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Interview / Archiv | Beitrag vom 25.01.2017

Oscar-NominierungenSyrien aus Sicht der Kinder

Marcel Mettelsiefen im Gespräch mit Korbinian Frenzel

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(picture alliance / dpa / Horst Galuschka)
Für den Oscar nominiert: Der Filmemacher Marcel Mettelsiefen (am 22.10.2013 in einem WDR-Fernsehstudio) (picture alliance / dpa / Horst Galuschka)

Vom Alltag in Aleppo bis zur Flucht nach Deutschland: Marcel Mettelsiefens Dokumentarfilm "Watani" erzählt die Geschichte einer syrischen Familie aus der Perspektive der drei Töchter. Jetzt wurde der Film für den Oscar nominiert.

Für "Watani – My Homeland" hat der Filmemacher Marcel Mettelsiefen viel riskiert: Mit der Kamera begleitete er eine syrische Familie aus Aleppo einige Jahre lang in ihrem Alltag und schließlich auf der Flucht nach Deutschland. Jetzt wurde seine 40-minütige Dokumentation für einen Oscar nominiert.

In eher ruhigen Tönen erzählt der Film von der Normalität des Lebens der Familie im Krieg und auf der Flucht. Vor allem um diese Normalität zu zeigen, habe er den Film gemacht, sagte Mettelsiefen im Deutschlandradio Kultur. "Wo genau dieses Narrativ eines radikalen Islams immer präsenter wurde in der Berichterstattung und vor allem auch, weil es immer weniger Journalisten gab, die es rein und vor allem dann auch wieder rausgeschafft haben."

Immer konservativer werdende syrische Welt

Da er Syrien schon mehrere Jahre lang bereist hatte und über die entsprechenden Netzwerke verfügte, habe er beschlossen eine Dokumentation über Syrien aus der Sicht der Kinder zu machen.

"Insofern war ich immens glücklich, dass ich die Familie von Abu Ali kennengelernt habe, diese wunderbaren Kinder, und vor allem aber auch Vertrauen gewinnen konnte, dass er mir den Zugang zu seiner Frau und zu seinen drei Töchtern ermöglicht hat. Etwas, das in einer immer konservativer werdenden Welt in Syrien so selten ist und Frauen aus Syrien sprechen zu hören, dass man sie so lange begleitet, als Filmemacher freut man sich natürlich, dass man die Ehre hat, das Vertrauen zu erhalten."

Der Vater selbst kommt in dem Film kaum vor: Er war Kämpfer für die Freie Syrische Armee, wurde entführt und ist seitdem verschwunden. Nachdem die Mutter mit ihren Kindern ein Jahr lang allein auf sich gestellt war, habe sie Ende 2014 den Entschluss zur Flucht gefasst und ein Visum für Deutschland beantragt.

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