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Interview | Beitrag vom 07.11.2019

Ost-West-Serie: Frauen und KarriereWas lange Fensterfronten über Macht und Status erzählen

Eva Kreienkamp und Stefanie Kreusel im Gespräch mit Dieter Kassel

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Die Illustration zeigt eine Frau, die mit einem Hochsprung-Stab eine Treppe aufwärts überwindet. (imago / Jens Magnusson)
Karriere - von gleichen Chancen für Frauen und Männer ist die deutsche Wirtschaft noch weit entfernt. (imago / Jens Magnusson)

Eva Kreienkamp (West) ist Geschäftsführerin der Mainzer Verkehrsgesellschaft. Stefanie Kreusel (Ost) sitzt im Aufsichtsrat der Telekom. Ein Gespräch über Herkunft, Lebenswege und Karriere – und eine Welt, die noch immer von Männern dominiert wird.

Eva Kreienkamp kommt aus München und war nach vielen Stationen in großen und kleinen Unternehmen zuletzt in leitender Position beim Versicherungskonzern Allianz tätig. Inzwischen ist sie Geschäftsführerin der Mainzer Verkehrsgesellschaft.

Stefanie Kreusel kommt aus Chemnitz, ging noch vor der Wende in den Westen und sitzt heute im Aufsichtsrat* der Telekom und von T-Systems.

Die beiden Frauen haben sehr unterschiedliche Lebenswege und doch das gleiche Ziel erreicht, sind in den Vorstandsetagen der deutschen Wirtschaft gelandet. Wir haben sie in einem Doppel-Interview gefragt, wie Herkunft, Haltung und Leistung den Weg in die noch immer männerdominierte Welt der Top-Jobs beeinflusst haben.

Eva Kreienkamp: "Warum ist es so wahnsinnig wichtig, sich über die Anzahl der Fensterfronten zu unterhalten, wenn es um die Büroauswahl geht? Ich habe dafür wirklich eine Zeitlang gebraucht, weil mir das keiner erzählt hat, dass Macht und Status mit solchen Dingen verknüpft sind. Ich habe immer gedacht, es geht um Leistung."

Stefanie Kreusel: "Was mir damals aufgefallen ist, als ich mit 23 Jahren in die Bundesrepublik übergesiedelt bin: Da wurde oft gesagt, jetzt bist du ja hier, jetzt kannst du endlich mal sagen, was du denkst. Das Phänomen ist, dass man das im Westen immer schon konnte, aber nicht tut. Das war eine Erkenntnis, die ich erst einmal ein bisschen verdauen musste. Und das merke ich auch heute noch: Viele Dinge sind gesetzlich geregelt, aber die Menschen fordern es nicht ein."

Ist es 30 Jahre nach dem Mauerfall eigentlich noch wichtig, ob man aus dem Osten oder Westen Deutschlands kommt? Das diskutiert Studio 9 in dieser Woche anhand großer Themen: Solidarität, Gleichberechtigung, Identitäten, Kunstfreiheit, Streitkultur – Wie prägt die Herkunft aus Ost und West die Person und ihr Denken darüber? Das fragen wir jeweils zwei Gesprächspartner*innen aus Kultur, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft – und immer: aus Ost und aus West. Sechs Gespräche über Gemeinsamkeiten und Unterschiede – vom 4. bis zum 9. November 2019, jeden Morgen in Studio 9.

*Wir haben an dieser Stelle einen inhaltlichen Fehler korrigiert.

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