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Konzert / Archiv | Beitrag vom 24.05.2016

Orchestra della Svizzera Italiana mit A. ManacordaBesser als gut und zu gut

Aufzeichnung aus Lugano

Der Dirigent Antonello Manacorda (Nikolaj Lund/forartists)
Der Dirigent Antonello Manacorda (Nikolaj Lund/forartists)

Antike Dramen und rheinische Romantik hat Antonello Manacorda diesmal aufs Programm gesetzt. Er dirigiert regelmäßig das "OSI", das Rundfunkorchester der Italienischen Schweiz, hier mit Musik von Ludwig van Beethoven, Hector Berlioz und Robert Schumann.

Es war ein langer, mühsamer Weg gewesen, bis der junge Komponist Hector Berlioz endlich den begehrten Rom-Preis der französischen Kunstakademie erhielt. Mehrere Jahrgänge bewarb er sich, am Ende gewann er das Stipendium erst 1830. Ein Jahr zuvor noch war er mit seiner sehr besonderen Kantate "La mort de Cléopâtre" kläglich gescheitert. Einer der Juroren bemerkte kühl, Berlioz habe zu viel gewollt mit diesem Stück. Er habe "sein Bestes" gegeben, obwohl nur "etwas Gutes" von ihm erwartet wurde. Am Ende geriet dieses Werk vollkommen in Vergessenheit und wurde erst 1903 erstmals öffentlich aufgeführt. Berlioz hat sie nie adäquat zu Gehör bekommen. Schnell wurde sie zu einem Paradestück für Sopranistinnen, in ihrer Mischung aus Drama und Lyrik, aus Oper, Lied und Konzert. In Lugano sang die schwedische Solistin Lisa Larsson.

Das Konzert beginnt mit Beethovens Coriolan-Ouvertüre, einem kurzen, spannenden Stück Theatermusik. Damit bauen die Musikerinnen und Musiker aus Lugano eine einführende Brücke zum altrömischen Thema von Berlioz' Kantate. Schließlich war der Feldherr Coriolanus  ebenfalls ein römischer Feldherr wie jener Marcus Antonius, dessen Liebe die ägyptische Königin Cleopatra erlangte. Aus Gründen der Staatsraison wurde diese Beziehung schließlich von Antonius' Konkurrenten zerstört.

Weniger die Tragödien der Liebe als die des Lebens machten dem Komponisten Robert Schumann zu Schaffen, nachdem er endlich die junge begabte Pianistin und Komponistin Clara Schumann zur Frau bekommen hatte. Aus seinen kurzen glücklichen Jahren in der neuen Heimat Düsseldorf stammt die Dritte Sinfonie, die später den Namen "Rheinische" erhalten hat. Ein Besuch im und am Kölner Dom soll Schumann zu den leichten und beschwingten Klängen dieser Sinfonie inspiriert haben.

Der aus Italien stammende Dirigent Antonello Manacorda ist seit sechs Jahren künstlerischer Leiter der Kammerakademie Potsdam und seit fünf Jahren in der gleichen Funktion beim Het Gelders Orkest tätig. Regelmäßig arbeitet er an renommierten Opernhäusern und mit bedeutenden Orchesters. Aktuell hat Manacorda eine Produktion des erkrankten Dirigenten Robin Ticciati beim Opernfestival Glyndebourne übernommen.

Arte e Cultura, Lugano
Aufzeichnung vom 21. April 2016

Ludwig van Beethoven
Coriolan-Ouvertüre c-Moll op. 62 

Hector Berlioz
Kantate "La mort de Cléopâtre"

Robert Schumann
Sinfonie Nr. 3 Es-Dur op. 97 "Rheinische"

Lisa Larsson, Sopran
Orchestra della Svizzera Italiana
Leitung: Antonello Manacorda

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