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Interview / Archiv | Beitrag vom 03.10.2014

Ost und WestNachwende-Generation "empfindet gesamtdeutsch"

Soziologe zum Stand der Deutschen Einheit

Tilman Mayer im Gespräch mit Sonja Gerth

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Ein junger Mann läuft am 15.09.2014 in der Waagrechten die Wand der East-Side-Gallery in Berlin hinauf. (dpa / picture alliance / Jörg Carstensen/d)
Ost und West eher ein geografisches Problem: Die Nachwendegeneration, hier an der East-Side-Gallery in Berlin (dpa / picture alliance / Jörg Carstensen/d)

"Es gibt Teilungsspuren, aber es sind eigentlich keine Teilungsgräben" – so fasst der Soziologe Tilman Mayer den Stand 25 Jahre nach dem Fall der Mauer zusammen. Die Politik müsse dennoch weiterhin für Ausgleich sorgen.

Seit 1990 ist eine ganze Generation erwachsen geworden, die die DDR nicht kannte. Auf die Frage, ob die Unter-Dreißig-Jährigen heute noch zwischen Ost und West unterschieden, sagte der Soziologe Tilman Mayer am Freitag im Deutschlandradio Kultur: "Unterscheiden können sie schon (...). Sie kommen ja auch aus dem Osten und aus dem Westen und sind auch sehr mobil, aber (…) gerade diese Generation empfindet eigentlich sehr stark gesamtdeutsch und die Zuordnung nach 'ostdeutsch' oder 'westdeutsch' ist für sie eigentlich Geschichte oder eher ein geografisches Problem."

Man könne sagen, dass sich die wirtschaftlichen Probleme oder Mentalitätsunterschiede auswachsen. "Das kann man so sagen, dass verschiedene Sozialisationserfahrungen, die man eben in der DDR mitbekommen hat, für die jüngere Generation keine Rolle mehr spielen (…). Andererseits haben wir natürlich trotzdem noch Punkte, die Probleme bereiten, zum Beispiel dass wir die Alterung in Ostdeutschland viel stärker empfinden – eine gewisse Bevölkerungsschrumpfung hat schon dort stärker eingesetzt als im Westen. Einkommensunterschiede gibt es nach wie vor. Das Vermögensvolumen ist in Ostdeutschland immer noch deutlich geringer. Die Arbeitslosigkeit nimmt stark ab, aber ist doch etwas höher als im Westen."

Die Gesellschaft wird bunter und atheistischer 

Außerdem wies Mayer darauf hin, dass Deutschland in den vergangenen 24 Jahren "in gewisser Weise atheistischer" geworden sei. "Wir müssen hier mit einer eher bunteren Gesellschaft in religiöser Hinsicht leben", sagte er.

Im familiären Bereich wiederum zeige sich, dass die die Ostdeutschen beim Kinderkriegen aufholten. Auch im Hinblick auf die Rolle der Frau seien Annäherungen sichtbar, wenngleich im Osten die "Vollzeit-Erwerbstätigkeit der Frau" stärker favorisiert werde .

Doch trotz allen Annäherungen seien die Gegensätze in der Bevölkerung zwischen Ost und West weiterhin deutlich stärker als die zwischen Nord und Süd. Insofern sei die Politik nach wie vor in der Pflicht, für Ausgleich zu sorgen.

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