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Lesart / Archiv | Beitrag vom 20.11.2014

OriginaltonDon't judge a book by its cover

Wie Bücher zu ihrer Umschlaggestaltung kommen

Von Inger-Maria Mahlke

Eine Hand greift nach einem Buch auf einem Büchertisch in Leipzig. (picture alliance / dpa / Peter Endig)
Ein Büchertisch auf der Buchmesse in Leipzig (picture alliance / dpa / Peter Endig)

Die Autorin Inger-Maria Mahlke, unter anderem Preisträgerin des Open Mike, präsentiert in dieser Woche die Rubrik "Originalton". Heute dokumentiert sie ein Gespräch mit ihrem Kollegen Matthias Nawrat - über die Covergestaltung ihrer Bücher.

Matthias Nawrat (liest vor):

Zur Erklärung muss ich hinzufügen, dass wir erst nach Veröffentlichung herausgefunden haben, dass die Farbe Purpur Ms. Barnes besonders missfällt. Ihr ganz ergeben TS Elliot.

Inger-Maria Mahlke:

Im Folgenden geht es um das, worüber wir nicht reden, es geht darum, wie unsere Bücher zu ihren Covern kommen.

"Liebe Inger-Maria, man muss ja eh alles mitmachen, wer protestiert, kriegt doch nur zu hören, er solle froh sein, überhaupt einen Verlag zu haben. Ich möchte bitte anonym bleiben."

Ich sitze in einem Cafè in Berlin Wedding zusammen mit Matthias Nawrat.

Lieber Matthias, wie war es bei deinem ersten Cover und deinem ersten Titel? Wieviel Mitspracherecht hattest Du?

Matthias Nawrat:

Bei meinem ersten Buch, "Wir zwei allein", habe ich von meinem Verlag drei Vorschläge zugeschickt bekommen, also drei Coverentwürfe, und ich sollte entscheiden, welchen von denen mir am Besten gefällt. Und da war glücklicherweise einer dabei, den ich ganz Ok fand. Den ich sogar ganz gut fand, aber eben nur im Vergleich zu den anderen Dreien. Und ich glaube, dass viele Verlage wirklich auf diesen Kontrasteffekt auch vielleicht spekulieren. Dass sie den Autoren eben, wie in meinem Fall, drei Vorschläge schicken, und schon einen bestimmten im Hinterkopf haben. Und in meinem Fall, war es dann so, dass ich gesagt habe, dieser eine gefällt mir und mit dem haben wir dann gearbeitet. Aber später kam dann noch heraus, dass der Vertrieb – mein erster Verlag war Nagel und Kimche und der gehört zur Hanser Gruppe, das heißt, der Vertrieb ist der Hanser Vertrieb – dass da sich jemand gegen dieses Titelbild ausgesprochen hat, weil auf diesem Titelbild zwei, also beziehungsweise eine Möhre, die zwei Enden, die so ineinander verschwurbelt sind, drauf waren. Und dann hat jemand von denen gesagt, das kommt bei der Zielgruppe für das Buch eventuell ein bisschen zu lasziv rüber und da musste ich dann schon ein bisschen darum kämpfen, dass es dann eben so bleibt und nicht zwei Möhren nebeneinander drauf kommen.

Inger-Maria Mahlke:

Die entscheidenden Worte sind eben schon gefallen, nämlich Vertrieb und das andere Wort ist Marketing. Das sind die beiden Abteilungen, die eigentlich über Titel und Cover entscheiden.

Wie wars beim zweiten Buch? Wurde es besser nach einigen Preisen und Stipendien und auch viel Anerkennung?

Matthias Nawrat:

Naja, beim zweiten Buch war das immerhin insofern anders, als das ich gefragt wurde, schon im Vorfeld, von meiner Lektorin, was ich mir darauf vorstellen könnte und ob ich Vorschläge habe oder Ideen. Und dann habe ich dem Verlag tatsächlich so ein paar Ideen geschickt. Allerdings muss ich dazu sagen, keine wirklich fertigen Cover, sondern eine Ideensammlung habe ich geschickt. Das waren Bilder und Fotos und ich habe einfach im Vorfeld ausdrücklich gesagt, dass ich gerne nichts Konkretes, also nichts wirklich Fotografisches, keine Menschen auf dem Cover drauf hätte. Aber im Grunde genommen lief es Das war dann aber im Nachhinein auch wieder so, dass ich drei Vorschläge zugeschickt bekommen habe, die eine Agentur bereits produziert hatte. Und da war es dann wieder so, dass mir eines von denen am Besten gefallen hat, denn zwei von denen gingen überhaupt nicht, kamen überhaupt nicht in Frage und dieser Dritte ist es dann auch geblieben.

Inger-Maria Mahlke:

Gut, danke.

Kleine Formen erproben und mit den Möglichkeiten des Radios spielen: "Originalton" heißt eine tägliche Rubrik unserer Sendung "Lesart" - kurze Texte, um die wir Schriftsteller bitten. Die Originaltöne dieser Woche stammen von der Autorin Inger Maria-Mahlke. Es sind Schnipsel aus der Werkstatt der Autorin, Texte und Gedankensplitter, die Auskunft geben über das, was sie gerade interessiert. Inger-Maria Mahlke bezeichnet ihre Originaltöne selbst als "Aufgelesenes am Wegrand".

Inger-Maria Mahlke, geboren 1977 in Hamburg, wuchs in Lübeck auf, studierte Rechtswissenschaften an der FU Berlin und arbeitete am Lehrstuhl für Kriminologie. Sie ist Trägerin des 17. Open Mike 2009 sowie des ersten Debütpreises des HarbourFront-Literaturfestivals 2010 für ihren Roman "Silberfischchen". 2012 erhielt sie bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt den Ernst-Willner-Preis für einen Auszug aus ihrem zweiten Roman "Rechnung offen" (2013), der von Kritik und Lesern gefeiert und 2014 auch mit dem Karl-Arnold-Preis der Akademie der Künste und Wissenschaften von NRW ausgezeichnet wurde. Mahlke lebt in Berlin.

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