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Länderreport / Archiv | Beitrag vom 16.06.2015

Ost-West-KonfrontationPoint Alpha als Lernort der Geschichte

Von Dieter Bub

Grenzsicherungsstreifen am Point Alpha, einem früheren US-Beobachtungsstützpunkt an der hessischen innerdeutschen Grenze. (picture alliance / Klaus Nowottnick)
Grenzsicherungsstreifen am Point Alpha, einem früheren US-Beobachtungsstützpunkt an der hessischen innerdeutschen Grenze. (picture alliance / Klaus Nowottnick)

Mit der Wiedervereinigung kam das Ende von Point Alpha, dem Punkt an der innerdeutschen Grenze, an dem sich die US-Armee und die Rote Armee gegenüber standen. Der Konflikt hätte eskalieren können - jeden Tag. Heute steht hier ein Dokumentationszentrum mit Akademie.

Alarm auf Point Alpha in den Zeiten des Kalten Krieges.
Der Ernstfall simuliert.
Die siebziger Jahre.

Frühjahr 2015 – ein Jubiläum.

Probe der US-Army-Europe-Bigband vor der großen Zeremonie auf dem Appellplatz von Point Alpha. Vor 25 Jahren wurde hier zum letzten Mal das amerikanische Sternenbanner eingeholt. Nach dem Ende der DDR und dem Zusammenbruch des Ostblocks war die Aufgabe der Grenzüberwachung in Deutschland, zwischen Ost und West, zwischen Warschauer Pakt und NATO beendet. Volker Bausch, Direktor der Point Alpha Stiftung:

"Einmal ist es das 25-jährige Jubiläum dieser letzten Grenzpatrouille, 25 Jahre nach der letzten Grenzpatrouille und das Ende der Boarder Mission, die ja über 40 Jahre dauerte, seit 1946 waren die hier oben und der 2. Punkt ist natürlich die Befreiung Thüringens durch die US-Army im Jahre 1945. Das jährt sich in diesen Tagen zum 70. Mal."

1990: Die Berliner Mauer war gefallen. Die Grenze zwischen der Bundesrepublik und der DDR geöffnet und passierbar. Damit war der Dienst der amerikanischen Truppen am Eisernen Vorhang überflüssig. 1990 fand rund um den Rasdorfer Berg die letzte Grenzpatrouille statt. Die US-Army zog sich in die Kasernen von Fulda und später ins Rhein-Main-Gebiet zurück. Das ist heute der Grund zum Feiern.

Ein halbes Jahr Vorbereitungen für das historische Ereignis.

Gestern Abend die Ankunft von Panzerfahrzeugen aus Lettland, die zur Grenze zwischen den baltischen Staaten und Russland als Abschreckung militärische Stärke demonstriert hatten.

"Die Tatsache, dass wir heute hier zwei Fahrzeuge aus dem Nachbar-Regiment aus Fintzeck haben vom 2. Kavallerieregiment, die gerade aus dem Baltikum zurückgekommen sind vom Manöver, aus gutem Grund eben da oben waren zeigt, dass bedauerlicherweise da wieder eine Situation entstanden ist der wir uns auch dringend stellen müssen."

40 Jahre Ost-West-Konfrontation

Das Jubiläum in Erinnerung an über 40 Jahre der Ost-West-Konfrontation. 120 Veteranen sind zu diesem Ereignis nach Deutschland gekommen, Soldaten der US-Armee, die an Point Alpha in den Zeiten des Kalten Krieges ihren Dienst geleistet haben. Der Deutschamerikaner Walter Sandner, mit fast 90 der älteste unter den alten GIs war 21 Jahre beim 4. US-Regiment in Fulda stationiert.

"Ich bin ja früher oft mit dem Oberst Ferguson mit dem Hubschrauber hergeflogen. Dann sind wir zu Fuß hierher gelaufen."

"Ich wusste zum Beispiel, dass 60 Divisionen des Warschauer Paktes aufmarschiert waren. Das war für das Regiment ein Alarmzeichen."

"Hatten sie die Befürchtung, dass es zu einer Eskalation kommt?"

"Wir fühlten uns mit dem Regiment immer sehr sicher und haben keine Angst gehabt."

"Aber es hätte durchaus zu …"

"Das hätte mal können explodieren."

"War das eine beängstigende Situation?"
"Für mich persönlich nicht."

"Warum nicht?"

"Weil ich wusste, was die Amerikaner für Fähigkeiten haben."

Es gab eine Reihe von Ereignissen, bei denen Alarmbereitschaft herrschte: der 17. Juni, die Kubakrise, der Ungarnaufstand, das Ende des Prager Frühlings, der Bau der Berliner Mauer und die Befestigung der innerdeutschen Grenze.

"Genau. 68. Was da zu dieser Zeit passiert ist – Prager Frühling. Da gab's Hochalarm. Grenze entlang. Aufpassen. Was passiert drüben, ob sie dann zur gleichen Zeit in dieser Richtung kommen würden, wussten wir natürlich nicht."

Grenzüberwachung, keine Verteidigung

Der heute 67-jährige Don Snategga aus New Jersey war von 1974 bis 1978 als Hauptmann und Kompaniechef auf Point Alpha stationiert.

"Alle drei Wochen hab ich einen Zug hier gehabt und bin dann öfters einmal die Woche hierhergekommen und unsere Aufgabe war Grenzüberwachung. Das hat nichts mit Verteidigung zu tun, nur was passiert jeden Tag, was tun die drüben – was Neues, was Normales. Das müssten wir alles dann natürlich berichten nach Fulda und dann weiter nach Frankfurt, Heidelberg und dann überlegen, was heißt das."

Hier hätte der Konflikt eskalieren können?

"Ja jeden Tag. Wir haben das ernst genommen. Wir haben verstanden: im Kriegsfall, im Ernstfall standen wir hier als vorderste Kräfte der Nato und wir haben verstanden, wenn irgendetwas passiert, wenn die Russen wirklich in diese Richtung kommen würden, dann zuerst mit großer Artillerie und Bomben und Raketen und dies und jenes und dass unsere Überlebensmöglichkeiten waren eigentlich sehr gering. Und wir haben verstanden, es kann sein dass wir hier sterben würden."

Das Szenario dieser möglichen Eskalation zum großen Krieg wird in einem Brettspiel mit dem Schlachtfeld Deutschland simuliert. In der Anleitung heißt es:

"Basis des Spiels ist die Landkarte von Hessen, die aus Sechsecken besteht. Die Sechsecke können durch eine eigene Einheit besetzt werden. Das Spiel ist für zwei Spieler vorgesehen, die jeweils 200 Pappmarken als Streitmacht einsetzen können. Die Spielzüge finden auf operativ-taktischer Ebene statt. Die Pappmarken sind gestaltet wie taktische Zeichen aus dem Militär und geben verschiedene Reichweiten und Detonationsstärken an.

Für den 'Nuklearschlag' müssen zunächst die eigenen 'Trägersysteme' günstig manövriert werden. Es gibt im Spiel festgelegte Obergrenzen nach Trägersystemen und Anzahl der Kilotonnen. Erfolgreiche Nuklearschläge können zum Beispiel ein Gebiet nachträglich kontaminieren."

Das Unterhaltungsspiel beschränkte sich dabei auf eine vergleichsweise kleine Region und die erste Phase eines Krieges. Der Preis für die Verteidigung der Freiheit, den die Generäle in ihrer Strategie eingeplant hatten wären der Dritte Weltkrieg und die totale Zerstörung Deutschlands gewesen.

Dieter Krüger, Historiker an der Universität Potsdam schreibt in seinem Buch "Am Abgrund":

"Hochgerüstet standen sich beide Seiten in dem Bewusstsein gegenüber, dass eine militärische Auseinandersetzung zwischen ihnen im Zeitalter der Massenvernichtungswaffen voraussichtlich zum Untergang der Menschheit führen würde."

Das Todesspiel von Point Alpha wurde kurz nach Erscheinen zurückgezogen. Es war zu realistisch – ein Albtraum.

Anlagen sollte abgerissen werden

Nach dem Willen der Hessischen Landesregierung sollte das Gelände von Point Alpha nach 1990 "renaturiert" werden. E war geplant die Beobachtungstürme auf beiden Seiten, Baracken und Fahrzeughallen abzureißen.

Gerettet wurden die Anlagen durch die Initiative eines Mannes, dessen Biografie vom Leben in Ost und West, auf beiden Seiten der Grenze geprägt ist. Der Journalist Berthold Dücker engagierte sich erfolgreich für die Erhaltung von Point Alpha. Der Platz wurde unter seiner Leitung zu einer wichtigen Gedenkstätte ausgebaut. Auf dem ehemaligen Beobachtungsturm der Amerikaner erklärt er die exponierte strategische Bedeutung. Nirgendwo sonst, abgesehen von Berlin, lagen sich die Amerikaner auf der einen und die Russen auf der anderen Seite so dicht gegenüber. Es war der westlichste Punkt des Ostblocks.

"Die Grenze verläuft hier auf dem Höhenrücken der Röhner Berge und macht einen Bogen bis hierher. Das ist der sogenannte Thüringer Zipfel, der Thüringer Balkon."

Aus gutem Grund: nach Frankfurt waren es 80 Kilometer Luftlinie und das Fulda GAP, nur 50 Kilometer entfernt, galt nach der Ansicht von Historikern als das größte Waffenlager Europas.

Berthold Dücker hat die gefährliche Ost-West-Konfrontation von Kindheit an miterlebt. Unmittelbar neben seinem Heimatdorf Geisa, auf dem Rockenstuhl, einer Anhöhe, stand ein Beobachtungsturm der Roten Armee. Am Fuße des Berges findet sich bis heute der Barackenkomplex der Russen.

Dückers Vater unterhielt eine kleine Landwirtschaft unmittelbar neben Stacheldraht und Minenfeld. Der Junge war den Grenzsoldaten der NVA vertraut. In seiner Freizeit konnte er mit Passierschein und Ausweis immer wieder auf die Weide seines Vaters, um dort die Kühe zu hüten. Nachts hörten die Dorfbewohner die Detonationen von Minen. Sie wussten von Menschen, die dabei schwer verletzt worden oder ums Leben gekommen waren.

Schon als Kind geriet Berthold Dücker mit der SED-Ideologie in Konflikt, musste er in der Schule erleben, wie die Ranzen nach Micky Maus Heften durchsucht und die Kinder nach Westfernsehen ausgefragt wurden. In einem christlichen Elternhaus aufgewachsen, sah er als Jugendlicher für sich keine berufliche Perspektive. 1964 beschloss er, wie zuvor ein paar Schulfreunde am helllichten Tag zu fliehen. Ein gefährliches waghalsiges Unternehmen, zu dem er von zu Hause eine Zange mitgenommen hatte.

"Das sogenannte Minenfeld ist der Grenze 50, 60, 70 Meter vorgelagert und ich musste halt zunächst dieses Minenfeld, diesen Doppelzaun überwinden. Ich bin durch einen kleinen trockenen Bachlauf gerobbt. In der Hoffnung, dass da keine Minen liegen. Ich habe dummerweise mit dem Schaft der Zange immer in die Erde gestochert weil ich dachte, so könnte ich möglicherweise eine Mine spüren. Nachdem ich das Minenfeld überwunden hatte waren da noch etliche Meter Niemandsland. Das war noch DDR-Gebiet. Dort waren Drähte gespannt oder auch Fallgräben, die hatte ich zu überwinden. Da bin ich natürlich aus dem Bachlauf heraus und quer über die Wiese gesprungen und mit einem Satz über einen Stacheldrahtzaun gesprungen, der schon nicht mehr DDR-Zaun war sondern das war eine ganz einfache Koppel eines Hesselbacher Bauern."

Berthold Dücker hatte Glück. Er war gerettet, war unbemerkt entkommen.

Szenario der totalen Überwachung

In der Ausstellung zur innerdeutschen Grenze wird der Totenschein eines jungen Mannes aus Kleinfischbach gezeigt, der vom 23. zum 24. April 1968 zwischen Mitternacht und sechs Uhr morgens von einer Mine getötet wurde. Nach Feststellung des Regimentsarztes durch "explosives Material".

Das Dokumentationszentrum zeigt ein eindrucksvolles beängstigendes Szenario der totalen Überwachung der innerdeutschen Grenze mit der jeder Fluchtversuch vereitelt werden sollte. Ein düsteres Waldstück mit einem Mannschaftswagen, Signalanlagen, Beobachtungsposten. Wer nicht von Minen zerfetzt wurde, musste auf Befehl erschossen werden.

DDR-Verteidigungsminister und Armeegeneral Heinz Hoffmann am 13. August 1966 vor Grenztruppen der NVA:

"Wer unsere Grenze nicht respektiert, der bekommt die Kugel zu spüren."

Erich Honecker am 3. Mai 1974 vor dem Nationalen Verteidigungsrat der DDR:

"Es muss angestrebt werden, dass Grenzdurchbrüche überhaupt nicht zugelassen werden. Überall muss ein einwandfreies Schussfeld gewährleistet werden. Nach wie vor muss von der Schusswaffe rücksichtslos Gebrauch gemacht werden und es sind Genossen, die die Schusswaffe erfolgreich angewandt haben, zu belobigen."

Dabei war es mit der Einrichtung von Sperrzonen nahezu unmöglich sich der Grenze zu nähern. In Geisa wie auch andernorts wurden nicht hundertprozentige SED-gefolgstreue Bewohner denunziert und fortgebracht.

Staatssicherheit und NVA organisierten eine Säuberungs – und Umsiedlungsaktion unter dem Namen "Ungeziefer". Zu den Betroffenen gehört auch die Familie von Marie-Louise Tröbst. Sie erinnert sich mit Schrecken an den 3. Oktober 1961. Die Familie lebte in der Schulstraße nur 50 Meter von der Stadtpfarrkirche entfernt. Die damals Zehnjährige hatte mit ihrem jüngeren Bruder am Morgen den Kindergottesdienst besucht. Danach wollten sie für den Unterricht ihre Ranzen zu Hause abholen. 

"Wir waren also erst einmal erschrocken als wir die LKWs vor unserem Haus stehen sahen. Meine Mutti, die kam uns schon weinend entgegen und hat gesagt: Kinder, Kinder, wir müssen Geisa verlassen. Das ist alles so schrecklich. Sie stand auch unter Schock. Dann kam gleich eine Polizistin auf uns zu und hat gesagt. So von wegen heute in die Schule spielt nichts ab. Ihr dürft das Haus nicht verlassen bis ihr Geisa verlassen müsst."

Unschuldige wurden drangsaliert

Für die Aktion gab es keine Begründung, keine Anschuldigung, keinen Durchsuchungsbefehl. Die Familie Tröbst hatte sich nichts zu Schulden kommen lassen, Soldaten der NVA und Polizei entschieden nach eigenem Ermessen willkürlich, was an Hausrat mitgenommen wurde und was zurückbleiben musste.

"Und ich sah plötzlich, wie diese Polizistin in das Schlafzimmer meiner Eltern ging, hat die Schranktüren, vom Schlafzimmerschrank im Schlafzimmer meiner Eltern geöffnet, einen Bettbezug herausgenommen und hat in diesen geöffneten Bettbezug angefangen die ganze andere Wäsche hineinzuwerfen."

Was nicht auf die LKW passte, blieb zurück. Auch die Großmutter durfte nicht mit. Bettlägerig war die damals 67-Jährige von der Familie gepflegt worden. Alle Bitten, die Schwerkranke mitnehmen zu dürfen halfen nichts. Es hieß für die Oma gäbe es in der neuen Adresse keinen Platz. Man werde sich hier um die alte Frau kümmern.

"Und dann hat man meinen Eltern ein Schriftstück vorgelegt. Also sinngemäß, dass sie Geisa verlassen müssen diene der eigenen Sicherheit und wenn die Bonner Militaristen und Imperialisten geschlagen sind, dann dürfen sie wieder zurück."

Unvergesslich auch die erzwungene Abfahrt der Militärlaster mit den Menschen, die "Ungeziefer" genannt worden waren. Zu beiden Seiten der Schulstraße standen die linientreuen Genossen Geisas, unter ihnen auch die Denunzianten. Die Familie erhielt Ilmenau in einem heruntergekommenen Haus eine verdreckte kleine Dreizimmerwohnung zugewiesen. Die Toilette auf halber Treppe. Insgesamt sind in zwei Aktionen 12.000 Familien unter menschenunwürdigen Umständen selbst in Ställen einquartiert. Marie-Louise Tröbs setzt sich heute als Präsidentin der Zwangsausgesiedelten für die Rechte von 500 Familien ein, von denen bis heute viele um eine Entschädigung für erlittenes Unrecht streiten. 

Aus dem Albtraum der Vergangenheit zurück in die Gegenwart, zur Last border Patrol auf Point Alpha, der seit einem Vierteljahrhundert für alle zugänglich ist. Früher war das anders.

Die starke militärische Präsenz von Russen und Amerikanern an der Grenze war auf beiden Seiten verschwiegen worden, wie es hieß um die Bevölkerung nicht zu beunruhigen. Selbst die Besuche amerikanischer Verteidigungsminister wie von Kaspar Weinberger 1974 fanden geheim statt.

Rote Armee hatte freie Sicht auf GIs

Nur die Soldaten der Roten Armee und die Grenztruppen der NVA hatten Einblick in das scheinbar ungezwungene Leben der GIs.

"Von hier aus, wenn man sich umsieht, hinter dem Zaun vielleicht einen Meter begann das Territorium des Warschauer Paktes. Das war tatsächlich so, dass sie sich gegenüberlagen auf engster Distanz und die Grenztruppen der DDR hier Patrouille getan haben bis zum Zaun des US-Camps, die konnten hier hineinschauen. Das war auch bewusst so gemacht. Das war auch gewollt. Die Amerikaner haben es nicht verhindert. Die haben keine Büsche gepflanzt, weil sie sagten, ihr könnt gerne sehen, was wir hier machen, ob wir nun grillen, Basketball spielen oder unsere Panzer pflegen. Das könnt ihr hier alles sehen."

Und sie konnten alles hören – auch den Sound von Glenn Miller, der in der DDR verboten war.

Großer Empfang des Generals. Pünktlich um 11 Uhr landet Ben Hodges, verantwortlich für die Landstreitkräfte der US-Army in Europa. Honoratioren aus den USA, Berlin, Thüringen, Hessen und die Veteranen bilden Spalier. Junge Gis aus Wiesbaden in Paradeuniform sind aufmarschiert.

Die feierliche Zeremonie: Am Fahnenmast wird das Sternenbanner gehisst, wieder eingeholt, von Veteranen zusammengefaltet und noch einmal zum Gedenken an die im 2. Weltkrieg gefallenen Gis auf Halbmast gesetzt.

Danach versammelt sich die Gesellschaft in der großen Fahrzeughalle. Militärs, Politiker, Botschafter halten Festreden, loben das Engagement für Frieden und Freiheit in der Vergangenheit und die neuen Herausforderungen durch die Aggressionspolitik Putins und die Gefahren eines neuen kalten Krieges, für den die NATO gewappnet sein müsse. Demonstratives Pathos unter einem alten Slogan aus dem Osten: der Frieden muss bewaffnet sein.

So wie er von 1949 bis 1989 auch hier am Point Alpha und am Fulda Gap bewaffnet war. Erinnerung und Mahnung. Der Zeitzeuge Berthold Dücker:

"Meine Gedanken gehen natürlich 25 und 26 Jahre und länger zurück und ich habe in Erinnerung, was hier gewesen ist. Wie gefährlich diese Grenze war, wie viele Menschen, die ihr Leben hier verloren haben, wie heiß dieser Konflikt war in diesem kalten Krieg war, der Gott sei Dank nie ein heißer geworden ist."

Welche Funktion hat Point Alpha  heute?

"Point Alpha ist heute ein Lernort der Geschichte. Er steht für Frieden, er steht für Demokratie. Hier sollen sich vor allem junge Generationen erinnern, daran, was hier einmal gewesen ist. PA ist ja auch entstanden als Ergebnis aus der ersten Diktatur. Dieser Ort steht natürlich auch für die 2. Diktatur, durch die Diktatur der Kommunisten in der DDR. Es ist also ein wichtiger Lernort der Geschichte gegen das Vergessen und gegen die Gefahr einer Wiederholung."

Den Eisernen Vorhang, die Grenze in Deutschland gibt es nicht mehr – aber heute stehen sich die Großmächte hoch gerüstet in der Ukraine, den baltischen Republiken und andernorts gegenüber, werden große Manöver veranstaltet, Raketen in Stellung gebracht und neue Waffen entwickelt. So ist Point Alpha  nach 25 Jahren auch Mahnung. 

Mehr zum Thema:

Wanderungen auf dem Grenzlehrpfad
(Deutschlandradio Kultur, Die Reportage, 3.10.2007)

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