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Konzert / Archiv | Beitrag vom 18.12.2016

ORF Radio-Symphonieorchester mit Meister und KovacicDie Knochenflöte

Aufzeichnung aus dem Konzerthaus Wien

Der Dirigent Cornelius Meister (Marco Borggreve/Konzertdirektion Schmid)
Der Dirigent Cornelius Meister (Marco Borggreve/Konzertdirektion Schmid)

Ein monumentales Frühwerk Gustav Mahlers - "Das Klagende Lied" - kombinierte das RSO Wien mit dem fesch-fröhlichen Violinkonzert von Mahlers Kurzzeitschwiegersohn Ernst Krenek. Ernst Kovacic war der Solist. Chefdirigent Cornelius Meister stand am Pult.

Gustav Mahler war ein Besessener - er wollte die Welt mit seiner Art, Musik zu denken und zu fühlen, zu neuen Ufern geleiten, vielleicht sogar erlösen. Dazu gehörte im Falle seines Werkes "Das klagende Lied", das er im zarten Alter von 20 Jahren komponiert hatte, eine sehr große Zahl an Mitwirkenden sowohl im vokalen wie im instrumentalen Bereich. Diese "Märchenkantate" folgt einer Erzählung, die sich sowohl bei den Gebrüdern Grimm als auch bei Ludwig Bechstein findet (als "Der singende Knochen" bei Grimms - den Titel für sein Stück borgte sich Mahler bei Bechstein). In ihr zeigen sich schon Mahlers enorm weitreichende Vorstellungen davon, wie Raum, Zeit und Alltagsleben, aber auch eine besonders tiefe Art der Emotionalität in Musik Ausdruck finden können.

Den Zeitgenossen erschien "Das Klagende Lied" als zu gewaltig. Aufführen konnte Gustav Mahler das Werk erst, als er als Operndirektor in Wien über die nötigen Mittel verfügte. Doch selbst er kürzte und verschlankte das Werk. Erst Pierre Boulez wagte den Schritt zurück zu Mahlers jugendsündenartigen Auswüchsen. Allerdings nicht vollumfänglich, was die Orchestergröße angeht, doch so wirksam, dass im Zuge der Mahler-Renaissance der 1970er und 1980er Jahre  - oder überhaupt erst der Mahler-Entdeckung in dieser Zeit - sogar "Das Klagende Lied" Eingang ins Repertoire finden konnte.
Dennoch ist eine Aufführung des Werkes mit allen drei Teilen selten - und in diesem Fall ein Verdienst des Wiener RSO des ORF und seines Chefdirigenten Cornelius Meister.

Der erste Teil bringt ein ebenfalls nicht so häufig zu hörendes Werk der Wiener Avantgarde der 1920er Jahre mit dem renommierten Wiener Musiker Ernst Kovacic als Solisten - das Violinkonzert Ernst Kreneks. Zufällig war der Komponist im Entstehungsjahr 1924 mit einer gewissen Anna Mahler verheiratet. Die war die Tochter des 1911 verstorbenen Gustav Mahler. Doch Krenek hatte in dieser Zeit wenig Erfolg, weder im Berufs- noch im Privatleben. Der Status als posthumer Schwiegersohn Gustav Mahlers hielt nur ein Jahr, und auch eine Geigerin namens Alma fand nach der einmaligen Aufführung des Violinkonzerts in Dessau keinen weiteren Gefallen an dem Werk des jungen Krenek. Zum Glück war es nicht Alma Mahler, sondern die gebürtige Australierin Alma Moodie - zu viele familiäre Verwicklungen innerhalb eines Jahres wären dann doch zu viel gewesen, selbst für einen Komponisten in der Musik-Welthauptstadt Wien.

Konzerthaus Wien
Aufzeichnung vom 2. Dezember 2016

Ernst Krenek
Konzert für Violine und Orchester Nr. 1 op. 29

Gustav Mahler
"Das klagende Lied" für Solisten, Chor und Orchester

Ernst Kovacic, Violine
Simone Schneider, Sopran
Tanja Ariane Baumgartner, Mezzosopran
Torsten Kerl, Tenor
Adrian Eröd, Bariton
Oskar Stadler, Laurenz Ströbl, Knabenalt
Camilo Diaz Delgado, Tenor
Juyoung Kim, Bass
Wiener Singakademie
ORF Radio-Symphonieorchester Wien
Leitung: Cornelius Meister

Konzert

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