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Interview / Archiv | Beitrag vom 30.05.2018

Osteuropa-Experte zum Fall Babtschenko"Diese Aktion ist journalistisch nicht sauber"

Thomas Franke im Gespräch mit Nicole Dittmer und Julius Stucke

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Der russische Journalist Arkady Babtschenko spricht auf einer Pressekonferenz in Kiew. (AFP/SUPINSKY)
Der russische Journalist Arkady Babtschenko spricht auf einer Pressekonferenz in Kiew. (AFP/SUPINSKY)

Zuerst die Todesnachricht, wenige Stunden danach tritt der russische Journalist Arkadi Babtschenko in Kiew auf. "Die Aktion, die da heute gelaufen ist, die finde ich schwierig", sagte Thomas Franke, Journalist und Osteuropa-Experte.

Im Fall eines angeblich ermordeten kremlkritischen russischen Journalisten hat es eine spektakuläre Wende gegeben: Am Dienstagabend kam zunächst die Nachricht, Arkadi Babtschenko sei in Kiew getötet worden. Am Mittwochnachmittag stellte sich dann heraus, dass er noch lebt. Laut dem ukrainischen Inlandsgeheimdienst SBU war das Ganze eine Aktion, um Anschlagspläne des russischen Geheimdienstes zu enttarnen. Der mutmaßliche Organisator sei festgenommen worden und werde verhört. Babtschenko sagte bei einer Pressekonferenz, er sei vor etwa einem Monat in die Pläne des ukrainischen Geheimdienstes eingeweiht worden.

Die ukrainische Polizei hatte am Dienstag mitgeteilt, Babtschenko sei mehrfach in den Rücken geschossen worden. Die ukrainischen Behörden machten Moskau für die Tat verantwortlich. Russland wies dies entschieden zurück.

Journalistisch nicht sauber

Babtschenko, Anfang 40, ist als scharfer Kritiker der Regierung in Moskau bekannt. 2017 war er aus Russland geflohen. Während der Kriege in Tschetschenien hatte er dort für die russische Armee gekämpft. Später arbeitete er als Kriegsreporter für verschiedene russische Zeitungen.

"Die Aktion, die da heute gelaufen ist, die finde ich schwierig", sagte Thomas Franke, Journalist und Osteuropa-Experte, im Deutschlandfunk Kultur mit Blick auf die revidierte Todesnachricht von Arkadi Babtschenko. Wenn man sich als Journalist, auch als Kriegsreporter für so etwas einspannen lasse, sei das journalistisch nicht sauber. "Auch auf Twitter stellt er sich vor als Veteran, Soldat und Kriegskorrespondent." In russischen Medien sei wirklicher Journalismus selten geworden. "In der Ukraine ist das ein bisschen anders, aber auch durchaus mal chaotisch. Das ist ja kein funktionierender Rechtsstaat."

Das Verhältnis zwischen Russland und der Ukraine ist seit 2014 zerrüttet. Wegen der russischen Annexion der Halbinsel Krim sowie Moskaus Unterstützung für prorussische Separatisten im Kriegsgebiet Donbass sieht sich die Ukraine im direkten Konflikt mit Russland.

(abr)

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