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Konzert / Archiv | Beitrag vom 20.04.2017

Orchestre de la Suisse RomandeSchönheit und Schmerz

Aufzeichnung aus Genf

Jonathan Nott dirigiert die Bamberger Symphoniker  (dpa / David Ebener)
Jonathan Nott ist jetzt Chefdirigent des Orchestre de la Suisse Romande (dpa / David Ebener)

Franz Schubert und Arnold Schönberg, zwei Wiener Komponisten, suchten Sinn in groß dimensionierten Werken. Das Orchestre de la Suisse Romande und Jonathan Nott führten die Es-Dur Messe und "Pelleas und Melisande" auf.

Als Franz Schubert im Sommer 1828 seine letzte Messe komponierte, konnte er nicht wissen, dass ihm nur noch wenige Lebensmonate bevorstanden. Aber er wusste, was an Versagungen und Glaubenszweifeln schon hinter ihm lag – und hat es seiner Musik mitgegeben, vor allem in den schneidenden, ausweglosen Dissonanzen des "Agnus Dei"-Abschnitts.
Doch die Verzweiflung behält nicht das letzte Wort: Schubert sucht und zeigt Auswege in der Rückbindung an die Natur, wo sich das Leben ständig erneuert und am Ende auch alle menschlichen Konflikte in eine übergreifende Harmonie eingehegt werden. Die Messe endet versöhnlich und vertrauensvoll.

Mit ähnlichen Mitteln arbeitete ein Menschenalter später auch Arnold Schönberg: seine von Maurice Maeterlinck inspirierte Tondichtung über die unglückliche Liebe des jungen Paares Pelleas und Melisande ist tief traurig, aber nicht hoffnungslos, weil die Musik selbst – weich und warm schwingend, noch ziemlich weit entfernt von den Schroffheiten des späteren Zwölftonmusikers – das tragische Geschehen veredelt und einen höheren Sinn sucht, der über die individuellen Schicksale hinausgeht. Es bleibt die Hoffnung, dass es hätte auch anders gehen können und vielleicht in einer zukünftigen ähnlichen Konstellation auch anders gehen wird.

Auch wenn Schönberg diese Tondichtung während seiner Berliner Jahre komponierte, bleibt ihr Wienerischer Tonfall einer Verquickung von Schönheit und Schmerz unverkennbar. So entsteht eine Verbindung seiner Klänge mit denen Schuberts.

Jonathan Nott, lange Jahre Chefdirigent in Bamberg, zeigt auch an seiner neuen Wirkungsstätte in Genf eine interessante Programmatik, die auf die inneren Beziehungen einzelner Stücke Wert legt.

Victoria Hall, Genf
Aufzeichnung vom 23. April 2017

Arnold Schönberg
"Pelleas und Melisande", Sinfonische Dichtung nach Maurice Maeterlink op. 5

Franz Schubert
Messe Nr. 6 Es-Dur D 950

Carolina Ulrich, Sopran
Carmen Seibel, Mezzosopran
Maximilian Schmitt, Tenor I
Bernard Richter, Tenor II
Alastair Miles, Bass
Lausanne Vocal Ensemble
Orchestre de la Suisse Romande
Leitung: Jonathan Nott

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