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Interview / Archiv | Beitrag vom 08.01.2019

Ostasien-Experte über Nordkoreas Machthaber in Peking"China und die USA gegeneinander ausspielen"

Rüdiger Frank im Gespräch mit Nicole Dittmer

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Kim Jong Un (l), Nordkoreas Machthaber, und Xi Jinping, Präsident von China, bei einem gemeinsamen Treffen. (Anonymous/CCTV/AP/Video)
Kim Jong Un (l), Nordkoreas Machthaber, und Xi Jinping, Präsident von China, bei einem gemeinsamen Treffen. (Anonymous/CCTV/AP/Video)

Sonderzug nach Peking: Zum vierten Mal innerhalb eines Jahres ist Norkoreas Machthaber Kim Jong Un nach China gereist. Es gehe darum, den Konflikt zwischen China und den USA für eigene Zwecke zu nutzen, sagt Ostasien-Experte Rüdiger Frank.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un will sich vor seinem geplanten zweiten Gipfeltreffen mit US-Präsident Donald Trump mit Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping abstimmen. Der Besuch erfolgte mit einem Sonderzug vor dem Hintergrund der stockenden Verhandlungen zwischen den USA und Nordkorea über die atomare Abrüstung.

In seiner Neujahrsansprache drohte Kim Jong Un mit einer Abkehr vom Annäherungskurs, falls die USA an ihren Sanktionen festhalten. "Das Gute ist aus Kim Jong Uns Sicht, dass er jetzt aus einer Position der Stärke heraus sprechen kann", sagt Rüdiger Frank, Ostasienwissenschaftler an der Universität Wien. Die USA seien durch den Gipfel in Singapur im Juni 2018 den ersten Schritt gegangen.

Einwirken Chinas im Atomkonflikt

Jetzt versuche der Machthaber das zu tun, was die Nordkoreaner bereits in den 1950er- und 60er-Jahren erfolgreich gemacht hätten: damals mit der Sowjetunion und China zwei Große gegeneinander auszuspielen und möglichst davon zu profitieren.

"Diesmal geht es natürlich darum, China und die USA, die sich ja zunehmend feindlich gegenüber stehen, gegeneinander auszupielen - und als Nordkorea daraus dann seinen Nutzen zu ziehen", sagt Frank. Kim Jong Un spekuliere auch, dass es zum offenen Konflikt zwischen China und den USA komme - und dass dadurch die Sanktionen gegen sein Land unterhöhlt würden. Es gehe darum, Druck auf die USA auszuüben.

Porträt-Bild von Rüdiger Frank, Ostasien-Experte an der Universität in Wien. (picture alliance / dpa / Uni Wien)"Das Gute ist aus Kim Jong Uns Sicht, dass er jetzt aus einer Position der Stärke heraus sprechen kann", sagt Frank. (picture alliance / dpa / Uni Wien)
Beim Atomkonflikt könne China einwirken, dass die Lage in Nordkorea nicht eskaliere, also keine weiteren Tests stattfinden. China habe zudem kein Interesse daran, "dass die Nordkoreaner den Amerikanern einen Vorwand liefern, ihre Präsenz in der Region auszubauen", erklärt Frank.

(mhn)

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