiner Zeit spiegeln. Da finden sich nicht nur einstimmige Melodien, sondern auch zweistimmige und sogar dreistimmige Kompositionen, was damals unerhört neu war.

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