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Wortwechsel / Archiv | Beitrag vom 19.01.2018

Organspende in der KriseMein Tod, dein Leben?

Moderation: Monika van Bebber

Organspendeausweis und Rettungswagen (imago stock&people)
Der aktuelle Organspendeausweis - nicht jeder hat ihn im Portemonnaie. (imago stock&people)

Zwar befürwortet eine große Mehrheit der Deutschen Organspenden – doch Organspender im Land gebe es nur wenige. Befindet sich die Organspende in der Krise? Über diese Frage diskutieren wir im Wortwechsel.

Tausende schwerkranke Menschen in Deutschland warten dringend auf ein Spenderorgan. Und oft ist das Warten auf ein neues Herz oder eine Leber ein Wettlauf mit dem Tod. Dennoch ist die Zahl der Organspenden im vergangenen Jahr auf den tiefsten Stand seit Jahrzehnten gefallen. In kaum einem anderen europäischen Land gibt es so wenige Organspender wie in Deutschland - und das, obwohl eine große Mehrheit der Bundesbürger Organspenden eigentlich befürwortet.

Woran liegt das? Und was ist zu tun?

"Wir werden diese Therapieform verlieren"

Für den Transplantationsmediziner Prof. Johann Pratschke, Direktor der Chirurgischen Klinik Campus Charité Mitte in Berlin, zeigen die Zahlen: Das System Organspende in Deutschland sei nicht nur in der Krise, sondern am Sterben – "wir werden diese Therapieform verlieren". Und damit auch viele Patienten die Chance auf ein Weiterleben.

Daher seien die Patienten, die sich zur Spende ihrer Organe entschieden – oder deren Angehörige – "Helden".

Es herrsche ein Akzeptanzproblem

Als einen der Gründe dafür, dass im vergangenen Jahr bundesweit nur knapp 800 Menschen Organe gespendet haben, sieht Prof. Jochen Vollmann, Leiter des Instituts für Medizinische Ethik und Geschichte der Medizin der Ruhr-Universität Bochum, ein enormes Akzeptanzproblem für Organtransplantationen in unserem Land.

Zwar lasse sich die Frage, ob ein Mensch mit Eintritt des Hirntodes wirklich tot sei, medizinisch eindeutig mit ja beantworten - und erst dieses Befund ist Voraussetzung für das Spenden der eigenen Organe. Doch ethisch und anthropologisch sei diese Frage nicht so einfach zu beantworten. Menschen mit diesbezüglichen Vorbehalten müsse man ernstnehmen, statt sie zu belehren.

Eine "Kultur der Organspende"

Gitta Connemann, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU im Bundestag, wirbt für eine "Kultur der Organspende", etwa durch Betreuung der Angehörigen von Spendern nach deren Tod – denn in den allermeisten Fällen ist es die Familie, die letztlich über die Entnahme von Organen entscheidet.

Einig ist sich die Politikerin mit dem Arzt und dem Ethiker, dass es vieler Einzelmaßnahmen bedarf, um die Lage zu verbessern: mehr Klarheit bei der Abfassung von Patientenverfügungen, Stärkung der Transplantationsbeauftragten und spezielle Schulungen des Personals in Kliniken, nicht zuletzt eine bessere Vergütung. Und Wertschätzung, denn, so Gitta Connemann: "Ich gebe mein Wichtigstes, nämlich meine Organe, im Fall des Todes, damit ein anderer Mensch leben kann."

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